Sindelfingen Eine Hotelübernachtung in der eigenen Stadt

Seit vier Monaten ruht der Gastbetrieb im Fischlokal von Paolo Simao am Wettbachplatz. Lange hält er nicht mehr durch. Foto: Simon Granville
Seit vier Monaten ruht der Gastbetrieb im Fischlokal von Paolo Simao am Wettbachplatz. Lange hält er nicht mehr durch. Foto: Simon Granville

Sindelfingen will mit einem Unterstützungspaket für Händler und Gastronomen die Wirtschaft ankurbeln.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)

Sindelfingen - Mit knapp 150 000 Euro wollen die Sindelfinger Stadtverwaltung und die Wirtschaftsförderung den Händlern und Gastronomen in der Stadt unter die Arme greifen. Mit ganz unterschiedlichen Projekten und Aktionen sollen die Innenstadt, aber auch die Läden der Stadtteile wieder belebt werden, sobald der Lockdown gelockert wird. Der Sindelfinger Gemeinderat beschloss mit großer Mehrheit das vorgelegte Unterstützungspaket.

Erst in der vergangenen Woche hatten der Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und Sascha Dorday, der Chef der Wirtschaftsförderung, in einer Videokonferenz die Händler und Gastronomen gefragt, wo sie der Schuh drückt. Gewünscht wurden Aktionen zur Belebung der Innenstadt mit Dekorationen und Veranstaltungen, aber auch gezielte Maßnahmen, um die Gastronomie anzukurbeln.

So plant die Stadtverwaltung nun für Mai die Kampagne „Sindelfingen blüht auf“, die es statt der Langen Einkaufsnacht geben soll. Dabei sollen in der ganzen Stadt Blumenkübel und Bepflanzungen ein einladendes Ambiente schaffen. 20 000 Euro lässt sich die Stadt das kosten. Weitere 5000 Euro sind für einen Schaufensterwettbewerb eingeplant. Für den Sommer, wenn Corona hoffentlich fast von der Bildfläche verschwunden ist, sind Konzerte und Auftritte von Kleinkünstlern in der Innenstadt geplant, Kostenpunkt: weitere 5000 Euro.

Kostenlos Parken und umsonst Bus fahren

Sobald die Läden wieder öffnen dürfen, soll es Anreize für die Bürger geben, diese auch aufzusuchen. 10 000 Euro plant die Stadt für kostenloses Parken, zum Beispiel an einigen Samstagen, ein. 40 000 Euro soll die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs durch die Kunden die Stadt kosten.

Und wie kann man die Sindelfinger Hoteliers unterstützen? Auch dafür hat die Wirtschaftsförderung eine originelle Idee entwickelt: Sindelfinger Bürger können zu einem Sonderpreis in einem Hotel der eigenen Stadt nächtigen inklusive einer Stadtführung und Museumsbesuchen.

Kurzfristig, das heißt schon vor der Beendigung des Lockdowns, unterstützt die Stadt die Händler mit einer Werbekampagne unter dem Motto „Wir in Sindelfingen“ und einer Online-Plattform, auf der die Lokale und Läden vorgestellt werden. Den Gastronomen werden die Sondernutzungsgebühren erlassen – allein dafür sind 18 000 Euro vorgesehen. Auch die Aktion „Sindelfinger Stadtgutschein“ wird fortgeführt. Dabei spendiert die Stadt für jeden Gutschein, der gekauft wird, 30 Prozent des Guthabens obendrauf.

Der Wirt hält längsten bis Ostern durch

Der Sindelfinger Gewerbe- und Handelsverein (GHV) begrüßte das Unterstützungspaket. „Das ist eine gute Sache, die den Händlern und Gastronomen hilft“, sagte Hermann Ayasse, der Vorsitzende des Sindelfinger GHV. „Alles, was kommt, hilft uns“, freut sich auch Paolo Simao, der Wirt des Restaurants des Deutsch-portugiesischen Kulturvereins am Wettbachplatz. Er hofft, dass der Lockdown bald endet und er sein Lokal mit Spezialitäten wie frischer Fisch bald wieder aufmachen kann. Bis längstens April könne er mit ein wenig Außer-Haus-Verkauf noch durchhalten, hat er ausgerechnet. „Wenn wir dann nicht öffnen dürfen, müssen wir wohl aufgeben“, sagt der Wirt.




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