Siebte „Toilette für alle“ in Stuttgart Toilette mit Lifter nun auch in Rathausnähe

Pierre Mayer (links) und Christoph Sonnenberg demonstrieren den Lifter. Foto: Lg/Piechowski
Pierre Mayer (links) und Christoph Sonnenberg demonstrieren den Lifter. Foto: Lg/Piechowski

Eine gute Nachricht für Menschen mit Behinderung: In Stuttgart gibt es nun eine weitere Toilette für alle mitten in der Stuttgarter Innenstadt. Was macht diese so besonders?

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Stuttgart - Sein Rollstuhl steht an der Wand. Pierre Mayer schwebt im Gurt des Patientenlifters. Achtsam schiebt ihn Christoph Sonnenberg per Schiene zu einer Liege. Der Inklusionsbotschafter und sein persönlicher Assistent demonstrieren, wie die „Toilette für alle“ funktioniert, die nun die Stadt Stuttgart und der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) im Neubau Eichstraße 7 der Öffentlichkeit übergeben haben. Dort sind neben Rathausgarage, Büros und Kindertagesstätte eine 40 Quadratmeter großen öffentliche Toilettenanlage untergebracht, die „Toilette für alle“ nimmt darin 15 Quadratmeter ein. Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau habe dies angeregt, erklärt Markus Töpfer, AWS-Geschäftsführer. „Das ist ein weiterer Baustein zur Teilhabe. Es ist sinnvoll, solche Toiletten bei Neubauten gleich mit zu planen.“

Alle automatischen Toilettenanlagen sollen erneuert werden

Der AWS betreibt die öffentlichen Toilettenanlagen der Stadt, auch die siebte „Toilette für alle“. Derzeit werden Standorte eruiert, um zwei weitere einzurichten. „Wir planen, ab Ende 2022 die 27 automatischen Toilettenanlagen in städtischer Hand zu erneuern“, so Töpfer. Bis 2025 soll alles fertig sein.

„Toiletten für alle“ hätten nichts mit Unisex-Toiletten zu tun, erläutert Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg. Sie seien Orte, an denen Erwachsenen ihre Windeln wechseln könnten. Daher enthalten sie neben einer großen Rollstuhltoilette mit viel Bewegungsfläche eine höhenverstellbare Pflegeliege, Patientenlifter sowie einen luftdicht verschließbaren Windeleimer. Die Idee der „changing places“ stamme aus England. Davon profitierten viele Menschen, die unter Inkontinenz litten. „Schätzungsweise leben in Baden-Württemberg rund 380 000 Betroffene“, so Pagel-Steidl. Das Land sei derzeit das einzige, das die Toiletten mitfinanziere. „Bis zu 90 Prozent, maximal 12 000 Euro. Diese hier förderte das Land mit 9100 Euro – die 69. ‚Toilette für alle‘ im Land – abzurufen unter toiletten-fuer-alle-bw.de.“

Alternative „weder hygienisch, noch menschenwürdig“

Simone Fischer, Beauftragte der Stadt Stuttgart für die Belange von Menschen mit Behinderung, ergänzt, dass man sonst auf den Fußboden einer öffentlichen Toilette gelegt werden müsse. Das sei weder sicher noch hygienisch und auch nicht menschenwürdig. „Manchmal verlassen betroffene Menschen das Haus nicht, um solche Situationen zu umgehen. Wir wollen das unbedingt ändern und eine Stadt sein, in der jeder Mensch gute Bedingungen vorfindet“, so Fischer. Laut AWS würden die Toiletten viermal am Tag gereinigt, in naher Zukunft sollen es achtmal in 16 Stunden sein.




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