Sindelfingen/Leonberg Kommentar

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Angst hilft nicht weiter

Dem Hype der Willkommenskultur des vergangenen Sommers folgte pünktlich zu Beginn des neuen Jahres der Kulturschock nach den sexuellen Übegriffen durch junge Araber und Nordafrikaner in der Silvesternacht. Angst vor dem „arabischen Sex-Mob“ macht sich breit. Doch weder die Euphorie des vergangenen Jahres noch die Angstdebatte, die teilweise zu rassistischen Tiraden verkommt, helfen bei der Bewältigung der gewaltigen Herausforderung, mehr als ein Million Flüchtlinge zu integrieren.

Wohltuend sind da Pragmatiker wie die Pädagogen des Waldhauses in Hildrizhausen. Euphorisch sind sie nie gewesen. Dass es nicht einfach ist, junge Männer aus dem arabischen Kulturkreis in Deutschland zu integrieren, ist ihnen längst bewusst. Deshalb haben sie bereits im vergangenen Jahr nicht nur auf den Zustrom minderjähriger Flüchtlinge reagiert und ständig neue Wohngruppen eingerichtet, sondern auch ein Konzept entwickelt, damit die jungen Leute möglichst schnell in unserer Gesellschaft Fuß fassen.

Dazu gehört ein strukturierter Tagesablauf, damit die jungen Männer erst gar nicht auf dumme Gedanken kommen. Deshalb warten die Waldhauspädagogen auch nicht darauf, dass in den überfüllten öffentlichen Integrationsklassen Plätze frei werden, sondern richten eben eigene ein. Die Probleme junger Araber und Afghanen mit Frauen gehen sie konkret an mit Kulturvermittlern, die einen ähnlichen Hintergrund haben.

Dieses Konzept scheint zu funktionieren – auch in der Vergangenheit hat das Waldhaus bereits erfolgreich Zuwanderer integriert. Wir brauchen mehr solcher Pragmatiker. Denn weder mit Euphorie noch mit Angst kann Integration gelingen.




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