Sillenbucher Skatepark Lärm sticht Rollbrett

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Beim Mitbestimmer-Treff wurde deutlich, dass das größte Hindernis auf dem Weg zum Skatepark das Gesetz ist. Der örtliche Jugendrat will trotzdem nicht locker lassen.

Die Jugendlichen sammeln Ideen für den von ihnen gewünschten Parcours. Foto: Rüdiger Ott
Die Jugendlichen sammeln Ideen für den von ihnen gewünschten Parcours. Foto: Rüdiger Ott

Sillenbuch - Eine Streetplaza müsste es schon sein, mit Rails und Curbs. Die Transitions dürfen nicht fehlen, ohne die lassen sich keine sauberen Lines fahren. Und der Gipfel wäre eine Bowl. Wer von all dem nichts versteht, für den ist Skateboardfahren vermutlich nichts. Manche Jugendliche geraten aber ins Schwärmen, wenn sie über Manual Pads und Minipipes reden.

So geschehen am Dienstag, 18. September. Da trafen sich die Freunde der bunten Rollbretter, um über den geplanten Skatepark in Sillenbuch zu sprechen. Der örtliche Jugendrat hatte zum Mitbestimmer-Treff ins Jugendhaus geladen.

Wie berichtet, wünscht sich der Sillenbucher Jugendrat eine Anlage für Skate-boardfahrer. Wobei sich vor allem der Vorsitzende des Jugendrats, Lukas Klenk, als umtriebig erwiesen hat. Erste Überlegungen haben die Jugendlichen bereits dem örtlichen Bezirksbeirat präsentiert, der sie für gut befunden und seine Unterstützung signalisiert hat.

Das größte Hindernis ist das Gesetz

„Was solche Anlagen betrifft, ist Sillenbuch ein weißer Fleck“, sagte Klenk. „In der Innenstadt ist viel mehr los.“ Bei dem Mitbestimmer-Treff sollten Ideen gesammelt werden, wie der Hindernisparcours gestaltet werden könnte. Dabei stellte sich aber heraus: Das größte Hindernis auf dem Weg zum eigenen Parcours ist das Gesetz.

„Das Problem ist der Lärmschutz“, sagte Gerald Aichele vom Gartenamt. „Eigentlich muss eine mittlere Skateanlage 100 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein.“ Wer nun einen Zirkel in die Landkarte steckt und einmal dreht, wird feststellen, dass mögliche Standorte selten sind.

Der Wunschort des Sillenbucher Jugendrats erfüllt das Lärmschutz-Kriterium jedenfalls nicht. Die Nachwuchspolitiker hatten sich eine Fläche in Heumaden Über der Straße ausgesucht, zwischen dem Flüchtlingswohnheim und dem Schwellenäckerweg. Die Wiese ist zwar als Spielfläche ausgewiesen, es sind hüben wie drüben aber nur 50 Meter bis zu den Häusern.

Am Alternativstandort auf der anderen Seite des Flüchtlingswohnheims in Richtung Riedenberg sind die Abstände größer. „Hier hätten wir deutlich weniger Probleme“, sagte Aichele. Wäre da nicht eine Straße, über die seit Jahrzehnten debattiert wird, die nie gebaut wurde – die aber vorsorglich dennoch in den Plänen des Baurechtsamts eingezeichnet ist.

Die Rede ist von der Filderauffahrt, die eines Tages die Schnellstraße B 10 im Neckartal mit der Autobahn A 8 auf der Filderebene verbinden soll. Deren Trasse verläuft über das Gelände der Hundesportfreunde gleich nebenan. Der Verein müsste in diesem Fall umziehen, und zwar auf die Fläche, welche die Jugendlichen als Alternativstandort für ihren Skatepark auserkoren haben.

Ein Skatepark kostet 400 Euro pro Quadratmeter

Immerhin, „die Flächen gehören fast alle der Stadt“, sagte Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt, die ebenfalls bei dem Mitbestimmer-Treff vorbeischaute.

Ums Skateboardfahren an sich ging es dann auch irgendwann. Schließlich war in Matthias Bauer auch ein ausgewiesener Experte gekommen. Der Stuttgarter Architekt hat bereits mehrere Skateparks gebaut. „Eine neue Anlage ist immer interessant“, sagte er. „Aber man soll damit auch wachsen können.“

Die Hindernisse müssen verschiedenen Schwierigkeitsgraden entsprechen, und eine gut entworfene Anlage erlaubt es, Sprünge und Tricks in wechselnder Abfolge zu kombinieren. Einfach nur Betonblöcke auf eine Fläche zu stellen, reicht dafür nicht aus.

Aus seiner Erfahrung weiß Bauer, dass ein Skatepark rund 400 Euro pro Quadratmeter kostet. Insgesamt würde die Anlage – je nach Größe und Lärmschutzmaßnahmen – zwischen 300 000 und einer Million Euro kosten.

Von all dem wollen sich die Sillenbucher Nachwuchspolitiker nicht abschrecken lassen. Auf Zetteln, die herumgereicht wurden, notierten die Jugendlichen ihre Wünsche – von Stufencurbs bis Flatrails. Daraus wollen die Mitglieder des Jugendrats einen Entwurf zeichnen. Das Gartenamt wird dann eine Lärmkarte erstellen.

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