Sicherheitskonferenz in München Amerika ohne Telefonnummer

Die US-Delegation will ihre Partner beruhigen, was aber nur bedingt gelingt. Immerhin: Vizepräsident Michael Pence bekennt sich eindeutig zu den Werten Europas.

Trump-Vize Mike Pence und Kanzlerin Angela Merkel. Foto: Getty Images Europe
Trump-Vize Mike Pence und Kanzlerin Angela Merkel. Foto: Getty Images Europe

München - So eine Sicherheitskonferenz ist eine recht unauffällige Veranstaltung. Da wird keine Ostseeküste gesperrt wie zum G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, es werden keine Alpentäler abgeriegelt wie zum G-7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau. In München begnügt sich die Weltpolitik mit einem überschaubaren Quartier mitten in der City, einer kleinen Zahl lahmgelegter Nebenstraßen – und drum herum geht das Leben weiter wie jedes Wochenende.

Nur die Demonstranten, die machen Krach. Ein bisschen aber nur. Zu Ausschreitungen kommt es nicht, und die Hundertschaften der Bundespolizei in schwarzen Kampfanzügen, die begleiten den Zug recht entspannt. Dass die Größe des Protestzugs derart überschaubar ausfällt – von 3600 Teilnehmern sprechen die Veranstalter, von 1900 die Polizei –, mag auch damit zu tun haben, dass das wichtigste Ziel der Konferenz auf gar nicht so viel Widerspruch stoßen mag: Es geht vorrangig darum, Donald Trumps teils so entrückt wirkende US-Regierung einzubinden.

Die beste Münchner Brezn gibt es im Palaiskeller des Bayerischen Hofes. Heißt es zumindest. Frisch aus der hauseigenen Backstube. Hier will sich die Diplomatin mit ihrem Gesprächspartner treffen, um in Ruhe von ihrem jüngsten Trip nach Washington zu erzählen. Wobei ihre Gesten mehr sagen als ihre Worte. Sie schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, schüttelt ihn ungläubig, so, als könne sie immer noch nicht fassen, was sie bei ihren Begegnungen mit der neuen US-Administration alles gehört oder besser: nicht gehört hat. Wissen über die Länder Europas oder die EU ist Mangelware in Trumps Regierung. Von Verständnis für europäische Anliegen ganz zu schweigen.

Die Konferenz erfährt die größte Aufmerksamtkeit seit 50 Jahren

Die maximale transatlantische Entfremdung hat „maximale Unsicherheit“ zur Folge, wie Wolfgang Ischinger zwei Stockwerke über dem Hotelkellergewölbe feststellt. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, die an diesem Wochenende die wohl größte Aufmerksamkeit ihrer gut fünfzigjährigen Geschichte erfährt, hat schon vor deren Beginn gehofft, dass „die weltpolitische Lage am Sonntag ein klein wenig geklärter sein wird als vorher“.

Ein klein wenig vielleicht, mehr aber auch nicht. Die Unübersichtlichkeit einer Welt mit einem Präsidenten Trump will schließlich erst einmal geordnet werden: Ausgerechnet die Chinesen können sich da plötzlich in Gestalt ihres Außenministers Wang Yi als Vorkämpfer für mehr statt weniger internationale Kooperation präsentieren. Das Werben von Moskaus Außenminister Sergej Lawrow für eine „postwestliche Weltordnung“ ohne die Nato, die er als Relikt des Kalten Krieges sieht, knüpft an Trumps zuvor geäußerter Kritik an der Allianz sowie seiner vermuteten Russland-Freundlichkeit an.