Singendes Gasthaus in Stuttgart Aus voller Kehle

Von Frank Rothfuss 

Patrick Bopp von den Füenf will Menschen singen lassen. Auch solche, die glaubten, sie könnten es gar nicht. Deshalb lädt er künftig einmal im Monat in die Rosenau, das dann zum „singenden Gasthaus“ wird.

Wo man singt, da lass dich nieder: Patrick Bopp vor der Rosenau. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wo man singt, da lass dich nieder: Patrick Bopp vor der Rosenau. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Ein jeder hat das schon erlebt. Der Musiklehrer zeigt mit seinem Finger auf einen, man soll aufstehen und vorsingen. Das Blut schießt einem in den Kopf, aus der Kehle kommt nur ein Krächzen. Alle starren einen an, grinsen und feixen. Es ist eine jener Demütigungen, die man aus Schulzeiten ins Leben mitschleppt.

Patrick Bopp hat nun wahrlich keine Probleme mit dem Singen, er verdient seinen Lebensunterhalt damit. Unter anderem als ein Fünftel der Füenf oder als Leiter des Chors der Musikhochschule Tübingen. Aber er weiß auch, dass anderen die Töne im Hals stecken bleiben.

Um sie hervorzulocken, lädt er in Waiblingen im Schwanen und in Tübingen im Sudhaus schon seit drei Jahren zum Programm „Aus voller Kehle für die Seele“. Da treffen sich Hunderte von Leuten zum gemeinsamen Singen. Lieder von Janis Joplin, Zaz, aus der Rocky Horror Picture Show oder der Oper „Nabucco“, alles ist möglich. Nun will er in Stuttgart neben den ohnehin begeisterten Musikanten auch „diejenigen zum Singen bringen, die von sich behaupten, sie könnten nicht singen“. Am Dienstag in der Rosenau geht’s los. „Das Gasthaus singt“ heißt die Veranstaltung im Stuttgarter Westen, einmal im Monat soll sie stattfinden.

Man glaubt ja nicht, dass es in der Heimat von Gotthilf Fischer nötig ist, Menschen zum Singen zu bewegen. Neben dem Trauma aus dem Musikunterricht schleppt der Deutsche im allgemeinen und der Schwabe im speziellen ein weiteres Handicap mit sich herum: Er ist Perfektionist. „Ich singe erst, wenn ich es richtig kann“, das beobachtet Bopp nicht selten, „aber das kann nicht funktionieren.“ Man muss sich trauen, „die Stimme zeigen“.

Freie Auswahl bei den Liedern

Und das geht leichter, wenn alle anderen auch singen. „Es geht nicht darum, ob man gut oder schlecht singt“, sagt Bopp, übrigens auch ehrenamtlicher Leiter des Chors der Vesperkirche, „es soll Spaß machen.“ Immer wieder kommen hinterher Leute zu ihm und bedanken sich, 30 Jahre hätten sie nicht mehr gesungen und gar nicht gewusst, wie viel Freude das mache. Klar, bei so einem Chorleiter, der einen am Klavier begleitet.

Die Lieder darf man sich wünschen. Bopp prüft dann, welche sich eignen. Und ist dabei für alles offen. „Atemlos“ von Helene Fischer wollte er eigentlich nicht singen lassen. Zu abgenudelt schien der Song. Dann hörte er nochmal rein, und kam auf die Idee, den Elektroteil in der Mitte singen zu lassen. „Das war großartig“, erinnert er sich. Beim „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show sangen sie die Steppschritte mit, Tom Waits dürfen alle knödeln, Udo Lindenberg nuschelt man gemeinsam, und „Deine Spuren im Sand“ von Howard Caprendale singt man mit südafrikanischem Akzent. „Wir schlüpfen in Rollen“, sagt Bopp. So fällt das Singen leichter. Und zwar aus voller Kehle.

Die erste Veranstaltung an diesem Dienstag ist bereist ausverkauft. Die nächsten Termine sind: 20. Februar, 13. März, 17. April, 5. Juni. Karten gibt es für 5 Euro im Vorverkauf in der Rosenau, Rotebühlstraße 109b.
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