Simon Zachenhuber boxt in London Neuer Promoter, neue Perspektive
Großer Auftritt: Simon Zachenhuber, der Supermittelgewichtler aus Stuttgart, kämpft am Samstag vor 70 000 Zuschauern in London gegen Pawel August – und steht unter Druck.
Großer Auftritt: Simon Zachenhuber, der Supermittelgewichtler aus Stuttgart, kämpft am Samstag vor 70 000 Zuschauern in London gegen Pawel August – und steht unter Druck.
Simon Zachenhuber (27) hat bisher 28 Kämpfe bestritten, alle im deutschsprachigen Raum. Das wird sich nun ändern. Am Dienstag flog der Boxer, der seit acht Jahren in Stuttgart lebt und trainiert, mit seinem Trainer Conny Mittermeier nach London. Im Stadion des Premier-League-Clubs Tottenham Hotspur hat der Supermittelgewichtler (bis 76,2 Kilogramm) am Samstag einen großen Auftritt. Die Chance, vor rund 70 000 Zuschauern im Rahmenprogramm der britischen Stars Tyson Fury und Conor Benn auftreten zu können, bedeutet Simon Zachenhuber viel: „Jetzt geht es darum, mir die Belohnung für die harte Arbeit zu sichern, die ich geleistet habe.“
Vor acht Jahren wurde Simon Zachenhuber Profi, seither ist er ungeschlagen, 2022 war er Deutschlands Boxer des Jahres. Auf seinem Konto haben sich seine Erfolge jedoch nicht bemerkbar gemacht. Die Einnahmen reichten gerade, um die Ausgaben zu decken. Deshalb hat er zuletzt sein Umfeld neu aufgestellt – und dank seiner Kontakte zum Management von Schwergewichtler Agit Kabayel auch einen angesehenen Promoter gefunden.
Simon Zachenhuber gehört nun zur Agentur Gold-Star-Promotions von Spencer Brown, der nicht nur Tyson Fury unter Vertrag hat, sondern auch zahlreiche Weltklasse-Supermittelgewichtler. „Er spielt in der Champions League, verfügt weltweit über beste Kontakte“, sagt Zachenhuber, der mit Brown eine Vereinbarung über drei Jahre getroffen hat, mit der er große Hoffnungen verbindet: „Ich muss jetzt nicht mehr um Kämpfe betteln, habe den Kopf frei, um mich aufs Boxen konzentrieren zu können. Spencer Brown hat alle Möglichkeiten, um mir die Kämpfe zu verschaffen, die ich haben möchte und in denen auch etwas zu verdienen ist.“ Sofern die Ergebnisse weiterhin stimmen.
In London hätte Simon Zachenhuber, die Nummer sechs der WBO-Weltrangliste, eigentlich auf Troy Williamson treffen sollen, was eine riesengroße Herausforderung gewesen wäre: Der Brite hat zuletzt überraschend den starken Callum Simpson geschlagen, er ist bei allen vier großen Verbänden zwischen den Plätzen sechs und zwölf gelistet. Nun verhindern allerdings vertragliche Verpflichtungen von Williamson das Duell, weshalb sich Zachenhuber in kurzer Zeit auf einen neuen Gegner einstellen musste: Es geht stattdessen gegen den Briten Pawel August (30), der wie er selbst noch unbesiegt ist, in seinen 17 Kämpfen aber keine sonderlich namhaften Gegner hatte. „Er ist boxerisch sehr gut und wird alles daran setzen, ungeschlagen zu bleiben“, sagt Conny Mittermeier, „wir müssen schon aufpassen.“ Und auf die eigene Stärke vertrauen.
Die Vorbereitung von Simon Zachenhuber lief perfekt, nach der letzten Einheit am Ostermontag in seinem Gym im Feuerbacher Täle sagte er: „Ich hatte starke Sparringspartner, bin fit wie nie zuvor und habe boxerisch nochmal einen Entwicklungsschritt gemacht. Alles fühlt sich richtig an – der Zeitpunkt, das Event, der Gegner.“
Für Simon Zachenhuber geht es darum, sich nun auch international zu behaupten. Im Boxen ist das besonders schwer: Wer in London einen Briten schlagen will, muss nicht nur dem Druck der Fans standhalten, sondern den Kampf auch dominieren. „Am einfachsten wäre“, meinte Conny Mittermeier deshalb vor dem Abflug, „wenn Simon ihn weghaut.“ Dann stünde weiteren großen Auftritten nichts im Weg.