Single-Kolumne Wie muss sich Liebe anfühlen?

Oft wird in Filmen oder Romanen suggeriert: Die Liebe ist ein Kampf. Irgendwann verschwinden die Grenzen dazwischen ganz. Dann ist alles Liebe und alles ist Kampf. Muss sich das so anfühlen? Nein! Foto: Lili Oberdörfer

Muss Liebe schwer sein? Dramatisch? Kompliziert? Unsere Autorin sagt: Liebe muss erstmal gar nichts, doch am Ende bestimmt jede:r selbst, wie sie sich anfühlen darf. 

Stuttgart - Es ist zwei Uhr nachts. Gerade habe ich zum zweiten Mal das Buch „Normal People“ von Sally Rooney gelesen und ich finde es nach wie vor großartig. Doch während es mir vor einem Jahr noch Lust auf die Liebe gemacht hat, hinterfrage ich heute: „Will ich das?“ Wir sehen es in Filmen, Serien, bei unseren Eltern, Freunden und auf Promiflash – fast überall wird suggeriert: Die Liebe ist ein Kampf. Irgendwann verschwinden die Grenzen dazwischen ganz. Dann ist alles Liebe und alles ist Kampf. Muss das so sein? Nein, natürlich nicht.

 

Die oben genannte Story handelt von der „intensiven Liebe zwischen Connell und Marianne“. Connell ist beliebt in der Schule, Marianne nicht. Natürlich verlieben sie sich, natürlich ganz heimlich, natürlich wird das nichts. Später an der Universität wendet sich das Blatt: Marianne lebt auf, Connell wird depressiv. Und bis zum Ende kriegen es die beiden absolut nicht hin, einfach zusammen zu sein, sondern verkacken es konstant – durch Machtspielchen, Lügen, Scham, geringes Selbstwertgefühl und vor allem Drama.

Wir verwechseln Tiefe mit Schwere

Oh ja, Drama. Nur so funktionieren sie doch, oder? Die großen Liebesgeschichten auf den großen Leinwänden dieser Welt. Es wird vermittelt: Liebe, die tief geht, muss wehtun. Oft wird Tiefe dabei mit Schwere verwechselt. Eine Schwere, die nach und nach erdrückt, bis man darunter zusammenbricht.

Im Film müsste spätestens jetzt das Happy End kommen. Also warten wir: „Immerhin haben wir ja schon so viel ausgehalten!“ Vielleicht haben wir uns auch einfach mehr zugemutet, als wir wirklich aushalten wollen.

„Es ist nie nur leicht“

Erst letztens habe ich meine Oma gefragt, wie das mit Opa war. Immerhin sind sie ja jetzt schon über 50 Jahre zusammen. „Es war ja bestimmt nicht immer leicht.“ Daraufhin hat sie gesagt: „Es ist nie nur leicht.“

In dieser Antwort steckt sehr viel mehr: Liebe ist nicht linear. Sie ist viel mehr als das – und bedeutet für jede:n etwas anderes.

Wir entscheiden, was Liebe darf

Wie will ich lieben? Welche Arten von Beziehungen will ich führen? Mit wem? Mit wie vielen? Was macht mich glücklich? Wie stelle ich mir mein Leben vor? Welche Kämpfe lohnt es sich zu kämpfen? Wo liegen meine Grenzen?

Die Antworten darauf tragen wir in uns – unabhängig von gesellschaftlichen Strukturen, Hollywood-Klischees und vorgelebten Leben. Liebe muss nämlich gar nichts. Doch am Ende entscheidet jede:r für sich, was sie darf und wie viel davon.

Und glaubt mir: Das fühlt sich gut an!

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