Würfel fallen auf die Tische, Spielkarten wechseln den Besitzer. „Ich biete Schafe gegen Stroh“, sagt ein Spieler – in der Hoffnung, einen Handelspartner zu finden. Im Mehrgenerationenhaus Linde in Kirchheim wird das Brettspiel „Die Siedler von Catan“ gespielt. Den beiden besten Spielern winkt an diesem Tag sogar die Qualifikation für die deutsche Meisterschaft, die 2024 in Dortmund ausgetragen werden soll.
Urkunden und Sachpreise für die Teilnehmer
„Es wird ein langer Tag“, prophezeit Sebastian Weimann, ein langjähriger Catan-Spieler. An sieben Tischen mit je vier Spielern werden insgesamt drei Runden gespielt. Für ihre Platzierungen in diesen Vorrunden erhalten die Spieler Punkte, die acht besten Teilnehmer spielen später in der Finalrunde an zwei Tischen gegeneinander. Die beiden Sieger der Finaltische qualifizieren sich schließlich für die deutsche Meisterschaft.
Für alle Teilnehmer gibt es abhängig von der Platzierung Teilnehmerurkunden und Sachpreise wie beispielsweise Erweiterungen für „Die Siedler von Catan“. Voraussetzungen für die Teilnahme gibt es keine, die Spieler sollten aber mit dem Regelwerk vertraut sein. Kommen dennoch Unklarheiten auf, wird die Turnierleitung zurate gezogen. An den Tischen wird hart verhandelt, meist jedoch mit einem Augenzwinkern. „Ein guter Charakter ist immer wichtig“, sagt Weimann. Die Interaktion ist bei dem Spiel entscheidend, da die Mitspieler untereinander mit ihren Karten handeln können. Für viele ist gerade dieser Aspekt das Besondere am Spiel. „Der Reiz ist das Zwischenmenschliche“, findet Weimann. Für ihn wird dieser Reiz dadurch verstärkt, dass man bei den Turnieren oft gegen Fremde spielt. „Es gibt eine gewisse Anonymität, da ist die Kommunikation noch wichtiger“, sagt er. So kommt es, dass an den Tischen Gespräche entstehen. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde erzählen die Teilnehmer im Laufe des Spiels von ihren eigenen Erfahrungen oder diskutieren über die nächste Spielemesse. „Alles ist sehr herzlich.“
In Kirchheim gibt es sogar eine eigene Stadtmeisterschaft
Die Qualifikationsrunde für die deutsche Meisterschaft ist bereits das 27. Turnier, das in Kirchheim stattfindet. Mit dem Mehrgenerationenhaus Linde sei einst rasch ein Kooperationspartner gefunden worden, sagt Nicolas Cramer, der zusammen mit Bernd Bläsing die Organisation übernommen hat. Die Linde helfe bei der Organisation der Turniere und stelle auch einen Teil der Sachpreise. „Wir haben es hier gut erwischt“, meint Cramer. Vor Ort und manchmal auch online veranstalte das Team mittlerweile sieben Turniere pro Jahr, erklärt er. In Kirchheim gibt es mit „Ruler of Catan“ sogar eine eigene Meisterschaft, fügt Bläsing hinzu. Manche der Spieler reisen eigens für die Turniere an. „Es sind immer viele tolle Menschen da, manchmal aus Berlin, Hessen oder dem tiefsten Bayern“, sagt Bläsing.
Doch es gibt auch viele Spieler aus der Region. Einer von ihnen ist der Plochinger Mathias Hadalin. Seit 2013 spielt er in Turnieren. „Ich hatte gelesen, dass es so was gibt und hatte Spaß dabei“, erklärt er. Auch ihn reizt vor allem die Interaktion mit anderen Spielern, weshalb er nur an Turnieren vor Ort teilnimmt. „Online fehlt mir die Komponente“, sagt Hadalin. Neben erfahrenen Spielern wie dem Plochinger sind auch einige dabei, die noch neu im „Catan-Universum“ sind. „Wir haben alles, vom Anfänger bis zum Vollprofi“, erklärt Cramer.
Emotionen sind stets mit im Spiel
Zu Beginn der zweiten Runde wechseln die Spieler die Tische, das Spiel wird neu aufgebaut. Manch einer ändert dann auch seine Strategie, andere versuchen mit der gleichen Taktik wie zuvor die Mitspieler auszustechen. „Bei manchen sind die Emotionen da“, sagt Cramer. Es herrsche eine gewisse Spannung. Dennoch stehe über allem der Spaß am Spiel und die Gemeinschaft der Spieler. „Es ist eine richtige Community“, erklärt Cramer. „Ich finde schön, dass das Spiel über Generationen verbindet“, so Bläsing.
Leidenschaft für das Brettspiel eint die Teilnehmer
Die jüngsten Spieler an diesem Turniertag sind acht Jahre alt. Alle Teilnehmer haben eines gemeinsam: Leidenschaft für das Brettspiel. „Das war heute mein erstes Turnier, es wird aber sicher nicht mein letztes sein“, sagt ein Spieler.