Sindelfinger Kultur-Urgestein Albi Barth Unermüdlich am Organisieren

Immer voll im Einsatz: Albrecht Barth beim Umhängen der Scheinwerfer im Pavillon Foto: Stefanie Schlecht

Seit gut 40 Jahren ist Albrecht „Albi“ Barth in der Sindelfinger Kulturarbeit engagiert. Insbesondere im Pavillon geht kaum etwas ohne den 72-Jährigen. Jetzt steht der Auftakt der Frühjahrsstaffel an.

Seine ersten kulturellen Spuren hinterließ Albi Barth in Schwäbisch Hall, seit 1987 gehört er dem Vorstand der IG Kultur in Sindelfingen an und hat maßgeblich das Programm im Pavillon geprägt. Als gewiefter Technikplaner und Experte für Vereinsrecht, Zuschüsse und Verträge ist der 72-Jährige bei dem Verein kaum wegzudenken. Barth gehört zu jenen Kulturmachern aus Leidenschaft, die spät in der Nacht noch an Scheinwerfern und Tonanlagen herumschrauben und nach einer Veranstaltung als letzte den Schlüssel herumdrehen. Zuletzt hat er für seinen Einsatz die Landesehrennadel bekommen – was ihm „nicht viel“ bedeutet, wie Barth gerade heraus sagt.

 

Herr Barth, Sie sind jetzt 72 Jahre alt und strotzen in Sachen Kultur immer noch vor Energie. Hält Kulturarbeit jung?

Kann sein. Man lernt immer wieder junge Künstler und Aktivisten mit spannenden Projekten kennen. Und neben der ehrenamtlichen Kulturarbeit war ich 20 Jahre hauptberuflich in der Jugendarbeit tätig – da nimmt man auch was mit.

Wo holen Sie die Motivation für dieses langjährige Engagement her?

Ich habe schon immer gerne Veranstaltungen organisiert – von der Schulparty bis zum Open-Air-Festival. Ein typisches Betätigungsfeld junger Menschen wie Sport oder Musikmachen war nie mein Ding. Ich habe schnell gemerkt, dass ich auf dem Sportplatz und auf der Bühne nicht sonderlich begabt bin, aber als Techniker, Manager, Organisator einen Platz in der Band gefunden habe. Und wenn erst einmal sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen sind und man vielleicht auch einige Pannen hinter sich gebracht hat, gibt es oft schöne Erlebnisse mit Künstlern – bei den Auftritten, nach der Show beim Abbau oder an der Theke.

Wie ging das bei Ihnen los?

Als Plakatierer für den Star-Club Bietigheim konnte ich in jungen Jahren umsonst zu vielen Konzerten gehen – das prägt. Mit dieser Erfahrung hat es mir in der Aufbruchstimmung der 1960er- und 1970er-Jahre Spaß gemacht, mit Gleichgesinnten das damalige Kulturangebot zu verändern – da entstand die Soziokultur mit einem alternativen Programm. In den 80er Jahren kam ich nach Sindelfingen und habe mich dann bald der IG Kultur angeschlossen, die ja wegen der Weihnachtssession gegründet worden war, aber schnell ein Eigenleben entwickelte.

Sie sind seit den 1960er-Jahren aktiv. Welche gravierenden Unterschiede gibt es bei der Kulturarbeit zwischen damals und heute?

Damals war alles neu und anders und ist auf großes Interesse gestoßen. Es gab nur wenige neue Kulturstätten, die hatten aber zum Teil einen riesigen Einzugsbereich. Mit Presse, Plakaten, Radio und manchmal sogar TV hat man meist viel Publikum erreicht. Heute gibt es ein viel größeres Angebot, die Publikumserwartungen sind oft recht eng begrenzt und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, leider viel geringer. Zudem informieren sich die Menschen auf so vielen unterschiedlichen Kanälen, dass es für Veranstalter immer schwieriger wird, gezielt Werbung zu machen und potenzielle Besucher zu erreichen.

Der Pavillon war einst als Provisorium geplant, jetzt gibt es ihn immer noch. Was macht diese Spielstätte aus?

Viele Bestrebungen, ein „richtiges“ soziokulturelles Zentrum in Sindelfingen zu etablieren, sind an den regelmäßigen Finanzkrisen der Stadt gescheitert. Ein Haus wie der Pavillon mit nur einem Saal und nur drei nutzbaren Wochentagen bietet zwar nur eingeschränkte Möglichkeiten, allerdings wäre ein größeres Haus nicht mehr rein ehrenamtlich zu betreiben – wobei wir da seit Langem an unsere Grenzen stoßen. Aber wir haben über die Jahre eine schöne Location geschaffen, die auch technisch auf dem neuesten Stand ist – inklusive teurer Lüftungsanlage. Leider zeigt sich das nicht von außen. Wir arbeiten daran, den Pavillon sichtbarer zu machen, und hoffen, mit den neuen Amtsleitungen Kultur und Bau hier eine Verbesserung zu erreichen.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die IG Kultur in nächster Zeit?

Die größte Herausforderung ist der Generationswechsel. Es fehlt an Nachwuchs im Kreis der ehrenamtlich Engagierten. Und es ist schwierig, ein jüngeres Publikum zu gewinnen und auch potenziellen jüngeren Organisatoren aufzuzeigen, dass es bei uns viele Möglichkeiten für selbstorganisierte und neue Formate gibt.

Neben all dem Kulturengagement – gehen Sie auch selbst als Besucher in Veranstaltungen?

Leider viel zu selten. Wenn, dann gerne ins Stuttgarter Theaterhaus oder in die Rosenau, im Sommer zu nicht kommerziellen Open Airs, ab und zu in Ausstellungen.

Albrecht Barth und die Soziokultur im Pavillon

Zur Person
 1950 in Schwäbisch Hall geboren und aufgewachsen, engagierte sich Albrecht „Albi“ Barth schon früh für die Soziokultur. Von 1980 bis 1993 arbeitete er als Pädagoge im Jugendhaus Mitte in Sindelfingen. Seit 1987 gehört er zum Vorstand der IG Kultur Sindelfingen, war von 1989 bis 2007 Vorsitzender, danach Kassenwart und Beisitzer.

Soziokultur
In den 1960er Jahren entstand im Kontrast zur bürgerlichen Hochkultur eine alternative Kulturszene, die bald soziokulturelle Zentren gründete, in denen Jazz, Weltmusik, Theater und politisches Kabarett eine Bühne finden. Zu den bekanntesten gehören die Manufaktur in Schorndorf, das Theaterhaus in Stuttgart und das Sudhaus Tübingen.

Pavillon-Programm
Am Montag, 6. Februar, um 19 Uhr startet im Pavillon (Calwer Straße 36) das Frühjahrsprogramm der IG Kultur mit dem Mitsingabend „Aus voller Kehle“. Es folgt eine Vielzahl an Veranstaltungen bis Mai, darunter die Sindelfinger Jazztage vom 31. März bis 2. April. Mehr Infos unter www.igkultur.de im Internet.

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