Siegfried Klingler verlässt das Schulzentrum „Es hat sich sehr viel verändert – aber zum Positiven“

Siegfried Klingler geht in den Ruhestand. Foto: factum/Bach
Siegfried Klingler geht in den Ruhestand. Foto: factum/Bach

Der scheidende Leiter des Gymnasiums Renningen, Siegfried Klingler, spricht über seine Zeit als Pädagoge.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Renningen - Acht Jahre lang war Siegfried Klingler Schulleiter des Gymnasiums Renningen. Schon einige Zeit davor war er fünf Jahre als Abteilungsleiter dort. Jetzt geht der Lehrer für Mathe, Physik und Informatik in den ­Ruhestand. Wie er die Arbeit am Schulzentrum erlebt hat und wie sich der ­Schulalltag gewandelt hat, erzählt er im ­Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Klingler, ein Satz, den sich manche Jugendliche zu Hause vielleicht öfter an­hören dürfen, lautet: „Früher war alles ­besser.“ Aus Ihrer Sicht als Schulleiter und langjähriger Lehrer: richtig oder falsch?
Das sehe ich nicht so. Es hat sich in der Schule sehr viel verändert, meiner ­Ansicht nach aber zum Positiven. Dazu gehört das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern, wir haben einen viel ­schülergerechteren Unterricht, es gibt das Doppelstunden-Modell, das ich sehr schätze, und wir haben viel mehr Aktivität im Unterricht und viel mehr außerunterrichtliche Veranstaltungen als früher. Die Schule ist deutlich lebendiger geworden. Zum Beispiel was Auslandsfahrten und Austausche angeht: Wir hatten damals einmal im Schulleben einen Schullandheimaufenthalt, jetzt haben wir Studienfahrten nach England für die Achter, ­Austausch mit Frankreich für die Neuner, einen Schüleraustausch mit Italien für die Zehner, auch die Lateiner fahren nach Italien, zusätzlich eine Studienfahrt nach Berlin in der Kursstufe – das gab es früher ja alles gar nicht.
Und die Schüler selbst, hat sich da auch viel verändert seit Ihrer Anfangszeit?
Natürlich haben sich auch die Schüler verändert. Sie leben in einer anderen ­Lebenswirklichkeit. Aber ihre Probleme sind oft nur oberflächlich gesehen andere, wenn man genau hinschaut, sind es von der Art her meist noch die altbekannten Probleme Jugendlicher. Auch bei Schülern stimmt der Satz „Früher war alles besser“ überhaupt nicht.
Im Schulzentrum liegen drei Einrichtungen sehr dicht beieinander – das Gymnasium, die Realschule und die Werkrealschule. Oft sind sich die Jugendlichen der unterschiedlichen Schulformen nicht ganz grün, gibt es da nicht auch viel Konfliktpotenzial?
Natürlich gibt es auch mitunter Konflikte unter den Schülern. Aber wir sind hier ein sehr kooperatives Schulzentrum. Es gibt viele Überschneidungen, wir haben einen gemeinsamen Schulhof, gemeinsame Sporthallen, eine gemeinsame Mensa. Wir haben im Ganztagesbereich ein ­gemeinsames pädagogisches Konzept für das Schulzentrum erarbeitet. Es gibt auch gemeinsame Musik-AGs, die Musikschule Renningen ist da stark eingebunden. Uns ist es sehr wichtig, das alles zu fördern. Die Schulleiter aller Schulen Renningens, da gehört auch die Grundschule Malms­heim dazu, arbeiten eng und gut zusammen, und wir treffen uns jede Woche einmal zu einer ­gemeinsamen Sitzung.
Nun sind Schulleiter natürlich die eine ­Sache, die Schüler eine andere...
Wie gesagt, es gibt auch manchmal Konflikte. Aber wenn man bedenkt, dass wir hier knapp 2000 Schüler im Schulzen­trum haben, sind das wirklich wenige ­Fäl­le im Vergleich zu dem, was man erwarten würde. In der Mensa zum Beispiel läuft alles hervorragend, da gibt es nie Probleme. Und auch die Fünfer sind immer froh, wenn sie ihre ehemaligen Klassenkameraden auf dem Schulhof wieder treffen.
Wenn Sie zurückblicken: Was aus Ihrer Zeit als Lehrer und Schulleiter wird Ihnen am meisten fehlen?
Auf jeden Fall der Umgang mit den Schülern und den Kollegen, die Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Personen. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen werden mir am meisten fehlen.
Gibt es auch etwas, das Sie überhaupt nicht vermissen werden?
Ja, Korrekturen. Aber das war es auch schon. Ich mache meine Arbeit sehr gerne und bin auch nicht nur glücklich, dass es jetzt vorbei ist. Aber irgendwann ist es auch Zeit aufzuhören, und ich freue mich jetzt auf den nächsten Lebensabschnitt.
Ein gutes Stichwort: Haben Sie denn schon Pläne, wie Sie Ihren Ruhestand genießen möchten?
Ganz konkrete Pläne noch nicht, aber meine Frau und ich sind zum Beispiel ­gerne in den Bergen oder mit dem Rad unterwegs und machen auch mehrtägige Touren. Dazu haben wir dann eher mal Zeit. Früher habe ich zudem ehrenamtlich gearbeitet, das konnte ich als Schulleiter leider nicht mehr. Ich habe schon viele Ideen, aber das werde ich mir alles in Ruhe überlegen.



Unsere Empfehlung für Sie