Sindelfingen Pläne für Volksbank-Areal werden konkreter

Von Lena Hummel 

Beim Abrissstart der alten Volksbank schildert der Oberbürgermeister Bernd Vöhringer, was auf dem Areal entstehen soll. Die Initiative „Wir alle sind die Stadt“ kritisiert vor allem die Übergangslösung.

Der OB Bernd Vöhringer spricht von einem „ganz besonderen Anlass“. Am Ende seiner Rede­ steigt er selbst in den Bagger – und bohrt das erste Loch. Foto: factum/Simon Granville
Der OB Bernd Vöhringer spricht von einem „ganz besonderen Anlass“. Am Ende seiner Rede­ steigt er selbst in den Bagger – und bohrt das erste Loch. Foto: factum/Simon Granville

Sindelfingen - Der Kettenbagger gleicht einem Ausstellungsstück in einem Museum. Tatsächlich steht er in der Mitte der Schalterhalle des ehemaligen Sindelfinger Volksbankgebäudes. Die Bodenfliesen zeichnen ineinanderliegende Kreise, auf deren Mittelpunkt der Abbruchmeißel der Baumaschine gerichtet ist. Rot-weißes Absperrband zieht eine Grenze zwischen dem Bagger und den Zuschauern, die am Donnerstag in das Gebäude in der Gartenstraße gekommen sind. Der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer, der kurz nach 15 Uhr das Mikrofon ergreift, zitiert den Hays-Kommunikationschef Frank Schabel: „Wer vom Wandel profitieren will, muss ihn begrüßen.“ Das tue er hiermit.

Die Veranstaltung markiert den offizielle Abrissstart des alten Volksbank­gebäudes. Mit der frei werdenden Fläche hat die Stadt Großes vor. Sobald auch das benachbarte Postgebäude abgerissen ist – bis zum Jahr 2023 wird es voraussichtlich noch stehen – soll auf dem gesamten Areal ein Neubau entstehen, der ein wichtiges „Entree der Innenstadt“ sei, sagt Vöhringer.

Der Ideenwettbewerb wurde zunächst unterbrochen

Bereits vor vier Jahren haben Bürger in einem Wettbewerb der Ideen Zukunfts­visionen für das Areal entwickelt. „Das musste aber erst mal unterbrochen werden“, sagt der OB bei der Veranstaltung. Der Grund: Wegen der Sanierung der Marktplatz-Tiefgarage habe man zwischenzeitlich gedacht, man müsse das Areal als Ausweichfläche freihalten. Erst seit einem halben Jahr sei klar, dass das nicht nötig sei. „Damit können wir die Stopptaste wieder lösen“, sagt Vöhringer.

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Klaus Philippscheck, ein Gründungsmitglied der Initiative „Wir alle sind die Stadt“, die sich seit rund drei Jahren mit der Stadtentwicklung in Sindelfingen beschäftigt und heute 25 aktive Mitglieder hat, kann diese Argumentation nicht nachvollziehen: „Die Tatsache, dass da vielleicht Parkplätze zur Verfügung gestellt werden, heißt doch nicht, dass man nicht diskutieren kann, was danach entstehen soll.“ Jürgen Stauch, ebenfalls ein Gründungsmitglied, und Herbert Rödling, der sich aktiv in der Initiative engagiert, pflichten ihm bei. „Eine wichtige Rolle spielt auch der zeitliche Horizont“, sagt Rödling. Sindelfingen sei geplagt von Leerstand. Und jedes Jahr, das vergehe, ohne Impulse hervorzubringen, verschlechtere die Situation.

Das Bürger- und Kulturzentrum kommt

Konkrete Vorstellungen wie der Neubau inhaltlich ausgerichtet sein soll, haben die Vertreter der Initiative nicht. Wichtig sei aber, dass eine Verbindung zur Altstadt, zum Marktplatz und zum Wettbachplatz hergestellt werde, betont Stauch. Auch die Idee eine Hochschule nach Sindelfingen zu bringen, müsse in die Debatte eingebracht werden, ergänzt Philippscheck. Ein Bürger- und Kulturzentrum müsse ebenfalls in dem Neubau angesiedelt sein, da ist sich die Gruppe einig. Dass das tatsächlich Teil des neuen Areals werden wird, hat der OB bei der Veranstaltung am Donnerstag bestätigt – und damit die Pläne verworfen, das Zentrum am Standort der Alten AOK zu errichten. Im Erdgeschossen soll Platz für Geschäfte und Dienstleister sein, oben sollen Wohnungen entstehen.

Rödling glaubt, dass man unter Einbeziehung der Bürger und der Initiative am Ende zu einem passablen Ergebnis kommen kann. Anders sieht das bei der Übergangslösung aus. Weil die Bauarbeiten erst dann beginnen können, wenn auch das Postgebäude abgerissen ist, schwebt der Stadt vor, zunächst einen grünen Platz zu schaffen. Rödling reicht das nicht. Es müsse ein Platz her, der Aufenthaltsqualität schaffe, der treppenartig aufgebaut sei – und damit die Möglichkeit für Theater und Musikveranstaltungen biete, der durch ein Segel vor Wind und Sonne geschützt sei. „Schon deshalb, weil viele die Sorge teilen, dass die Arbeiten doch länger dauern könnten“, sagt Philippscheck.