Freibäder in Stuttgart Eine Sicherheitsfirma patrouilliert auf der Liegewiese

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Sicherheitsleute sorgen in vier Stuttgarter Freibädern für Ordnung auf der Wiese. Der Freibadchef betont, dass es keine Probleme mit Flüchtlingen gebe.

Arbeitsteilung: Am Becken tun die Schwimmmeister Dienst, auf der Liegewiese geht die Sicherheitsfirma Streife. Foto: Lg/Oliver Willikonsky
Arbeitsteilung: Am Becken tun die Schwimmmeister Dienst, auf der Liegewiese geht die Sicherheitsfirma Streife. Foto: Lg/Oliver Willikonsky

Stuttgart - Im schattigen Flur der Umkleiden schiebt Marina die Sonnenbrille mit den riesigen dunklen Gläsern ins Haar. Der Blick geht rechts in die Reihen der Spinde, dann nach links zu den Kabinen. Sie bückt sich leicht, um am unteren Rand der Türen „Auffälligkeiten“ zu registrieren. „Mit Handy und so“ soll niemand als Spanner in die Nachbarumkleide linsen. „Die haben ihre Tricks, aber wir kennen sie“, sagt die 28-Jährige, die als Sicherheitskraft zusammen mit ihrem Kollegen im Vaihinger Schwimmbad Streife geht. Der Kollege, 26 Jahre, Tätowierung am Unterarm, hat blau verspiegelte Brillengläser, geht mit ein paar Schritten Abstand durch die Kabinen. „Einer geht rechts rum, einer links rum“, erzählt der 26-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung ­lesen möchte.

Im FKK-Bereich ist es verboten, Handys zu benutzen

Die beiden Mitarbeiter der Firma Big-Sicherheit gehören zu dem Team, das in vier Stuttgarter Schwimmbädern in diesem Sommer zum ersten Mal unterwegs ist. Die beiden zählen auf, was sie auf ihren Runden ins Visier nehmen und ahnden. „Gestern haben wir im Möhringer Bad Jugendliche mit einer Shisha hinter einer Mülltonne entdeckt“, sagt der 26-Jährige. „Das ist verboten.“ „Hier in Vaihingen gibt es viele Stellen, wo man über den Zaun einsteigen kann, wenn man nicht zahlen will“, ergänzt die Kollegin. Also gehen sie immer wieder am langen Zaun entlang. Wenn sie gerufen werden, gehen sie auch in den FKK-Bereich und schreiten ein, wenn jemand dort Handyaufnahmen macht.

„Wir haben kein Problem mit Flüchtlingen.“

Die Sicherheitsdienste in Freibädern sind in letzter Zeit immer wieder im ­Zusammenhang mit einzelnen Fällen ­sexueller Übergriffe durch Flüchtlinge in Zusammenhang gebracht worden. Nach vier Übergriffen auf junge Mädchen im Schwimmbad von Kirchheim unter Teck, wobei unter den Tatverdächtigen zwei Asylbewerber waren, reagierte die dortige Verwaltung, indem sie ebenfalls auf Sicherheitsdienste setzte.

„Das hat mit uns nichts zu tun“, stellt Klaus Schlipf, der Chef des Vaihinger Freibads, klar. Ein Zwischenfall ist allerdings aktenkundig, bei dem zwei junge Afghanen Mädchen angefasst haben sollen. Die Schwimmmeister holten die Polizei. „Aber das ist ein einzelner Fall. Wir haben wirklich kein Problem mit Flüchtlingen. Es gibt genügend Deutsche, die sich nicht benehmen können. Wenn jemand was anderes behauptet, dann soll er es beweisen“, fügt Schlipf, ein Mann der klaren Worte, hinzu.

Die offiziellen Zahlen geben ihm recht: Das Innenministerium hat erhoben, dass im Jahr 2015, als die Flüchtlingszahlen Rekordniveau erreichten, kein Anstieg sexueller Übergriffe in Bädern zu verzeichnen war (siehe Tabelle). In diesem Jahr seien die Zahlen leicht steigend. Die Zahlen sind unabhängig von der Herkunft erfasst.

Viele Asylbewerber sind Nichtschwimmer

Dennoch hat die Anwesenheit etwas mit den Flüchtlingen zu tun. Nicht deren Fehlverhalten, das manche unterstellen, sondern deren Unerfahrenheit in Schwimmbädern ist der Grund, den Wachdienst zu engagieren. „Viele sind Nichtschwimmer und verstehen die Sprache nicht. Sie springen ins tiefe Becken, weil sie denken, wo man den Boden sehen kann, kann man auch stehen“, sagt Lars Mühlig, der Schwimmbadleiter des Bäderbetriebs Stuttgart. ­Deswegen seien mit der steigenden Zahl der Asylbewerber, die in die Bäder kommen, die Schwimmmeister mehr ­gefordert. „Sie können nicht mehr über die Wiese gehen und schauen, ob da was ­passiert“, erläutert Mühlig. Daher habe man diese Aufgabe dem Sicherheitsdienst übertragen. Der ist in Vaihingen, Möhringen, auf dem Killesberg und im Inselbad im Einsatz, aber nur, wenn bei Sonnenschein die Liegewiesen voll sind.

„Wir müssen auch schwimmen können“, sagt Marina – falls sie im Notfall mal mit eingreifen müssten. Aber vor allem müssen Marina und ihr Kollege eines können: mit den Leuten reden. „Es kommt immer darauf an, wie man kommuniziert“, sagt der 26-jährige Sicherheitsmann. Wenn man einer Gruppe Jugendlicher ruhig erkläre, warum es gehe, sei die Akzeptanz hoch. „Dann packen sie die Shisha oder den Grill weg“, sagt der junge Mann. Bei der Kommunikation kommt der Streife zugute, dass beide einen Migrationshintergrund haben. Marina spricht kroatisch, bosnisch, serbisch, italienisch und englisch. Ihr Kollege kann englisch, arabisch und kurdisch, er stammt aus dem Irak. Beim Rundgang spiele es für sie keine Rolle, wo jemand herkommt. „Alle müssen sich benehmen“, sagen die zwei. Mit Vorurteilen werden sie dennoch häufig konfrontiert. „Ihr seid doch wegen der Flüchtlinge hier, hat vorhin wieder eine Frau gesagt“, berichtet der 26-Jährige. „Dann redet man mit den Leuten, manche glauben einem, manche nicht.“

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