Das ist Englisch, und das kann man wahlweise übersetzen mit: fremder, seltsamer, a bissle danääba, wie man wiederum im Schwäbischen so sagt. Was man wahlweise positiv oder negativ „konnotieren“ kann.
Im i-Punkt zu kaufen
Jedenfalls mussten die Damen herzhaft schmunzeln, als sie jüngst gelesen haben, der Stadtmarketing/Tourismus-Teil der Wirtschaftsförderung Sindelfingen habe neue Postkartenmotive aufgelegt, die man im i-Punkt kaufen kann. Als Teil des „Stadt-Merchandising-Programms“, das kontinuierlich vergrößert werde, „um Sindelfingen touristisch in der Region und auch überregional bekannter zu machen“. Man will ja nicht nur Geschäftsleute in den 3000 Hotelbetten der Daimlerstadt nächtigen lassen.
„Dees isch fai nie verkehrt“, dachten sich die Schwätzweiber und guckten sich die Postkartenmotive an. Und was sahen sie auf so arra Poschdkard“? Den Daimler? Nö. Den kennt man am ehesten über Sindelfingen hinaus. Aber gut, der hat samstags und sonntags seine Werkstore geschlossen. Hinter die kommt man ja eh nicht so einfach – nicht mal werktags, es sei denn in die Pkw-Abholung (und das wird teuer).
Geworben wird mit Martinskirche, Sommerhofenpark und Altstadt
Ikea? Hofmeister? Nö, auch nicht. Breuninger, intern-modern BreuningerLAND geschrieben und im schwäbischen Kern-LÄND gelegen? Nö, auch nicht. Schauwerk, Bitzer-Turm, Goldberg-Wasserturm? Ebenfalls nö. Die Wirtschaftsförderung wirbt mit Martinskirche, Sommerhofenpark, Altstadt.
Apropos Altstadt. Also mit ausgerechnet jenem Teil von Sindelfingen, der in den letzten, sagen wir, 10, 20 Jahren besonders schön hergerichtet worden und seit ein paar Jahren Teil der Deutschen Fachwerkstraße ist. Das mittelalterliche Herz der Stadt mithin, das viele Auswärtige gar nicht kennen. In das viele Alteingesessene oder Neubürger(innen) ihren Besuch aus der Fremde aber besonders gerne führen.
Die alten Hütten sind schick saniert
Ein Herz, einmal mehr bemerkt, das in den 70er-Jahren bis auf eine Handvoll Häusle abgerissen werden sollte. Die Bürgerinitiative „Rettet die Altstadt“ wusste dies seinerzeit zu verhindern!
Schon kurios, so was, runzeln die Schwätzweiber die Stirn. „Wenn’s soweit komma wär’, hättsch dir die Poschdkarda spara könna“, geifern sie. Wissend, dass nicht jeder froh war in jenen Tagen, wenn er dort aufgewachsen ist; in den, sagen wir, Fünfzigern. Also damals, als man zuletzt noch beengt über Kühen und Sauen gehaust, aufs Plumpsklo gegangen ist und in ungedämmten Mauern winters gebibbert hat.
Wo ist der schräge Humor?
Nun gut, so ändern sich die Zeiten, grinsen die Schwätzweiber. Heute sind die alten Hütten chic saniert, und tägliche Bedürfnisse werden über Hansgrohe-Designer-Armaturen geregelt. Gestalterin der Postkarten ist die örtliche Grafikerin Silvia Petersen. Die hat Sindelfingen übrigens auch im Hochformat beworben mit reduzierter Formensprache, historischer Silhouette und zudem cleverer Typografie.
Vielleicht, denken sich die Schwätzweiber, bräuchte es jetzt nur noch ein paar Sindelfingen-Werber mit etwas schrägem Humor. Bleiben ja oft im Kopf, derlei abwegige Sprüche, oder? Etwa kreative Postkartenentwürfe mit „GESINDELfinger“-Slogan. Oder mit einer Stadtrivalitäten-Variante: „Lieber koin Finger als an Sindelfinger.“ Letztere könnte vermutlich vorwiegend das Böblinger Stadtmarketing an Mann und Frau bringen. Und hätte dann einen lange währenden Prozess am Hals.