Neues Badezentrum in Sindelfingen Harsche Kritik an der Badrenovierung

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Das Hallenbad in Sindelfingen soll nach seiner Sanierung zur Nummer eins unter den Badezentren der Region Stuttgart werden. Doch nun werfen die Stadträte die Frage auf, ob man sich die teure Modernisierung wirklich leisten kann.

Das Bad in Sindelfingen ist in die Jahre gekommen. Vor allem    die Technik und   die Heizung sind zu erneuern. Foto: factum/Granville
Das Bad in Sindelfingen ist in die Jahre gekommen. Vor allem die Technik und die Heizung sind zu erneuern. Foto: factum/Granville

Sindelfingen - Hermann Ayasse hat eigentlich die Ruhe weg. Das liegt in der Natur des ehemaligen Wasserballers des VfL Sindelfingen. Aber ausgerechnet er war es, der die Verwaltung für deren Planung des neuen Badezentrums am heftigsten kritisierte. „Wie viel Prozent vom Haushalt sollen eigentlich die Sanierung und Modernisierung kosten?“, fragte er. Und der 67 Jahre alte CDU-Stadtrat ließ nicht locker: „Wie hoch sind die Folgekosten? Weshalb brauchen wir einen Projektmanager, wenn die Sache doch auch ein Architekt in die Hand nehmen könnte?“ Zudem habe die Stadt noch andere Bauprojekte in der Warteschleife. Könne man sich die 35 Millionen Euro für das Badezentrum auch wirklich leisten, wenn allein die Sanierung der Marktplatztiefgarage voraussichtlich 30 Millionen Euro koste?

Zu wenig Parkplätze

Fragen über Fragen tauchten in der jüngsten Sportausschusssitzung des Sindelfinger Gemeinderats auf, mit denen sich der Erste Bürgermeister Christian Gangl konfrontiert sah. Simone Müller-Roth von den Grünen bemängelte, dass doch noch gar nicht festgelegt sei, „wie das Badezentrum künftig ausgebaut werden soll, damit es für Familien noch attraktiver wird“. Die Rede sei lediglich von einer Rutschenlandschaft, Genaueres wisse man aber nicht. Auch die Sauna solle höheren Anforderungen genügen und aufgehübscht werden. Details dazu seien ebenso wenig kommuniziert worden.

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Und außerdem: „Wie viele Badegäste soll das Bad künftig mehr anziehen?“, wollte Müller-Roth wissen. Wie wolle man den zunehmenden Autoverkehr bewältigen? Dass es schon jetzt im Sommer kaum mehr einen Parkplatz vor dem Bad gebe, merkte Richard Pitterle von den Linken an. „Wir müssen auch an die Menschen denken, die in den benachbarten Wohngebieten leben. Auf sie kommt eine höhere Lärmbelastung zu, wenn wir das Familienbad Nummer eins in der Region werden wollen“, merkte der Linken-Politiker an.

Privat geführte Bäder unter der Lupe

Bei allen Einwänden: Den Räten im Sportausschuss dauert es schon viel zu lange, „bis man zu einer Entscheidung über das Bauvorhaben kommt“, wie auch Wolfgang Baltzer (CDU) fand. Schon in den Jahren 2012 bis 2014 sei das Projekt im Gespräch gewesen. Man hatte privat geführte Bäder besucht, um sich vor Ort über die Betriebe zu erkundigen, die meist kein zwei Millionen Euro schweres Defizit jährlich erwirtschafteten wie das Sindelfinger Badezentrum. Ein privater Investor, der Interesse an der Übernahme des Sindelfinger Bads bekundete, war dann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. „Jetzt müssen wir die Sache selbst in die Hand nehmen“, erkannte auch Baltzer, der wie andere Stadträte im Ausschuss mahnte, „wir müssen Gas geben“.

Der Erste Bürgermeister Gangl sah sich keinesfalls in Erklärungsnot: „Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen.“ Zuerst räumte er ein, dass eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgenommen werden müsse, die auch die Folgekosten berücksichtige. Auch ein Verkehrsgutachten soll in Auftrag gegeben werden. Um die Ausstattung des Bads und die Modernisierung zu planen, sei ein Projektentwickler nötig. Kostenpunkt: 200 000 Euro. Die Verwaltung könne das Vorhaben bei all den anderen anstehenden Bauprojekten in der Stadt nicht selbst stemmen, erklärte Gangl. Die veranschlagten 35 Millionen Euro für das Badezentrum seien in den Rücklagen bereits zweckgebunden „gebunkert“. Das ist deshalb wichtig, weil Sindelfingen seit Jahren ein enormes Auf und Ab bei den Gewerbesteuereinnahmen erlebt.

Es soll vorangehen – deshalb stimmen fast alle zu

Trotz der harschen Kritik stimmten die Räte dem Vorgehen bei einer Enthaltung zu. „Wir müssen vorankommen“, unterstrich Hermann Ayasse, dem das Badezentrum ebenso am Herzen liegt wie allen anderen, die im Sportausschuss sitzen. Mit dem Thema werden sich noch andere Ausschüsse sowie auch der Gemeinderat befassen. Die Detailplanung soll dieses Jahr beginnen, weitere Debatten werden folgen. Danach gibt es eine europaweite Ausschreibung. Baubeginn wird wohl erst 2021 sein.