Siesta Dancers aus Leonberg Die tanzende Café-Chefin, ihr Lebenswerk und das Bangen um die Jubiläumsshow

, aktualisiert am 08.01.2026 - 16:59 Uhr
Katrin Rykala leitet mit großer Leidenschaft das Café Siesta – und die Siesta Dancers. Foto: Simon Granville

Seit einem Vierteljahrhundert gibt Katrin Rykala jungen Menschen in Leonberg im Café Siesta eine Heimat. Doch die geplante Show zum Jubiläum der Siesta Dancers steht auf der Kippe.

Wenn die Leonberger Siesta Dancers alle zwei Jahre zur großen Show einladen und mehr als hundert Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 25 Jahren die Bühne rocken, bleibt in der Regel so gut wie kein Platz im Publikum frei. Die 15. Auflage – in der Vergangenheit traten die Siesta Dancers zehnmal in der Steinturnhalle auf, einmal in der Gebersheimer Gäublickhalle und bereits dreimal in der Leonberger Stadthalle – ist für dieses Jahr geplant.

 

Die Choreografen fiebern mit ihren Tänzerinnen und Tänzern dieser Show besonders entgegen, weil die Siesta Dancers auch ihren 25. Geburtstag feiern. Doch nun ist dieser Auftritt in Gefahr, weil das nötige Geld für die Miete der Stadthalle fehlt. „Wir haben uns bei der Baden-Württemberg Stiftung um ein Förderprogramm beworben, was leider nicht geklappt hat“, sagt Katrin Rykala, quasi die „Mutter“ der Siesta Dancers. Aufgeben sei aber keine Option. „Wir werden jetzt versuchen, unseren Traum über Sponsorengelder zu verwirklichen, zur Not verschieben wir die Jubiläumsveranstaltung.“

Café Siesta und Siesta Dancers in Leonberg: „Eine einmalige Erfolgsstory“

Fast 25 Jahre ist es her, dass die gelernte Hotelfachfrau Katrin Rykala einen neuen Job mit verträglicheren Arbeitszeiten suchte. Auf Empfehlung hatte sich die Böblingerin bei der Waldhaus-Jugendhilfe beworben. Ausgeschrieben war eine gastronomische Stelle im Leonberger Café Siesta, das damals erst seit einem Jahr geöffnet war. Die bisherige Leiterin, die ebenfalls aus dem Hotelfach kam, hatte gemerkt, dass dieser Job nichts für sie ist. Die Waldhaus-Jugendhilfe hatte in der Distelfeldstraße 20, in den Räumen des ehemaligen Landes-Vermessungsamtes, ein Angebot der offenen Jugendarbeit geschaffen.

Die Siesta Dancers treten auch Open Air auf, wie hier in Leonberg. Foto: Simon Granville

Die damals 21-jährige Katrin Rykala fuhr zum Vorstellungsgespräch zur Waldhaus-Jugendhilfe – die Trägerin des Cafés – nach Hildrizhausen. „Nach 45 Minuten war klar, dass sie die richtige Person dafür ist“, sagt Michael Groh, beim Waldhaus der Bereichsleiter für die kommunale Jugendarbeit, der auf Anhieb die gewinnende Persönlichkeit der jungen Frau erkannte. „Was sie dann aus dem Café Siesta und den Siesta Dancers gemacht hat, ist eine einmalige Erfolgsstory.“

Als Katja Rykala schließlich nach Leonberg kam, „war bei den Jugendlichen nach einem wirklich guten Jahr die erste Begeisterung für das Café verflogen, und irgendwann stand ich fast alleine da, weil niemand mehr kam“, sagt die nun 45-Jährige. Also wurde sie selbst aktiv. Weil sie früher neben ihrer ersten sportlichen Leidenschaft, dem Fußball, auch als Background-Tänzerin für eine Musikband auftrat, hatte sie die Idee, andere mit ihrer Begeisterung anzustecken.

Offene Jugendarbeit mit Tanzen wie in Musikvideos auf MTV oder Viva

Sie klapperte alle Schulen in Leonberg ab, fragte die Kinder und Jugendlichen: „Habt ihr Bock auf Tanzen wie in den Musikvideos auf MTV oder Viva?“ Zum ersten Termin kamen mehr als 40 Kinder. Weil sie nicht alle gleichzeitig unterrichten konnte, organisierte Katrin Rykala Gruppen an unterschiedlichen Wochentagen. Die Siesta Dancers waren geboren.

Neben ihrer ursprünglichen Aufgabe, kleine Snacks und Getränke anzubieten, hat Katrin Rykala das Café Siesta zu einer Art „Heimat“ für Kinder und Jugendliche – Mädels sind in der Mehrzahl – aus den umliegenden Schulen gemacht. Sie ist montags bis freitags von 12.30 bis 19 Uhr für sie da. Viele wachsen, wie Rykala selbst, in keinen einfachen Verhältnissen auf. „Bevor ich abends mit dem Training starte, höre ich ihnen zu und frage nach, wie es ihnen geht und was sie erlebt haben.“ Für die Kinder ist sie Freundin, Vertrauensperson und Ansprechpartnerin für Lebensfragen zugleich.

Katrin Rykala ist für die Kinder mehr als nur eine Tanzlehrerin

Katrin Rykala kennt ihre Geschichten, und hat auch schon das eine oder andere Kind aus der Familie geholt, weil es dort nicht mehr ging. Eine pädagogische Ausbildung, das bedauert sie sehr, hat die Böblingerin nicht. „Ich handle aus dem Bauch heraus und hole mir auch, wenn erforderlich, fachliche Hilfe dazu.“

Mehr als 3000 Jugendliche hat sie in den fast 25 Jahren groß werden sehen. Momentan tanzen im Café Siesta etwa 140 in unterschiedlichen Gruppen. Rykala unterrichtet selbst nur noch die Jüngsten. Denn acht ihrer ehemaligen Tänzerinnen und Tänzer sind längst Übungsleiter und Choreografen, sie richten sich stets nach den aktuellen Trends im Streetdance.

Die Siesta Dancers haben schon einige Erfolge gefeiert, unter anderem bei Deutschen Meisterschaften. Ihre Geschichte möchten sie in diesem Jahr groß feiern. Und Katrin Rykala will mit ihrem Team alles daran setzen, damit diese Feier in der Leonberger Stadthalle stattfinden wird.

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