Sickless bei Sound of Stuttgart Rappen auf der Drehscheibe

Von Thomas Morawitzky 

Er erzählt von Astronauten mit Höhenangst, einstürzenden Neubauten und der Flüchtlingskrise: Der Rapper Sickless ist beim Festival Sound of Stuttgart aufgetreten.

Sickless beim Auftritt auf der Drehbühne im Stadtpalais Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone 8 Bilder
Sickless beim Auftritt auf der Drehbühne im Stadtpalais Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Stuttgart - „Ich brauch eigentlich ne Auszeit, doch wenn ich träume kann ich fliegen / Ich wollt schon immer Astronaut sein, doch ich hab‘ Höhenangst.“ Das Stück ist fünf Jahre alt, erschien auf dem Album „Hours“, ein Ohrwurm, der von Hoffnungen und Ängsten erzählt. Sickless rappt es auf der Drehbühne im zweiten Stock des Stadtpalais beim Festival Sound of Stuttgart. Sickless heißt eigentlich Alexander Föll, kam vor vielen Jahren aus Aalen nach ­Stuttgart. Er ist Chef des Labels Wirscheissengold, hat mehrere Alben auf dem Markt, trat im Vorprogramm etlicher Hip-Hop-Prominenz auf – ein Rapper mit Ambitionen, einer, der schnell sprechen kann, geschliffene Texte hat und Energie auf die Bühne bringt.

„Ich arbeite gerne mit Metaphern“, sagt Sickless

Über dieser hängt im Stadtpalais eine Skulptur aus geknülltem Stoff, die in vielen Farben leuchtet. Als die Vorband ­Steamy­ Bahir auf der sich langsam drehenden Bühne auftritt, versammelt sich ein immer größeres Publikum. Steamy Bahir liefern ein Kontrastprogramm zum Hip-Hop von Sickless ab – Indie, der eine großer Stilbreite abdeckt, mal funky, mal rockig, instrumental ausgefeilt, mondän und melodisch.

Sickless kommt später in Begleitung einer nicht weniger versierten Band: Tilman Ziegler am Schlagzeug, Jan Kappes am Bass, Salomon Appiah an den Keyboards und DJ Kinimoto. Eine Sängerin tritt später hinzu, die seine Reime geschmeidig unterlegt, eigene Strophen singt. Politisch äußert Sickless sich kaum je direkt. „Ich arbeite gerne mit Metaphern“, sagt er. Einen Song zum Flüchtlingsthema hat er dann doch geschrieben, weil das Thema ihn packte. Er beginnt ihn als Sprechgesang ohne Begleitung, geht zwischen seinen Musikern im Halbdunkel hin und her, lässt seine Worte wirken. „Das Ego der Menschheit ist groß und kennt kein Erbarmen“, rappt er, reimt biblische Bilder dazu. Dann erst setzt das Schlagzeug ein, bringt die Band die Botschaft mit schwerem Beat auf den Punkt.

Im Finale wird das Konzert mehr und mehr zur Party

Dieser Rapper hat sogar ein Stück im ­Programm­, das „Einstürzende Neu­bauten“ heißt; Erinnerungen an andere musikalische Zeiten, bindet die Band mühelos ein. Wenige nur im Publikum haben ihn zuvor schon einmal live erlebt, aber schließlich treten sie doch näher an die Drehscheibe heran, recken die Arme in die Höhe­. Sickless führt sein Konzert zu einem großen Finale, das immer mehr zur Party wird.

Hier geht es zu unserer Multimediareportage über die Hip-Hop-Szene in Stuttgart: „Willkommen in der Mutterstadt“