Selten, dass Sindelfingens Oberbürgermeister Bernd Vöhringer seine Amtskette trägt, aber der Anlass ist feierlich genug gewesen: Am Dienstag wurde in der Sindelfinger Stadthalle der neue Gemeinderat verpflichtet, fünf Jahre sind die 40 Frauen und Männer nun als oberstes und einziges Gremium für die Zukunft von Sindelfingen verantwortlich. Zwei der 15 frisch gebackenen Gemeinderäte hob der Oberbürgermeister besonders hervor: Die Stimmenkönigin Maike Stahl (CDU), die 13 658 Stimmen auf sich vereinigte und den jüngsten Stadtrat, Lukas Voigt (Grüne), der 17 Jahre alt ist. Nachdem die Eidesformel gesprochen war, ging der OB von Tisch zu Tisch, um die neuen Stadträte per Handschlag in ihr Amhinzt einzuführen. Dass mehr Stadträte gingen als kamen, liegt an der Abschaffung der unechten Teilortswahl.
Für die Menschen vor Ort
In seiner Rede würdigte der Oberbürgermeister das kommunale Gremium als Keimzelle der Demokratie, wo alle Entscheidungen für die Betroffenen unmittelbar sichtbar würden. „Der Gemeinderat ist deshalb von herausragender Bedeutung, denn er trifft die Entscheidungen – vor Ort, für die Menschen vor Ort.“ So würden etwa zwei Drittel der Entscheidungen, bei denen es um Nachhaltigkeit gehe in den Gemeinderäten getroffen. Und dass die Sindelfinger Bürger, schwäbisch direkt, nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg hielten, das würde der kommunalen Arbeit zusätzlich einen Stempel aufdrücken. Nicht allein deswegen bezeichnete der Oberbürgermeister das Amt, als ebenso wichtig wie anspruchsvoll.
Etliche Millionenprojekte
Als ob es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, zeigte der OB r den neuen Stadträten die vielen Millionenprojekte auf, die Sindelfingens Zukunft prägen werden. vor allem in puncto Wohnraum wird sich einiges tun. Sobald das Krankenhaus im Jahr 2026 in das Flugfeldklinikum in Böblingen umzieht, kann das Krankenhaus-Areal ganz neu entwickelt werden. Aktuell läuft ein Wettbewerb, und der neue Gemeinderat wird entscheiden, wie das Gelände aussehen wird.
Großes hat Sindelfingen auch mit seiner neuen Mitte vor. 21 Projekte wurden beschlossen, um das Herz der Stadt, wie es die Verwaltung nicht müde wird zu nennen, mit frischen Kräften zu versorgen und umzugestalten. Das Wichtigste ist die Sanierung der Tiefgarage, die vor wenigen Wochen begonnen wurde. Weiteres Schlüsselprojekt ist das Postareal, auf dem ein Kultur- und Bürgerzentrum gebaut werden soll. In etwas weiterer Ferne liegt die Sanierung des Badezentrums, das zu einem Freizeitbad ausgebaut werden soll.
Fahrrad-Infrastruktur in de Autostadt
50 Millionen Euro Sondervermögen sind in den Masterplan Schulen geflossen, mit denen die Bildungseinrichtungen in Sindelfingen auf den neuesten Stand gebracht werden sollen. Und weiterhin versucht die Stadtverwaltung, eine Hochschule in Sindelfingen anzusiedeln. Obwohl Sindelfingen eine ausgewiesene Autostadt ist, arbeitet die Verwaltung mit Hochdruck an einer besseren Infrastruktur für Fahrräder. Weil die Planungen derart komplex sind, wird es verstärkt Sofortmaßnahmen geben, um die löchrigen alten Strecken aufzuwerten.
Wenn Neues kommt, geht Altes. Begleitet vom stimmungsvollen Klavierspiel der Pianistin Poorva Ramakrischnan verabschiedete Bernd Vöhringer 18 Gemeinderäte und dankte ihnen für ihren großen und zeitintensiven Einsatz für die Stadt. 56 Gemeinderatssitzungen, 216 Ausschusssitzungen und dazu noch Klausurtagungen hatten die Räte bestritten, weit mehr als 600 Stunden. Er überreichte ihnen, neben dem obligaten guten Tropfen, einen Picknick-Rucksack mit der Hoffnungen, dass sich die Ehemaligen auch weiterhin für die Stadt einsetzten.