Sindelfingen/Deckenpfronn Historische Flieger und tollkühne Frauen

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Bei bestem Segelflugwetter verfolgen Tausende Zuschauer die Vorführungen auf dem Gelände des Sindelfinger Flugsportvereins. Glanzstück aber ist ein Motorflugzeug: eine Klemm 25.

Fliegen wie vor 70 Jahren: mit liebevoll restaurierten Oldtimern. Foto: factum/Bach 5 Bilder
Fliegen wie vor 70 Jahren: mit liebevoll restaurierten Oldtimern. Foto: factum/Bach

Deckenpfronn - Fast 90 Jahre ist es her, dass Elly Beinhorn ihren legendären Flug von Deutschland nach Afrika startete. Damals, als Fliegen noch ein großes Abenteuer war. Mit einer Klemm 25, gebaut einst in den Böblinger Klemmwerken auf dem Flugfeld, startete die wagemutige Pilotin im Januar 1931 – ganz allein im oben offenen Zweisitzer – im Gepäck ein Grammofon. Nur noch ganz wenige Modelle der Klemm 25 gibt es heute. Eines ist im Besitz der Stadt Böblingen.

Zu sehen war es am Wochenende beim Flugtag des Sindelfinger Flugsportvereins s auf deren Gelände in Deckenpfronn. Am Steuer saß Edgar Müller, der Vorstand der Böblinger Flugsportgruppe Hans Klemm.

Eine Klemm aus dem Jahr 1935

Wie in einen historischen Film versetzt fühlt man sich, wenn er das blaulackierte Flugzeug startet. Der satte Klang der Motoren ist so ganz anders als der moderner Flugzeuge. Mit Begeisterung verfolgten am Wochenende Tausende Zuschauer die Runden der Klemm über dem Flugplatz in Deckenpfronn. Vor einigen Jahren haben die Mitglieder der Flugsportgruppe Klemm die Maschine aufwendig restauriert. „Das ist europaweit die einzige Klemm 25 mit allen Originalteilen“, sagt Edgar Müller stolz. Der Oldtimer, Baujahr 1935, war die älteste Maschine bei den Flugtagen. Doch auch andere historische Maschinen können sich sehen lassen – darunter auch einige Segelflieger. „Oldtimer sind im Gegensatz zu neuen Modellen erschwinglich“, nennt Uwe Morgenstern einen Grund für den Kauf eins älteren Modells. Ein neues Segelflugzeug würde etwa 100 000 Euro kosten. „Einen Oldtimer bekommt man schon für 3000 bis 4000 Euro.“ Und viel Arbeit. zwei Jahre steckte Morgenstern in die Restauration seiner K 6, Baujahr 1959. Langsamer als moderne Flieger seien die historischen. „Mit ihnen kann man engere Kreise fliegen.“ 300 bis 500 Kilometer in sieben bis acht Stunden legt er mit seinem Flieger zurück, bevorzugt Richtung Schwarzwald und Schluchsee. Was macht die Faszination des Segelfliegens aus? „Das Fliegen mit dem Wetter. Nie zu wissen, was kommt“, sagt Morgenstern. „Ich starte morgens und weiß nicht, ob ich es abends nach Hause schaffe oder unterwegs irgendwo auf einem Acker landen muss.“

87 aktive Piloten

Morgenstern ist einer von 87 aktiven Piloten des Sindelfinger Flugsportvereins. Hinzu kommen noch 120 Piloten von Modellflugzeugen, die eine eigene Abteilung im Verein bilden. Sieben Segelflieger und ein Motorflugzeug zum Ziehen hat der Verein. Alle zwei Jahre lädt er zum großen Flugfest nach Deckenpfronn ein. Bis 1972 hatte der Verein genau wie der Böblinger sein Domizil auf der Böblinger Hulb beim Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen. Dann wurde dort das Gewerbegebiet Hulb besiedelt – und die Sportflieger mussten sich andere Standorte suchen Die Böblinger, die sich in der Tradition des einstigens Motorflugzeugebauers Klemm auf dem Böblinger Fugfeld sehen, wurden in Eutingen im Kreis Calw fündig. Die Sindelfinger mit Schwerpunkt Segelfliegen, in Deckenpfronn. „Bei Events wie den Flugtagen arbeiten wir eng mit den Böblingen zusammen- trotz der traditionellen Feindschaft der beiden Städte“, sagt Peter Röhm, der Vorsitzende des Sindelfinger Flugsportvereins.

Das Fliegen war von Anbeginn an nie eine reine Männerdomäne. Auch heute noch gibt es tollkühne Frauen, die die Lüfte erobern. Bei den Sindelfinger Segelfliegern ist man ganz besonders stolz auf das berühmteste Mitglied: Katrin Senne. Sie wurde im vergangenen Jahr Weltmeisterin.




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