Sicherheitsstandards Das Auto ohne Knöpfe und Schalter ist ein Irrweg
Der Trend zum multifunktionalen Display im Auto birgt unnötige Gefahren. Ein vernünftiger Mix aus analogen und digitalen Bedienelementen sollte vorgeschrieben werden.
Der Trend zum multifunktionalen Display im Auto birgt unnötige Gefahren. Ein vernünftiger Mix aus analogen und digitalen Bedienelementen sollte vorgeschrieben werden.
Multifunktionale Touchscreens haben ihre Tücken. Es gibt Leute, die kommen selbst heute noch, 18 Jahre nach Erfindung des iPhones, ins Schwitzen, wenn sie gleichzeitig telefonieren und etwas in den Mails nachschauen sollen. (Transparenzhinweis: der Autor dieser Zeilen auch.) Und auch Touchscreens im Auto können mächtig nerven.
Wer einmal versucht hat, die Heizung höher zu stellen, während sich gerade das Bild der Rückfahrkamera über den Screen legt und man womöglich Handschuhe trägt, was im Winter ja vorkommt, kennt das Problem. Es ist einfach nur lästig. Aber schlimmer noch, es ist auch gefährlich.
Diverse Studien zeigen, dass der komplette Verzicht auf physische Schalter und Knöpfe zum Risiko wird, weil sich die Fahrzeuglenkenden zu lange auf den Bildschirm statt auf die Straße konzentrieren. Zugegeben: in vielen neuen Autos kann man heute auch per Sprachbefehl die Heizung hochdrehen. Aber manchmal hören die digitalen Helfer nicht richtig zu, und manchmal hat man keine Lust, jetzt auch noch mit dem Auto zu streiten.
Ebenfalls zugegeben: In den vergangenen Jahren sind Autos unterm Strich immer sicherer geworden, unzählige Hilfssysteme warnen, bremsen und lenken mit. Die Hersteller sind in Sachen Sicherheit also nicht untätig. Trotzdem bleibt es ein Irrweg, sich in der Produktion das Geld für ein paar Knöpfe und Regler sparen zu wollen und alle Funktionen auf das zentrale Display zu legen, wie es diverse Hersteller tun.
Glücklicherweise funktioniert hier der Wettbewerb. Manche Marke macht derzeit die richtigen Schritte rückwärts und wirbt für sich bereits mit einem besonders funktionalen Mix aus analogen und digitalen Bedienelementen. Der Kunde hat es in der Hand, seine Kaufentscheidung auch danach zu richten, welches Auto sich am besten beherrschen lässt. Noch wichtiger wäre aber, dass höhere Mindestanforderungen an eine nutzerfreundliche, intuitive und sichere Bedienung auch in den entsprechenden Regelwerken verankert werden.