Sicherheit Radler riskieren hier einen Schmiss im Gesicht

Von Caroline Holowiecki 

An mehreren Stellen in Stuttgart-Sillenbuch kommen wuchernde Ranken und Dornenzweige Fahrradfahrern in die Quere. Der Wildwuchs müsse ein Ende haben, fordern die Grünen. Es gehe um jeden Zentimeter.

Ulrich Riegger ärgert sich über  Bromm­beerranken, die von  Bäumen hängen. Foto: car
Ulrich Riegger ärgert sich über Bromm­beerranken, die von Bäumen hängen. Foto: car

Sillenbuch - Ulrich Riegger ist passionierter Radler. Täglich fährt er von Heumaden zur Arbeit nach Vaihingen und zurück. Um die 40 Minuten braucht er dafür. Und in dieser Zeit sieht er vieles, was ihm missfällt. Es springt ihm mitunter ins Gesicht – wortwörtlich. In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats monierte er als stellvertretendes Mitglied der Grünen-Fraktion, dass vielerorts Büsche, Hecken und Äste von Bäumen viel zu weit in Fuß- und Radwege hineinragen und so ein Unfallrisiko darstellen.

Was er damit meint, zeigt er am Paul-Grüninger-Weg, der von der Bernsteinstraße in Heumaden entlang der Felder zur Waldorfschule führt. Dort wuchern eine Hecke und Efeu üppig in den Weg, vom Baum baumeln stachelige Brombeerranken bis genau auf Gesichtshöhe. Begegnen sich hier zwei Radler, so dass der eine etwas zur Seite ausweichen muss, riskiert der einen Schmiss an der Wange. Ulrich Riegger ärgert das. Auf dem Paul-Grüninger-Weg gehe es gerade morgens eng zu. Viele Schulkinder seien unterwegs. „Die Breite muss da sein“, mahnt er, „es geht um jeden Zentimeter“.

Man fahre hier bei Ausweichmanövern ins Gestrüpp

Dass Privatleute ihr Grünzeug gewähren lassen, kommt häufig vor. Im November 2018 etwa hatte die ausladende Hecke rund um ein leer stehendes Haus an der Kirchheimer Straße in Sillenbuch für Ärger gesorgt. Etwas weiter in der Straße sieht es aktuell ähnlich unordentlich und verwildert aus. Auch Ulrich Riegger sagt über die gefährlichen Ranken am Paul-Grüninger-Weg: „Das ist nur ein Beispiel von vielen.“ Am Ende des Ilse-Beate-Jäkel-Wegs am Eichenhain etwa wuchere ebenfalls so einiges, „wenn ich ausweichen muss, fahre ich da ins Gestrüpp“.

Erlaubt ist die raumgreifende Vegetation nicht. „Anpflanzungen und Zäune sowie Stapel, Haufen oder andere mit dem Grundstück nicht fest verbundene Einrichtungen dürfen nicht angelegt oder unterhalten werden, wenn sie die Sicherheit oder Leichtigkeit des Verkehrs beeinträchtigen“, heißt es im Straßengesetz für Baden-Württemberg. Auch die Stadtverwaltung weist explizit auf diesen Passus hin. „Der Bewuchs entlang der Geh- und Radwege ist bis zur Grundstücksgrenze zurückzuschneiden“, kann man auf der städtischen Homepage nachlesen. „Da es immer wieder vorkommt, dass Äste von Privatgrundstücken in den Straßenraum hineinragen und so die Verkehrssicherheit gefährden, werden Grundstücksbesitzer regelmäßig durch Pressemitteilungen im Amtsblatt und der Tagespresse von der Stadt auf die Beseitigungspflicht hingewiesen“, erläutert Martin Thronberens, ein Sprecher. Das Tiefbauamt kontrolliere Straßen und Gehweg ohnehin regelmäßig. „Werden Gefährdungen aufgrund von fehlendem Grünrückschnitt festgestellt, werden die Eigentümer schriftlich zum Rückschnitt aufgefordert“, stellt er klar.

Stadt entfernt Wildwuchs auf Kosten der Eigentümer

Nicht immer ist das von Erfolg gekrönt. Werde trotz Erinnerung und Nachfrist nicht gestutzt, legten das Garten-, Friedhofs- und Forstamt beziehungsweise eine Fremdfirma auf Kosten des Eigentümers selbst Hand an. Das Ganze ist aber aufwendig, erklärt Martin Thronberens. Jährlich würden rund 2000 Anlieger vom Tiefbauamt angeschrieben, von denen rund 15 Prozent nicht mehr erreicht werden könnten. Einige sind ohne Nachweise verzogen, andere verstorben.

Ulrich Riegger will das Ganze nicht auf sich beruhen lassen. „Es ist immer wieder ein Thema“, sagt er. Für eine der kommenden Sitzungen wollen die Grünen im Bezirksbeirat einen Antrag formulieren. Das stellvertretende Mitglied betont: „Wir haben das auf dem Radar.“

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