Sindelfinger Partnerstädte Um Fachkräfte wird überall gerungen

Die Delegationen der Sindelfinger Partnerstädte tauschen sich zum Thema Fachkräftegewinnung aus. Foto: Langner

Die Sindelfinger Verwaltung tauscht sich vor dem Internationalen Straßenfest mit Partnerstädten zum Thema Fachkräftegewinnung aus.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Im Großen Sitzungssaal des Sindelfinger Rathauses hängen die Länderflaggen von Frankreich, England, Italien, Ungarn, Polen, Deutschland und der Schweiz. Daneben das Sternenbanner der Europäischen Union. Im Ratsrund haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Partnerstädte Torgau, Sondrio, Schaffhausen, Dronfield und Corbeil-Essonnes versammelt, um über ein Thema zu diskutieren, das hier am Wirtschaftsstandort Sindelfingen genauso drängt, wie in Sachsen, der Lombardei oder am Seine-Ufer: Es geht um die Gewinnung von Fachkräften in Kommunen.

 

Beim traditionellen kommunalpolitischen Gespräch am Freitagmittag vor dem Internationalen Straßenfest tauschte die Sindelfinger Verwaltung sich über die in allen Partnerstädten ähnlich gelagerten Probleme im Personalbereich aus. Vor allem aber ging es um Lösungsansätze bei diesem vom Europäischen Gedanken geleiteten Gesprächsformat. „Es ist die einmalige Chance, ein Thema aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten“, sagte Sindelfingens Oberbürgermeister Bernd Vöhringer.

Verwaltungen sollen attraktiver für mögliche Arbeitskräfte werden

Den Anfang machte Hauptamtsleiter Roland Narr. Er skizzierte die Lage in der Sindelfinger Verwaltung, die trotz guter wirtschaftlicher Lage vor der Herausforderung steht, qualifiziertes Personal für die Kinderbetreuung und andere kommunale Aufgaben zu finden und dauerhaft zu binden. Ein großes Problem entsteht durch den demografischen Wandel, wenn sich bis zum Jahr 2030 bundesweit jede dritte Arbeitskraft in den Ruhestand verabschiedet. Als weitere Herausforderung kommt neben Digitalisierung und teurem Wohnraum die niedrige Arbeitslosenquote im Landkreis hinzu. „Der Teich, aus dem wir unsere Fachkräfte fischen, ist praktisch leergefischt“, sagte Narr.

Viele Lösungsansätze klingen nach griffig-fluffigem Business-Sprech: Da ist von „Employer Branding“, „E-Learning“ und einer Weiterentwicklung der „Onboarding-/Offboarding-Prozesse“ die Rede. Gemeint ist damit vor allem eins: Die Verwaltung soll attraktiver für potenzielle neue Arbeitskräfte werden und gleichzeitig Anreize schaffen, damit gute Leute sich nicht anderswo nach einem Job umschauen.

Mit letzterem Problem hat insbesondere das Rathaus im sächsischen Torgau zu tun. Dort muss Oberbürgermeister Henrik Simon kämpfen, damit die Beschäftigten nicht ins nur rund 50 Kilometer entfernte Leipzig abwandern, wo unter anderem eine höhere Vergütung lockt. Ein ganz entscheidender Faktor aus Sicht des Stadtoberhaupts ist die Qualität der Führungskräfte.

Im italienischen Sondrio hat die Pandemie laut Verwaltungsmitarbeiterin Raffaella Volpatti eine neue Arbeitsnormalität geschaffen. Gerade junge Leute seien immer schwerer für unbefristete Stellen zu haben und ließen sich nur mit „Smart Working“ und mehr Digitalisierung ködern.

Hochlohnland Schweiz: Fachkräftemangel als Wohlstandsproblem

In der Schweiz hat man aufgrund des allgemein hohen Lohnniveaus ganz andere Sorgen. Aus Sicht von Daniel Preisig von der Schaffhauser Stadtregierung ist der Fachkräftemangel dort ein Wohlstandsproblem: „Junge Leute wollen mehr Freizeit und weniger arbeiten“, erklärte er, warum Verwaltungen darauf mit flexibleren Arbeitszeiten und höheren Löhnen antworten müssten.

Ähnliche Ansätze waren auch aus dem englischen Dronfield und dem Pariser Vorort Corbeil-Essonnes zu hören. Einig waren sich alle darüber, dass gerade in der Städtepartnerschaft großes Potenzial für Austausch oder Fortbildungen liege.

Aus Ungarn und Polen gab es keine Beiträge, da diesmal niemand aus Györ und Chelm angereist war. Dafür erhielt Giovanni Ferro, der Bürgermeister von Mirabella, das Schlusswort. Die sizilianische 4200-Seelen-Gemeinde ist zwar keine offizielle Partnerstadt Sindelfingens, aber da alleine hier rund 1200 Menschen mit Wurzeln in Mirabella leben, besteht eine enge Verbindung.

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