Silvester in Holzgerlingen Hinter dem Profi-Feuerwerk steckt tagelange Arbeit

Joachim Berner setzt optische Akzente – wie hier bei „Schlemmen am See“ in Böblingen. Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

Statt privater Böllerei, setzt Holzgerlingen diesmal auf ein zentrales Silvester-Feuerwerk. Der Aufwand ist groß. Akribisch bereitet der Pyrotechniker Joachim Berner das Spektakel vor.

Kaum werden die Tage kürzer und das Jahresende rückt näher, branden sie wieder auf: die Diskussionen rund um privates Feuerwerk zu Silvester. Die Stadt Holzgerlingen hat nicht so lange gewartet, um sich zu diesem Thema zu positionieren. Bereits im April war der Gemeinderat einem Antrag der Freien Wähler gefolgt, ein zentrales Feuerwerk auf dem Rathausplatz zu organisieren und gleichzeitig eine Informationskampagne zu starten, die die Bürger von einem freiwilligen Verzicht auf privates Feuerwerk überzeugen soll.

 

Gesagt, getan: Am 31. Dezember beginnt der Silvesterabend ab 17 Uhr mit einem Gottesdienst in der Mauritiuskirche. Von 21 Uhr an singt der CVJM auf dem Rathausplatz, ab 23 Uhr werden kostenlos Sekt und Orangensaft ausgeschenkt. Pünktlich zum neuen Jahr beginnt dann das große Musikfeuerwerk aus dem Hause Innovative Pyrotechnik aus Ehningen. Geschäftsführer Joachim Berner hat schon zahlreiche Auszeichnungen für seine Feuerwerke bekommen. „Wozu viel Geld für Mini-Raketen verpulvern, wenn es einige Nummern größer, schöner, mitten in der Stadt und gratis dazu ein Silvester-Feuerwerk vom mehrmaligen Weltmeister gibt?“, heißt es daher in einer großflächigen Info in den Holzgerlinger Stadtnachrichten.

Schattenseiten des privaten Feuerwerks

Diese mehrseitigen Informationen sind Teil der Kampagne, die Bürger für die Schattenseiten des privaten Feuerwerks zu sensibilisieren – Müll, Verletzungsgefahr, Feinstaub, Lärm. Hinzu kommen Beiträge in den sozialen Medien. „Je näher das Feuerwerk rückt, umso aktiver werden wir dort. Dazu ist eine Pressemitteilung verschickt worden und auf der Homepage wird das Thema ebenso platziert, wie auf den Werbe-Bildschirmen in der Stadt“, erklärt Holzgerlingens Pressesprecher Dirk Hamann das Vorgehen.

Gerade in den sozialen Medien sowie in Gesprächen seien die Rückmeldungen zu dem Vorstoß „fast ausschließlich positiv“, gibt er an. Wie viele Leute auf den Rathausplatz kommen werden, könne die Verwaltung freilich nicht genau abschätzen. Es gebe schließlich wenig Erfahrungswerte. „Wir rechnen aber mit einem gut gefüllten Rathausplatz.“

Joachim Berner ist ein erfahrener Pyrotechniker. Foto: Lichtgut

Auch für Joachim Berner ist die Vorbereitung der neuen Veranstaltung mit einem „kleinen Risiko“ verbunden. Schließlich stimmt er sein Musikfeuerwerk stets genau auf die Zielgruppe und die Art des Events ab. Er hat deshalb mit einem „altermäßig bunt gemischten Publikum“ kalkuliert – und dementsprechend die Musik ausgewählt. Hinter dem siebeneinhalb-minütigen Feuerwerk, das in Holzgerlingen gezündet wird, stecken rund zehn Stunden reine Programmierarbeit, erklärt Berner. Hinzu kommen vier bis fünf Tage Vorbereitungszeit in der Firma plus ein halber Tag zum Aufbau vor Ort mit vier Personen. „Und etwa zwei Stunden Abbau“, fügt er an.

Auch wenn er sich natürlich über die Anfrage der Stadt Holzgerlingen gefreut habe, steht er einem Verbot von privatem zugunsten von zentralem Feuerwerk nicht positiv gegenüber. Warum? Wenn jede Kommune das machen würde, könnten niemals alle bedient werden. „Und was machen dann die, die keins kriegen?“, fragt sich Berner. Darüber hinaus sieht er die Ursache für die Probleme, die es mit Feuerwerk geben kann, in der illegalen Pyrotechnik, die beispielsweise aus dem Ausland geliefert wird. An sich sei der Umgang mit Feuerwerk und der Zeitpunkt, wann es gezündet werden darf, klar im Gesetz geregelt. Die Einhaltung dieser Regeln zu kontrollieren sei Aufgabe des Ordnungsamts und der Polizei „und nicht das Problem der Pyrotechnik-Branche“, äußert er. Seine Befürchtung im Falle eines Verbots: Die „Böllerei“ würde dadurch noch interessanter werden, die Zahlen der Verletzten aufgrund der hohen Zahl von illegaler Pyrotechnik vielleicht sogar steigen. „Diejenigen, die es machen wollen, finden einen Weg.“

Silvester ist immer „Großkampftag“

Während die meisten Menschen an Silvester feiern, ist es für Berner seit jeher „Großkampftag“. Seit 45 Jahren habe er am 31. Dezember nicht mehr frei gehabt. Schlimm findet der Pyrotechniker das nicht. Er schmunzelt: „Dann muss ich mich schon nicht darum kümmern, wo ich feiere.“

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