Sindelfingen Bürger wollen gegen Erddeponie unterschreiben

An   Plänen und Karten informierten  sich die Bürger. Foto: factum/Granville
An Plänen und Karten informierten sich die Bürger. Foto: factum/Granville

Die Bürgermeister informieren auf dem Marktplatz über die Pläne des Landratsamtes. Dieses sucht einen Standort im Kreis, wo Erdschutt abgeladen werden kann. Auch zwei jeweils 34 Hektar Areale im Sindelfinger Stadtwald stehen auf der Liste.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Sindelfingen - Die Sindelfinger Stadtverwaltung mit dem Oberbürgermeister Bernd Vöhringer an der Spitze trommelt weiter heftig gegen die Pläne des Landratsamts, eine Deponie für Erdschutt möglicherweise im Sindelfinger Stadtwald anzulegen. Am Dienstagvormittag läuteten der OB und seine beiden Bürgermeister Corinna Clemens und Christian Gangl auf dem Marktplatz die nächste Runde ein. Sie hatten zu einem ihrer Informationstreffen eingeladen, die in unregelmäßigen Abständen auf dem Marktplatz stattfinden. Dieses Mal also das Thema Erddeponie. Böse Zungen behaupten, Vöhringer nutze das Thema, um sich zu profilieren, immerhin steht im Mai seine Wiederwahl an. Doch solche Vorwürfe weist er weit von sich. „Wenn es um solch wichtige Entscheidungen geht, sollten die Bürger rechtzeitig informiert werden, nicht erst, wenn es zu spät ist“, kontert er souverän. Und er setzt bei der Veranstaltung auf geballte Fachkompetenz – etwa in Gestalt der Förster.

Der Jagdpächter befürchtet mehr Wildunfälle

Viel Geld habe die Stadt in die Wiederaufforstung nach den Orkanen in den 1990er Jahren gesteckt, sagt Joachim König, einer der beiden Forstrevierleiter im Stadtwald. „Damals hat man sich ganz bewusst für teure Laubhölzer entschieden.“ Unverständlich ist König, „warum wir Förster bei der Standortsuche nicht vom Landratsamt miteinbezogen worden sind.“ Der Jagdpächter Albrecht Dorner sorgt sich um die Feuchtbiotope, die sich genau in dem Areal befinden, an dem der Landkreis zwei mögliche Deponie-Standorte ausgemacht hat. „Da leben seltene schützenswerte Arten wie Lurche, Ringelnattern und Gelbbauchunken.“ Zudem befürchtet Dorner, dass durch „eine Deponie in der Mitte des Stadtwalds das Wild nach außen getrieben wird“ – direkt auf die B 14 und die A 8 Richtung München. „Da kommt es vermehrt zu Wildunfällen“. prophezeit er.

Die Sindelfingerin Elke Czöppan stößt beim Einkauf auf dem Wochenmarkt zufällig auf den Informationsstand. „Ich habe davon schon in der Zeitung gelesen. Aber wenn man das so auf den Karten sieht, wird mir bewusst, dass mich das ganz persönlich betrifft.“ Fast täglich sei sie im Wald, „zum Joggen und mit dem Hund. Dass man da 34 Hektar Wald rodet, das mag ich mir nicht vorstellen.“ Wilhelm Knauß, ebenfalls ein eifriger Waldgänger, erinnert sich an die Zeit, als die Mülldeponie Dachsklinge, gleich neben einem der anvisierten Standorte für die Erddeponie in Betrieb war. „Da waren die Waldwege kaputt von den Lastwagen. Die halten sich doch nicht an die vorgeschriebenen Routen.“

Widerstand auch von anderen Kommunen

Das Verkehrsproblem treibt auch andere Bürger um. „Wo ist die Unterschriftenliste? Ich möchte sofort gegen die Deponie unterschreiben“, fordern gleich mehrere Bürger. Zunächst gehe es nur um eine Information, erklärt der OB Vöhringer. Er stellt klar: „Egal wohin die Deponie kommt, ob zu uns oder woanders, wir erwarten ein transparentes Verfahren.“

Doch wie berichtet, macht sich in anderen Kommunen Widerstand breit. Von ursprünglich 78 untersuchten Standorten hatte die Kreisverwaltung fünf mögliche eingebracht, zwei davon in Sindelfingen. Nun beschlossen die Kreisräte im Umweltausschuss, dass 20 Standorte genauer untersucht werden sollen. Auch die Verteilung auf zwei Deponien ist ein Thema. Vöhringer begrüßt diese Entwicklung, aber sie geht nicht weit genug.

„Wenn man ein sauberes transparentes Verfahren will, dann muss man ganz von vorne beginnen und die Kriterien für die Suche nach einem Standort vorher öffentlich machen.“ Er vermutet, dass bestimmte Gruppen eine Lobby im Landratsamt haben. „Es gibt Gerüchte, die sagen, die Landwirte konnten durchsetzen, dass landwirtschaftliche Flächen nicht angetastet werden.“ Das könne man so machen. „Dann aber muss man es sagen.“




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