Kleine weiße Flugobjekte am Himmel sorgen auch im Kreis Rottweil für Rätselraten. Es sind Ballone – und es sind viele. Wir gehen der Sache nach. Die Auflösung führt ins Ausland.

Wer am Wochenende draußen unterwegs war, dem könnten die kleinen weißen Punkte am Himmel aufgefallen sein. Man musste schon ganz genau hingucken, um zu sehen, dass es sich tatsächlich um Flugobjekte handelt. Genauer gesagt: um Ballone.

 

Ein Leser schickt der Redaktion des Schwarzwälder Boten ein Foto, das er am Samstag bei strahlend blauem Himmel am Vaihingerhof in Rottweil gemacht hat. „Was ist das?“, fragt er. Eine Googlesuche habe ergeben, dass es ein Wetterballon sein könnte – aber irgendwie passe das nicht. Und auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt der Redaktion am Montag auf Nachfrage: „Ein Ballon von uns ist das nicht.“ Wetterballone würden etwas anders aussehen, heißt es – was ein Vergleichsbild bekräftigt.

Ein weiterer Leser berichtet außerdem, dass er auf seiner Radtour gleich einen ganzen Schwarm der weißen Ballone gesehen habe. Von Horb bis Aldingen – überall sorgten die Ballone für Rätselraten.

Die Ballone kommen aus Frankreich

Wir gehen der Sache nach und stoßen auf Erstaunliches. Denn die Ballone sind nicht etwa klein, so wie es auf den ersten Blick erscheint, sondern sie sehen nur so aus, denn sie fliegen in enormer Höhe. Eine Flugtracking-Plattform gibt Höhen zwischen 10 000 und mehr als 12 000 Fuß an – das sind 3,6 Kilometer. Und die Plattform gibt eine weitere erstaunliche Info: Die Ballone sind allesamt aus Frankreich herübergekommen.

Weltmeisterschaft beim Gordon Bennett Cup

So viele Flugobjekte in so großer Höhe – darüber müsste die Deutsche Flugsicherung (DFS) Bescheid wissen. Unsere Nachfrage bei der dortigen Pressestelle bringt schließlich die Aufklärung. Wie eine Sprecherin erklärt, starteten am Samstag im französischen Metz insgesamt 24 Gasballone in der 68. Ausgabe des ältesten und prestigeträchtigsten Wettbewerbes der Luftfahrt weltweit: dem Gordon Bennett Cup.

Mit diesen Gasballons sind die Teilnehmer des Rennens unterwegs. Foto: Gordon Bennett Cup

Diese Weltmeisterschaft auf der Langstrecke mit Gasballons bringt jedes Jahr die besten Gasballon-Piloten zusammen, um an einem Rennen mit einem einfachen, aber anspruchsvollen Ziel teilzunehmen: Die größtmögliche Distanz vom Startpunkt zurückzulegen – ohne Zwischenlandungen. „Die Piloten müssen mit höchster Präzision navigieren und dabei Luftströmungen, Wetterbedingungen und die Optimierung des Ballasts berücksichtigen, um so weit wie möglich zu kommen“, so die Sprecherin der DFS.

In der großen Höhe warten besondere Herausforderungen. Foto: Gordon Bennett Cup

Und die Teilnehmer legen weite, sehr weite Strecken zurück. Die Route der Ballons kann auf der Live-Tracking-Seite des Gordon Bennett Cups nachverfolgt werden. Und tatsächlich sind etliche Teilnehmer am Montagmittag immer noch unterwegs und nach der Überquerung des Südwestens Deutschlands und Österreichs inzwischen am Himmel über Serbien und Rumänien zu sehen.

Im Live-Tracking kann die Route der Teilnehmer verfolgt werden. Foto: Screenshot Gordon Bennett

Die Luftströmungen hätten auf diesem Weg mehr als zehn Ballone ab Samstagnachmittag bis in die Nacht hinein sogar direkt durch die „Approach Area“ des Flughafens München – Teil der Kontrollzentrale für Südostdeutschland, direkt am Flughafen geführt, berichtet die Deutsche Flugsicherung. In sogenannten Levelblocks sei ihnen von den Lotsen die Durchfahrt unter Berücksichtigung des an- und abfliegenden Luftverkehrs genehmigt worden.

Bei dem hochklassigen Rennen sind übrigens drei deutsche Teams am Start – darunter eins der Ballonsportgruppe Stuttgart. Und dieses Team GER-3 ist auf der Livetracking-Karte vorne mit dabei.

Im Kreis Rottweil jedenfalls haben die Ballone bei vielen Eindruck hinterlassen – jetzt sogar vielleicht noch ein bisschen mehr.