Der Bürgermeister von Oppenweiler verlässt das Rathaus aus persönlichen Gründen. Die Nachfolge ist offen – mit bekannten und überraschenden Kandidaten.
In Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis) wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: Bei der Bürgermeisterwahl am 30. November stehen gleich sieben Namen auf dem Stimmzettel. Doch einer fehlt – und das ist kein Zufall. Bernhard Bühler (parteilos), seit 2018 im Amt, verzichtet auf eine weitere Amtszeit. In einer bemerkenswert persönlichen Rede vor dem Gemeinderat erklärte der 56-Jährige im Sommer seinen Rückzug: „Meine Ressourcen sind endlich.“
Wie Bühler mitteilte, sei die Entscheidung gereift – auch durch gesundheitliche Rückschläge. Nach einer Corona-Erkrankung im Jahr 2022 leidet er unter einem Tinnitus, später wurde eine Herzerkrankung diagnostiziert. „Der Ton ist rauer geworden. Man steht mehr ‚im Wind‘“, sagte Bühler mit Blick auf die gestiegenen Erwartungen an das Amt.
„Mehr mit den Händen arbeiten“: Bürgermeister Bühler sucht neue Wege
Bühler will nun „mehr mit den Händen arbeiten“, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen – und in der Natur. Segelfliegen, Streuobstwiesen pflegen, sich gemeinnützig engagieren: All das ist ihm wichtiger geworden als ein weiteres Ringen um Haushaltspläne oder Bebauungspläne.
Der Abschied fällt ihm sichtlich nicht leicht, zu sehr fühlt er sich mit der Gemeinde verbunden. Er ist in Oppenweiler aufgewachsen, kennt die Menschen, die Themen und die Geschichte des Ortes mit seinen gut 4400 Einwohnern. 2018 hatte sich der damalige Haupt- und Personalamtsleiter der Gemeinde Kernen im Remstal mit 86,1 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang durchgesetzt – ein Vertrauensvotum, das ihm stets Rückenwind gab.
Sieben Männer wollen ins Rathaus – die Kandidaten im Überblick
Jetzt liegt die Zukunft Oppenweilers in neuen Händen. Sieben Männer haben ihre Bewerbung eingereicht – zugelassen vom Gemeindewahlausschuss unter Leitung von Bühler selbst. Darunter bekannte und weniger bekannte Namen:
- Gabriel Nold (23) ist Verwaltungsfachangestellter aus Rastatt.
- Joachim Lux (44) betreibt eine Metzgerei in Auenwald.
- Heiko Eberhard (56) ist Diplom-Ingenieur aus Kaisersbach.
- Patrik Köhler (50) wohnt in Oppenweiler und arbeitet als Fachkraft für Arbeitssicherheit.
- Bruce Schlößer (33) ist examinierter Altenpfleger aus Murrhardt.
- Christoph Hald (44), ehemaliger Bürgermeister in Gschwend, nun selbstständig.
- Johannes Herbrik (37), Jurist und Büroleiter bei einem Landtagsabgeordneten der Grünen.
Die öffentliche Vorstellung der Kandidaten findet am 17. November ab 19 Uhr in der örtlichen Gemeindehalle statt.
Erfahrene Führungskraft mit politischem Netzwerk
Der prominenteste unter den Bewerbern ist zweifellos Christoph Hald. Acht Jahre lang war er Bürgermeister in Gschwend (Ostalbkreis), bevor er 2024 knapp abgewählt wurde. Seither arbeitet er als selbstständiger Unternehmensberater. Hald bringt Verwaltungserfahrung mit – und politische Kontakte durch seine langjährige Tätigkeit als CDU-Kreisrat im Ostalbkreis.
Sein ehemaliger Kollege Johannes Herbrik, ebenfalls aus Gschwend, geht mit einer anderen Perspektive ins Rennen. Der Jurist ist seit 2021 im Team des Grünen-Abgeordneten Armin Waldbüßer tätig. Sein politischer Hintergrund könnte besonders jüngere Wählerinnen und Wähler ansprechen.
Regionale Kandidaten punkten mit lokaler Verwurzelung
Einige Bewerber kommen aus der unmittelbaren Region – etwa Joachim Lux, der mit seinem Metzgereibetrieb in Auenwald verwurzelt ist, oder Patrik Köhler, der in Oppenweiler lebt. Beide dürften von ihrer Bekanntheit vor Ort profitieren.
Der 33-jährige Bruce Schlößer aus Murrhardt hebt sich zudem durch seinen Beruf hervor. Als Altenpfleger steht er für soziale Themen, die zunehmend auch kommunal an Bedeutung gewinnen, etwa Pflegeangebote, Inklusion oder demografischer Wandel.
Herausforderungen für Oppenweilers neuen Bürgermeister
Wer es schließlich auf den Bürgermeisterstuhl schafft, wird sich zeigen – vielleicht schon am 30. November, vielleicht erst in einer Stichwahl am 14. Dezember. Klar ist: Die Aufgaben in Oppenweiler bleiben anspruchsvoll. Der geplante Ausbau der Bundesstraße 14, die Hochwasserprävention und die Entwicklung eines zukunftsfähigen Ortskerns gehören zu den offenen Großthemen.
Bernhard Bühler selbst hinterlässt kein fertiges Bild, sondern eine „nicht fertige Welt“. So beschreibt er es in seiner Rede. Aber gerade das, sagt er, sei gut – „denn es bedeutet: Es gibt Zukunft“.