Sindelfinger Biennale Von Regeln und Freiheit der Stadtgesellschaft

Das Tanztheater greift bei der Biennale aktuelle Themen auf. Premiere ist am Freitag hinter der Martinskirche.

Konsum trifft Esoterik – so heißt diese Szene des Tanztheaters. Foto: Stadt Sindelfingen/
Konsum trifft Esoterik – so heißt diese Szene des Tanztheaters. Foto: Stadt Sindelfingen/

Sindelfingen - Schlag auf Schlag geht es bei der Sindelfinger Biennale: Am Sonntag steht mit dem Tanztheater von Monika Heber-Knobloch die dritte Premiere an, wieder an einem lauschigen Plätzchen: Dieses Mal steht das Areal hinter der romanischen Martinskirche im Fokus. Tagsüber ein Idyll. „Nachts aber treffen sich hier Menschen, die etwas abseits der Stadtgesellschaft stehen“, sagt Monika Heber-Knobloch. Wenn die Tanzpädagogin und Chefin der Tanzabteilung der Sindelfinger Schule für Musik, Tanz und Theater mit ihrer Truppe zum Proben auf den Platz kommt, findet sie leere Bier- und Schnapsflaschen, Zigarettenkippen und anderen Müll. „Auch das gehört zu einer Stadt“, sagt Monika Heber-Knobloch. „Stadt(t)räume – Das Maß aller Dinge“ heißt das Stück, das eigens für die Biennale erarbeitet wurde.

Welche Regeln braucht eine Stadt, damit das Zusammenleben funktioniert? Was geschieht, wenn Menschen diese Regeln brechen? Wie viele Regeln verträgt Freiheit? Und wo endet die Freiheit von Menschen, wenn einige sich nicht an diese Regeln halten? Diese aktuellen Fragen haben Heber-Knobloch und ihre Tanztruppe in den vergangenen anderthalb Jahre beschäftigt. Herausgekommen ist eine Tanz- Musik-Theater-Performance, die sie für die Biennale entwickelt haben.

Der Konsum trägt einen Reifrock mit Schmuck und Schuhen

Dabei haben die fünf Tänzerinnen des Andas Modern Dance Art Ensembles, die Musiker Tobias Götzmann und Igor Petrov, und die Sprecherin Corinna Hahn eng zusammen gearbeitet. Im Mittelteil des Stücks stellt jede Tänzerin eine andere Verlockung der Stadt dar: die Künste, die Süchte, die Esoterik, den Konsum Dazu hat Andrea Legler äußerst fantasievolle Kostüme geschneidert. Die Tänzerin, die den Konsum darstellt, trägt beispielsweise einen Reifrock, der mit goldenen Einkaufstüten, Schmuck und Schuhen behängt ist. Die Tänzerin Süchte wirft sich einen Mantel über, der mit leeren Alkoholflaschen und Zigarettenschachteln bestückt ist. In diesen sehr schweren Outfits zu tanzen, ist eine sportliche Herausforderung.

„Die Musiker gehören zum Tanztheater. Sie sind nicht unsere Musiker, sondern Teil der Theatertruppe“, stellt Heber-Knobloch klar. Musiker und Tänzerinnen bilden den Gegenpart zur Sprecherin Corinna Hahn. Sie verkörpert die strenge Instanz über die Regeln, gegen die Musiker und Tänzer immer wieder rebellieren.

Sechs Aufführungen hinter der Martinskirche sind geplant. Beginn ist jeweils um 21.30 Uhr. Zuvor gibt es eine Einführung ins Werk. Bei schlechtem Wetter wird die Vorstellung in die Kirche verlegt. Am Samstag, 13. Juli, gibt es Aufführungen in den Stadtteilen Goldberg, Maichingen, Eichholz und Viehweide – kostenlos.