Sindelfingen Zur Weltmeisterschaft nach Texas

Vier Schüler des Gymnasiums Unterrieden nehmen mit selbst konstruierten Miniatur-Rennflitzern an dem internationalen Technologie-Wettbewerb Formel 1 in Schools teil. Im Oktober fliegen sie nach Austin.

Den WM-Titel fest im Visier haben (von links): Christian Barth, der Betreuer Rainer Barth, Philipp Haug, der Lehrer Tilmann Berger, Lisa Renz, Sebastian Ciesla und Felix Mühlenberend. Es fehlen: Luc Slevogt und Jakob Friedrich. Foto: factum-Weise
Den WM-Titel fest im Visier haben (von links): Christian Barth, der Betreuer Rainer Barth, Philipp Haug, der Lehrer Tilmann Berger, Lisa Renz, Sebastian Ciesla und Felix Mühlenberend. Es fehlen: Luc Slevogt und Jakob Friedrich. Foto: factum-Weise

Sindelfingen - Auf den ersten Blick wirken die Miniatur-Formel-1-Autos unscheinbar: 20 Zentimeter lang, 6,5 Zentimeter breit, 55 Gramm leicht. Wie viel Zeit, Geld und Arbeit in der Produktion dieser kleinen silbernen Flitzer steckt, sieht man ihnen wahrlich nicht an.

Monatelang haben vier Schüler des Sindelfinger Gymnasiums Unterrieden gemeinsam mit drei Schülern aus Mannheim an der Konstruktion der Mini-Rennautos getüftelt. „Vor der Deutschen Meisterschaft haben wir wochenlang 30 Stunden pro Woche an der Optimierung gearbeitet. Es gab 20-Stunden-Tage, an denen wir fast nonstop per Skype-Konferenz mit den Mannheimern verbunden waren“, berichtet Felix Mühlenberend. Der 17-Jährige war bereits im vergangenen Jahr mit dabei, belegte mit dem Sindelfinger Team sogar den achten Platz bei der Weltmeisterschaft. In diesem Jahr engagiert er sich als Betreuer des aktuellen Teams. Dieses – ein Kooperationsteam aus Sindelfingen und Schülern des Mannheimer Karl-Friedrich-Gymnasiums, wurde Zweiter bei der Deutschen Meisterschaft und fliegt im Oktober zur WM nach Austin/Texas.

„Formel 1 in der Schule“ heißt der Wettbewerb, an dem sich junge Leute aus 46 Nationen beteiligen. Ihre Aufgabe: einen Formel-1-Wagen im Kleinstformat nach genauen Vorgaben am Computer zu konstruieren, die Entwicklung zu dokumentieren, das Ergebnis einer strengen Jury zu präsentieren und mit dem Auto ein Rennen zu fahren. Dabei starten die Wagen auf einer 20 Meter langen Rennstrecke. Fahrtzeit: etwa eine Sekunde.

„Das ist ein Wettbewerb auf einem ganz hohen Niveau“, sagt der Lehrer Tilmann Berger, der seit sieben Jahren die Formel- 1-AG am Gymnasium Unterrieden leitet. „Die Schüler haben noch nicht einmal das Abitur und rechnen und konstruieren bereits auf Vordiplom-Niveau.“ Laut Definition der Formel-1-in-der-Schule-Website handelt es sich um einen „multidisziplinären, internationalen Technologie-Wett­bewerb“. Dabei geht es nicht nur um die Konstruktion eines Autos, sondern auch um die Vermarktung und Präsentation des Projekts, das ausschließlich mit Sponsorenmitteln finanziert wird. 22 000 Euro betrug der Etat für die Deutsche Meisterschaft. Mit mindestens 30 000 Euro rechnen die Schüler für die WM. „Unser Hauptsponsor ist die Firma Fischer aus Sindelfingen-Maichingen. Doch für die WM brauchen wir dringend noch weitere Sponsoren“, sagt Sebastian Ciesla, der Teammanager. Der 16-Jährige ist verantwortlich für die Einhaltung des Zeitplans, die Buchung der Flüge und die Kommunikation mit den Veranstaltern in den USA.

Die Jugendlichen suchen Sponsoren

Auch jedes der anderen Teammitglieder aus Sindelfingen und Mannheim hat eine Rolle: Philipp Haug und Jakob Friedrich sind die Konstrukteure. Lisa Renz, das einzige Mädchen im Team, ist für die Produktion der Autos verantwortlich. Christian Barth hat als Grafik-Designer die hochprofessionelle 16-seitige Präsentation des Projekts erstellt. Luc Slevogt kümmert sich um das Marketing und die Sponsorensuche.

Was treibt die Jugendlichen an, viele Stunden in ein solches Projekt zu stecken? „Es ist toll zu sehen, wie man mit viel Arbeit und im Team etwas entwickeln kann, das Erfolg hat“, sagt Lisa. „Es geht ja nicht nur um das Technische. Die Schüler gehen auf Messen, präsentieren ihr Projekt, plaudern auf Augenhöhe mit Geschäftsführern großer Unternehmen“, sagt Tilmann Berger.

Wertvolle Kontakte habe er so schon geknüpft, berichtet Felix Mühlenberend, der gerade sein Abi gemacht hat. „Wenn ich erzähle, dass ich mit dem CAD-Programm arbeite, das Daimler hat, sind die Leute baff.“ Und so kann es sich der Abiturient ­erlauben, Ausbildungsstellen abzulehnen, nach denen sich andere die Finger lecken. Er will zunächst Physik studieren. Eine glänzende Karriere ist ihm sicher, sagt sein Lehrer überzeugt.




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