Sindelfinger auf Schokofahrt Radfahrer holen 52 Kilogramm faire Schokolade aus Amsterdam

Markus Schlegel vor den Toren der Schokoladenfabrik in Amsterdam. Foto: /privat

Markus Schlegel aus Sindelfingen tritt für Schokofahrt in die Pedale: Er und seine Mitstreiter liefern per Rad fair gehandelte Schokolade von Amsterdam in die Region. Was ist sein Antrieb?

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Markus Schlegel packt. Eine große, wasserdichte große Tasche, ein Schlafsack, eine frisch imprägnierte Regenjacke und eine weitere Tasche für Wechselkleidung liegen in seinem Wohnzimmer bereit. Am Gründonnerstag startet der 35-Jährige, der seit einem Jahr in Sindelfingen wohnt und in Waldenbuch aufgewachsen ist, mit dem Zug nach Amsterdam. Mit im Gepäck hat er sein Lastenfahrrad. Denn aus der niederländischen Hauptstadt holt er mit zwei Freunden 544 Tafeln Fairtrade-Schokolade und verteilt sie unter anderem an das Reformhaus Klett in Böblingen, den Eine-Welt-Laden in Waldenbuch, den Radladen s’ Rädle in Leinfelden und an den Bioladen Plattsalat in Stuttgart-West. All diese Läden haben die Tafeln bei der Schokofabrik „Chocolate Makers“ aus Amsterdam bestellt haben.

 

Die Idee dahinter nennt sich Schokofahrt. Zwei Mal im Jahr – zu Ostern und im Oktober – transportieren Hunderte von Radfahrern aus ganz Deutschland die Schokotafeln aus Amsterdam über die Grenze, um sie an die Geschäfte zu liefern. Der fair gehandelte Kakao zur Herstellung der Bio-Schokolade wurde zuvor emissionsfrei mit einem Segelschiff aus der Dominikanischen Republik nach Europa gebracht. Damit auch auf der letzten Strecke zum Endverbraucher keine Emissionen entstehen, wird die Schokolade per Fahrrad in die Städte gebracht. „2019 bin ich über Social Media auf die Aktion aufmerksam geworden“, erzählt Markus Schlegel. Damals habe die Tour allerdings aufgrund von Corona abgebrochen werden müssen, doch die Begeisterung für diese spezielle Radtour hatte ihn gepackt.

„Jeder tritt ehrenamtlich in die Pedale“

Mittlerweile ist Schlegel, der als Schulsozialarbeiter an der Gottlieb-Daimler-Schule 2 arbeitet, bereits zum fünften Mal bei der besonderen Radtour, bei der es um mehr als nur um Schokolade geht, dabei. Rund 700 Kilometer legen er und seine beiden Mitstreiter in diesem Jahr innerhalb von acht Tagen auf dem Fahrrad von Amsterdam nach Sindelfingen zurück. „Pro Tag fahren wir rund 80 bis 100 Kilometer“, sagt er. Übernachten werden die drei Männer dabei bei Freunden und Bekannten, manchmal auch in Hostels.

Durch Wadenkraft wird die Schokolade in die Region gebracht. Foto: privat/Markus Schlegel

Menschen aus allen Altersklassen, die sich für eine grüne Zukunft und gute Schokolade einsetzen, nehmen an der Fahrt teil. „Das Netzwerk der Schokofahrer organisiert sich dezentral in kleinen lokalen Gruppen. Jeder tritt ehrenamtlich in die Pedale“, erklärt Schlegel, der die Fahrt für Böblingen/Sindelfingen organisiert. Auch die Übernachtungen müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

"Radfahren als Ausgleich zum Arbeitsalltag"

Der Sozialarbeiter nimmt die 700 Kilometer im Sattel seines E-Lastenfahrrads für ein paar Tafeln Schokolade gerne in Kauf. Im Jahr 2017 hat Schlegel sein Auto verkauft, seitdem fährt er viel Fahrrad. Für ihn ist die Schokofahrt ein guter Ausgleich zum Arbeitsalltag, in dem er viel sitzen und zuhören muss. „Die Fahrt ist zwar schon anstrengend und danach ist man fertig. Aber sie gibt einem viel positive Energie zurück“, sagt er. Die Schokofahrt verbinde die Freude am Radfahren und an guter Schokolade mit dem Einsatz für die Verkehrswende und nachhaltiges Wirtschaften. „Zudem würde ich sowieso einen Radurlaub machen, dann kann ich gleichzeitig ja noch den Gedanken der Nachhaltigkeit verbreiten“, fügt er hinzu.

Markus Schlegel freut sich auf seine bevorstehende Reise. Seine Stimmung kann nicht viel trüben, nur Dauerregen wäre nicht so schön. Fast noch schlimmer allerdings wäre große Hitze, weil dann die Schokolade schmilzt, sagt Schlegel. Sogar ein platter Reifen kann die Radfahrer nicht aus der Fassung bringen. „Der Spaß bei der Schokofahrt ist einfach unbezahlbar“, sagt der 35-Jährige motiviert.

Emissionsfreier Transport: Von der Bohne bis ins Regal

Geschichte
Die erste Schokofahrt fand im Jahr 2017 statt. Einige Studenten aus Münster (Nordrhein-Westfalen) kamen auf die Idee, nach Amsterdam zu fahren, um 60 Kilogramm Bio-Schokolade emissionsfrei mit (Lasten-)Rädern nach Münster zu bringen. Seitdem ist die Initiative auf mehr als 250 Radfahrer angewachsen. Ziel ist es, nachhaltige Mobilität, CO-neutralen Verkehr und bewusstes Genießen zu fördern.

Teilnahme
Jeder, der ein Fahrrad hat und die Idee unterstützen möchte, kann mitfahren. Auch wer sich nur an der letzten Etappe, die am 26. April von Heilbronn nach Böblingen/Sindelfingen führt, beteiligen möchte, kann sich per Mail unter bawue@schokofahrt.de an Markus Schlegel wenden.

Webseite
Weitere Informationen gibt es unter https://schokofahrt.de.

Weitere Themen