Sindelfingen: Ehemalige Mülldeponie Auf die Dachsklinge kehrt die Natur zurück

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Die ehemalige Mülldeponie ist nach vier Jahren Bauzeit abgedichtet. Nun werden 20 000 Bäume und Sträucher gepflanzt. Der Kreis investiert insgesamt 6,1 Millionen Euro. In etwa zwei Jahren soll ein Aussichtspunkt als Attraktion dienen.

Noch ist der Hügel kahl, unter dem der Müll schlummert. In  ein paar Jahrzehnten soll es hier    Waldwege  geben. Foto: Landratsamt
Noch ist der Hügel kahl, unter dem der Müll schlummert. In ein paar Jahrzehnten soll es hier Waldwege geben. Foto: Landratsamt

Sindelfingen - Spaziergänger tummeln sich auf Wanderwegen in einem Wäldchen, Jogger und Radfahrer drehen ihre Runden und die Besucher der Dachsklinge genießen auf einer Aussichtsplattform einen grandiosen Blick in die

Ferne – das alles ist zwar noch Zukunftsmusik. Doch der Landkreis tut alles, damit die Vision in 30 bis 50 Jahren Wirklichkeit wird. Zunächst hat der Abfallwirtschaftsbetrieb die einstige Mülldeponie abdichten lassen. Die Arbeiten sind seit kurzem abgeschlossen. Zum Ausflugsziel soll die Erhebung am Rande der Stadt aber bereits in zwei Jahren werden. Bis dahin ist ein Weg hinauf zum höchsten Punkt Sindelfingens geplant. Er liegt 552 Meter über dem Meeresspiegel.

Mit dem Beginn der Renaturierung auf der einstigen Abfalldeponie des Landreises ist ein weiteres Kapitel der Böblinger Müllgeschichte beendet. Die Dachsklinge war Ende 1997 geschlossen worden, rund fünf Millionen Kubikmeter Haus- und Geschäftsmüll sind in fast 40 Jahren dort gelandet. Die Arbeit für die Oberflächenabdichtung begann vor vier Jahren. Allein für die Planung gab der Kreis eine Million Euro aus, die reinen Baukosten lagen bei 5,1 Millionen Euro. Das oberste Ziel bei dem Großprojekt ist der Schutz des Grundwassers.

Böschungen und steile Hänge

„Wir haben den gesamten Müllberg auf dem 14 Hektar großen Gelände mit Kunststoffdichtungsbahnen eingehüllt“, erklärt Wolfgang Bagin, der Werkleiter im Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises. Das sei technisch nicht einfach gewesen auf den Böschungen und den teilweise steilen Hängen, die rund 50 Meter hoch sind. Die Kunststoffhülle wird von einem Vlies geschützt, unter ihm befinden sich zur Sicherheit noch eine Lehm- sowie eine Entgasungs- und eine Ausgleichsschicht aus Schotter und Kies.

Über dem Kunststoffmantel ist eine zwei Meter hohe Erdschicht aufgeschüttet worden, damit 20 000 Bäume und Büsche, die bis zum nächsten Frühjahr gepflanzt werden, auch genug Halt finden und gut gedeihen können. „Es soll hier wieder ein Wald entstehen“, sagt Thomas Schneider, der Sachgebietsleiter Deponien im Abfallwirtschaftsbetrieb. Damit die Erde nicht abrutscht, mussten die unteren Meter rund um den Hügel fest verpresst werden.

Sickerwasser und Deponiegas

An den Rändern des abgedichteten Müllhaufens wird das Sickerwasser aufgefangen, das weiterhin in den Ausgleichsschichten entstehen kann. Dafür wurden Drainagen gebaut und an das bestehende Leitungssystem für das Sickerwasser angeschlossen. Je mehr Regen in einem Jahr fiel, desto mehr Sickerwasser musste bisher aufgefangen werden. Im Durchschnitt kamen rund 30 000 Kubikmeter zusammen, die in die Kläranlage Böblingen-Sindelfingen geleitet wurden. Weil die Deponie nun aber abgedichtet ist, rechnet Schweizer mit weitaus weniger belastetem Wasser. Die Kosten für die Wasserreinigung lagen bisher bei 100 000 Euro im Jahr. „Unseren Aufwand für die Dachsklinge decken wir mit unseren Rückstellungen“, sagt Bagin. In den 1990er Jahren sei damit begonnen worden. Das Geld wurde regelmäßig dem Einnahmentopf entnommen. „Die jetzigen Gebührenzahler werden nicht belastet, wenn wir unsere Deponien rekultivieren“, erklärt der Werkleiter.

Als nächstes ist die Abdichtung der Leonberger Deponie geplant. Denn der größte Teil des anfallenden Abfalls wird im Böblinger Müllmeiler verbrannt. „Lediglich ein paar tausend Tonnen müssen wir noch auf der Deponie in Ludwigsburg entsorgen“, berichtet Schweizer. Dabei handele es sich auch um Dichtungsmaterial von Gebäuden, das nicht verbrannt werden könne. Neben dem Sickerwassser ist das Deponiegas das zweite, schwere Erbe, das bewältigt werden muss. „Mit der Abdichtung wird es aber ebenfalls weniger“, sagt Schweizer. Sodass die Besucher in einigen Jahren „wohl ungefährdet“ einen Spaziergang auf der Dachsklinge machen könnten.




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