Trotz vollem Teilnehmerfeld geht die 43. Auflage des Silvesterlaufs problemlos über die Bühne. 12.000 Zuschauer feuern die Läufer an – darunter ist auch ein Politpromi.
Nicht jeder hat so viel Glück wie Simon Boch. Der Seriensieger des Bietigheimer Silvesterlaufs ist nämlich mit einer Dauerkarte für das Rennen über die 10,5 Kilometer ausgestattet und muss sich keinen Kopf um seinen Start bei der Jahresabschlussveranstaltung machen. Andere hatten bei der 43. Auflage am Silvesternachmittag nicht so viel Glück, denn das Läufer-Happening war schon vor dem Start um 14 Uhr ausgebucht.
Die Veranstalter erreichten am Mittwoch noch zahlreiche Mails, in denen Lauflustige Argumente lieferten, weshalb sie unbedingt noch einen Startplatz bekommen sollten. „Da wurde beispielsweise für ein Ticket für den 77-jährigen Opa geworben, der vielleicht kommendes Jahr gar nicht mehr antreten kann und zum Teil wurden die Starts auch über Kleinanzeigen für sechs Euro verkauft, wenn jemand kurzfristig nicht antreten konnte“, sagte Pressesprecher Dieter Matzat.
Es war jedenfalls voll rund um das Viadukt und in der Altstadt – 12 000 Zuschauer unterstützten die 4000 Teilnehmenden auf den zu laufenden zwei Runden. „Das spricht für die Organisation und die familiäre Atmosphäre“, sagte Jürgen Kessing. Der Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen löste bei frostigen Temperaturen und Sonnenschein, wie es Tradition ist, den Startschuss aus.
Die Strecke in Bietigheim ist wie für Simon Boch gemacht, der zum siebten Mal als Sieger über die Ziellinie ging. Foto: Baumann
Obwohl fast 300 Startende mehr auf der Strecke waren als im vergangenen Jahr, lief alles reibungslos. Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg) feierte seinen siebten Triumph. Nur dreieinhalb Wochen nach seiner persönlichen Bestzeit beim Valencia-Marathon (2:08:55) siegte der 31-Jährige in 30:32 Minuten deutlich vor Jan Lukas Becker (Bayer Leverkusen; 30:45 min), mit dem er im ersten Teil des 10,5-Kilometer-Rennens zusammen gelaufen war. „Ich wollte das Rennen eigentlich langsamer angehen, aber er hat mich von Beginn an gefordert“, sagte Simon Boch nach dem Zieleinlauf, der davor noch Zeit hatte, wartende Fans abzuklatschen. An ihm führt in Bietigheim kein Weg vorbei – geht Boch an den Start, gewinnt er auch das Rennen.
Grandiose Unterstützung auf der Strecke
Das wusste auch der Dritte Kurt Lauer vom VfL Sindelfingen, der davor für LAZ Ludwigsburg am Start war. Der Deutsche U23-Meister im Crosslauf benötigte 31:12 Minuten. „Mir fehlen noch die Trainingsumfänge, um das Tempo bis zum Ende mitgehen zu können“, sagte der 22-Jährige. Bei den Frauen war Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen; 34:32 Minuten) mit deutlichem Abstand die Beste vor Deborah Schöneborn (SCC Berlin; 35:55), für die es im Anschluss an das Rennen direkt ins Trainingslager nach Südafrika ging. Auf den Rängen drei und vier folgten Katja Bäuerle und Melina Wolf (beide LG Region Karlsruhe). Merkel schloss sich nach zwei Kilometern einer Männergruppe an und war begeistert von der Unterstützung auf der Strecke. „Ich wollte Spaß haben und es ist toll, wenn du ständig deinen Namen hörst, das hat unheimlich geholfen“, sagte die 22-Jährige später dick eingepackt in eine rote Wolldecke. Sie hätte sich diese Leistung gar nicht zugetraut, denn im Sommer konnte sie wegen eines Ödems im Sprunggelenk lange nicht trainieren. Auch die Starter aus der Region zeigten herausragende Leistungen: Julian Großkopf (LAZ Ludwigsburg) wurde Sechster, Bettina Englisch (Bottwartal)wurde Neunte.
Mit solchen Zeiten kann der Bissinger Jan Preizig nicht mithalten, der mit zwei Freunden aus Pforzheim am Start war. Am Ende standen 51:37 Minuten auf der Uhr. „Eigentlich wollte ich unter 50 Minuten laufen, aber am Start dauert es wegen der vielen Teilnehmer eben, bis man so richtig ins Laufen kommt“, sagte Preizig. Besser lief es für seinen Kumpel Felix Walter, der nach 48 Minuten im Ziel war. Walter organisiert in Pforzheim den Nordstadtlauf. „Da wollte ich mir auch abschauen, wie die das in Bietigheim machen, die Orga hier ist beeindruckend“, meinte Felix Walter.
Sascha Torno 100 000 Finisher
Zudem war auch Prominenz aus der Landespolitik am Start: Der CDU-Landesvorsitzende und Ministerpräsidentenkandidat Manuel Hagel nahm zum zweiten Mal teil und wurde von einem Kamerateam des ZDF für eine Portrait-Serie begleitet. Für den 37-Jährigen standen am Ende 56:57 Minuten auf der Uhr. Ein besonderes Erlebnis war der letzte Tag des Jahres auch für Sascha Torno, der mit einer Zeit von 1:01:51 den Silvesterlauf beendete und damit als 100 000 Finisher nach 43 Auflagen eine historische Marke setzte.