Sanierung der Tiefgarage In Sindelfingen bebt der Marktplatz
Die Sanierung der Marktplatz-Tiefgarage in Sindelfingen geht nicht unbemerkt vonstatten. Aktuell sorgen spürbare Erschütterungen auf dem Marktplatz besonders an Markttagen für Unmut.
Die Sanierung der Marktplatz-Tiefgarage in Sindelfingen geht nicht unbemerkt vonstatten. Aktuell sorgen spürbare Erschütterungen auf dem Marktplatz besonders an Markttagen für Unmut.
Wer dieser Tage über den Sindelfinger Marktplatz schlendert, der könnte sich dabei etwas unsicher auf den Beinen fühlen. Das liegt daran, dass in der Tiefgarage unter dem Platz gerade Abrissbagger am Werk sind. Die Stadt Sindelfingen lässt ihr am prominentesten platziertes unterirdisches Parkhaus umfassend sanieren. 38,1 Millionen Euro soll das kosten. Bis 2028 bleiben Teile der Tiefgarage gesperrt, während der Rest von Grund auf neu aufgebaut wird.
Dass das Bauwerk von 1982 saniert werden muss, steht schon lange fest: die maroden Decken der Untergeschosse mussten mindestens zehn Jahre lang aufwendig abgestützt werden. Schon im Fertigstellungsjahr waren erste Risse aufgetreten. Wenige Jahre später musste die Parkkaverne ein erstes Mal grundlegend saniert werden. 2004 folgte eine nächste Sanierung. Da wurde aber nur das Allernötigste gemacht – die Stadtkasse war leer.
Das sieht heute anders aus. Ende Juni durfte Sindelfingens Oberbürgermeister Bernd Vöhringer symbolisch den ersten Betonträger abreißen und damit die langwierige Baustelle eröffnen. Durch ein großes rechteckiges Loch in der Nähe der Böblinger Straße sind inzwischen zwei Abbruchbagger in die Tiefgarage gelassen worden. Dort sollen sie das unterirdische Gebäude für die Sanierung entkernen. „Zunächst werden die Decken der Tiefgarage Stück für Stück abgetragen“, erklärt Stadtsprecherin Katrin Sadroschinski den Prozess. „Nach und nach entsteht so unter dem Marktplatz eine riesige Halle, in der dann die neue Tiefgarage wieder von der Bodenplatte startend aufgebaut wird.“
Beim Blick in das Eintrittsloch der Bagger sind die abgebissenen Reste der Tiefgaragen-Stockwerke zu sehen. Stahlbetontrümmer hängen in der Luft. Die Betonträger zeigen noch die Erkennungsfarben der einzelnen Stockwerke – gelb für das erste, blau für das zweite und grün für das dritte Untergeschoss. Neonfarbene Kreuze und Pfeile bieten wohl den Arbeitern Orientierung, was die Bagger abbrechen dürfen und was nicht. An eine Tür hat zudem jemand „Bleibt!“ geschrieben. Wohl, damit diese nicht von den hungrigen Baggern abgerissen wird.
„Durch den Abbruchprozess sind derzeit an der Oberfläche Erschütterungen zu spüren“, schreibt die Stadtsprecherin. Das ist eine Untertreibung – wenn man die Passanten reden hört. Im Treppenhaus zwischen der Tiefgarage und dem Marktplatz ist das Schwanken ein beliebtes Thema, wenn sich Fremde auf den Treppen entgegenkommen.
Worüber sie noch sprechen, sind die Geräusche, die beim Abbruch der Zwischendecken entstehen. Ob es noch sicher sei, in der Tiefgarage zu parken, hört man immer wieder. Ja, beteuert Katrin Sadroschinski. „Die Nutzung der verbleibenden Tiefgarage ist gefahrlos möglich“, sagt sie. „Vor Beginn der Abbrucharbeiten sind umfassende Stahlstützen und Träger eingezogen worden, die den Marktplatz zuverlässig tragen und so die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, sowie die Sicherheit der Handwerkerinnen und Handwerker sowie unserer Partner gewährleisten.“
An Markttagen herrscht trotz der Sanierungsarbeiten und dem stillgelegten Aufzug reges Treiben. Für viele Marktbeschicker allerdings sind die unterirdischen Bauarbeiten eine Belastung. „An Tagen, wo es so richtig hämmert, wackeln meine Kräuter“, sagt eine nicht namentlich genannte Verkäuferin. Sie habe auch von einer Kollegin gehört, die durch die Schwingungen in ihrem Stand regelmäßig mit Kopfschmerzen zu kämpfen habe. „Das geht den ganzen Tag so“, beklagt sich auch eine andere Verkäuferin, als wieder eine Welle von Erschütterungen ihren Wagen zum Wackeln bringt. „Wir sind total aufgeschmissen.“
Nicht nur auf dem Marktplatz selbst sind die Erschütterungen zu spüren, sondern auch in den umliegenden Gebäuden. So zum Beispiel in der Apotheke von Martin Seifert. „Die Schallwellen ziehen ja keinen Kreis um die Apotheke“, sagt er im Scherz. Um dann wieder ernst zu werden: „Es kommt nicht die Decke runter und es sind auch noch keine Regale umgefallen, aber natürlich merkt man es deutlich.“ Bis voraussichtlich Ende November sollen die Abbrucharbeiten in der Tiefgarage unter dem Marktplatz noch dauern, heißt es von der Stadt Sindelfingen. „Vereinzelt haben die Stadtverwaltung Rückmeldungen von Anrainern erreicht, der die Projektgruppe umgehend nachgegangen ist“, sagt Katrin Sadroschinski. So lange sei auch mit spürbaren Schwingungen auf dem Platz zu rechnen. Aktuell seien um die 20 Prozent der Deckenfläche abgetragen.
Doch was machen die Schwingungen mit den umliegenden Häusern? „Die Sanierung ist so konzipiert, dass keine Risse und Beschädigungen an Anrainer-Häusern erwartet werden, da diese nicht auf dem Fundament der Tiefgarage errichtet sind“, sagt die Stadtsprecherin. Dennoch habe man sich vor Baustart alle Anrainer-Häuser genau angeschaut, um eine umfangreiche Beweissicherung zu haben. So könne der Zustand dieser Häuser mit dem Zustand nach der Sanierung zuverlässig abgeglichen werden.
Bau
1982 wurde die Marktplatz-Tiefgarage eröffnet. Rund 20 Millionen Euro hat der Bau mit 420 Pkw-Stellplätzen seinerzeit gekostet.
Baumängel
Schon in den 1980er Jahren wurde die Tiefgarage teilsaniert. Seit 2014 ist klar, alle Flickversuche führen nicht weiter. Die Garage mit drei Stockwerken muss saniert werden
Kosten
Laut ersten Berechnungen sollte die Generalsanierung, die der Gemeinderat beschlossen hat, 28 Millionen Euro kosten. Durch die Preisentwicklung rechnet die Verwaltung nun mit rund 38 Millionen Euro.
Grünes Licht
Am 19. Juli 2022 stimmt die Mehrheit des Rates für den Entwurf und fasst damit den Baubeschluss
Baubeginn
Die Bauarbeiten in der Marktplatz-Tiefgarage haben im Juni dieses Jahres begonnen. Bereits 2023 hatte es Umfragen gegeben, wie die Tiefgarage nach der Sanierung gestrichen werden soll.