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Stuttgarter Singlebörse getestet „Bye bye, du Hackfresse“

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Immer mehr junge Städter leben heute alleine, auch in Stuttgart. Wir haben für unsere Serie „Wie liebt Stuttgart?“ die Partnerbörse „Stuttgarter Singles“ getestet und dabei lustige aber auch eine negative Erfahrung gemacht.

Über gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Radfahren, wandern oder Kino die Liebe finden, ist das Konzept der Singlebörse „Stuttgarter Singles“. Foto: privat
Über gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Radfahren, wandern oder Kino die Liebe finden, ist das Konzept der Singlebörse „Stuttgarter Singles“. Foto: privat

Stuttgart - Die ganz Einfallsreichen schreiben einfach „Hi“ und setzen den obligatorischen Zwinker-Smiley dahinter. So zurückhaltend sind aber die wenigsten Männer auf der Partnerbörse „Stuttgarter Singles“. Bereits in den ersten zehn Minuten nach der Anmeldung hat man schon zehn neue „Freunde“. Manche sind ganz harmlos, wollen nur ein bisschen hin- und herschreiben, manche greifen auf, was man selbst in seinem Profil geschrieben hat. „Du bist sehr sportlich. Können wir mal Badminton gehen“, schreibt Mike87. Setzt dann aber nochmal nach: „Ach lass uns erst einmal auf einen Kaffee treffen und schauen, ob die Chemie stimmt.“ Die Chemie, die ist nämlich ganz wichtig beim Badminton spielen und die findet man natürlich nicht beim Spiel heraus.

Mancher Single lässt nichts anbrennen

User „Neu“ lässt hingegen gar nichts anbrennen: „Ich habe dich angeschrieben, da du genau mein Typ bist.“ Um seiner E-Mail noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen, setzt er noch einige knutschende Smileys dahinter. Und schreibt ausführlich, dass er hier eine Partnerin suche und fragt, ob er nicht gleich die Handynummer haben könne, weil dann könne man doch direkt über Whatsapp schreiben und überhaupt habe er am kommenden Samstag noch nichts vor. Die Antwort, da habe man keine Zeit, will er nicht gelten lassen. Er schlägt zig Ersatztermine vor, und im August habe er zwei Wochen Urlaub und da könnte man sich täglich treffen.

Wie der Name „Stuttgarter Singles“ schon sagt, sind dort hauptsächlich Stuttgarter und Leute aus der Region angemeldet. Die Gründer der Community, Alexander Haslberger und Andreas Meran, stammen aus München. Dort haben sie bereits im Jahr 1999, lange bevor es Facebook und andere soziale Netzwerke geschweige denn massenhaft Partnerbörsen gab, die Plattform „Münchner Singles“ gestartet. Damals waren sie mit ihrer Börse, die auch ein Forum zum Austausch enthält, ein Novum. Vor vier Jahren sind sie auf dem Stuttgarter Markt gestartet. 10 000 Stuttgarter waren und sind dort inzwischen angemeldet.

Im Vergleich zu anderen Partnerbörsen finden sich hier nicht nur Paarungswillige jedweder Art, sondern auch viele, die einfach nur Bekanntschaften oder Freunde suchen. Deshalb ist die Community auch gut geeignet für Menschen, die neu in der Stadt sind und einfach Anschluss suchen. Denn, Stuttgarter Singles bietet nicht nur die Möglichkeit, sich zu zweit virtuell zu unterhalten, sondern es ist auch eine Veranstaltungsplattform. Ein Bowling-Ausflug, ein gemeinsames Frühstück auf dem Fernsehturm, Kinoabende, oder eine Radtour nach Kornwestheim stehen dort in nächster Zeit an. Auch gibt es Stammtische für unterschiedliche Altersgruppen.

Viele User schätzen auf Nachfrage genau das. Man müsse keine Blind Dates ausmachen, die meistens doch eher verkrampft ablaufen, sondern könne sich auch erst einmal in einer Gruppe ungezwungen treffen. Und daraus kann sich ja manchmal etwas ergeben…und bei vielen hat es tatsächlich gefunkt, wie die Marketing-Beauftragte Veronika Link sagt. Von einem Pärchen berichtet sie, dass es sich dreimal geschrieben, zweimal getroffen hat und seitdem ein glückliches Paar ist. Eine Statistik erheben sie aber nicht darüber, wie viele tatsächlich zusammen finden.

Eine gute Plattform um gemeinsame Freizeitaktivitäten zu planen

Die Events, welche über Stuttgarter Singles angeboten werden, veranstalten die Mitglieder der Community komplett eigenständig. Es gibt keine organisierten Single-Treffs von den Betreibern der Seite, bei denen eine Handvoll Singles bei einem romantischen Stadtspaziergang durch die Stuttgarter Innenstadt zusammengeworfen werden. Nein, vielmehr kann jedes Mitglied ein eigenes Event einstellen und warten, ob sich andere Interessierte melden. Ein Plus: Mit etwas Glück melden sich Leute, die vielleicht den gleichen Film sehen wollen, gerne wandern oder auf der Suche nach Freizeitaktivitäten mit Kind sind.

In vielen anderen namhaften Singlebörsen muss man sich die Suche einiges kosten lassen. Seriöse Anbieter verlangen teilweise bis zu 600 Euro im Jahr für eine Premium-Mitgliedschaft. Die Stuttgarter Singles ist eine kostenlose Partnervermittlung, die Anmeldung geht schnell und unkompliziert, dauert nur wenige Minuten.

Aber es gibt auch einen Haken. Denselben übrigens, den eben alle Online-Börsen und Dating-Apps mit sich bringen: Unangenehme und penetrante Schreiber gibt es auch dort. Und so kostet es einige Mühe, User „Neu“ wieder loszuwerden. Er will sich unbedingt treffen. Nach nur zehn Minuten hat er sich auch schon anders überlegt. Er sucht nun gar keine Partnerin mehr. Ein Abenteuer will er haben. Und zwar möglichst schnell. Er schlägt auch gleich einen Treffpunkt vor: Den FKK-Bereich des Untertürkheimer Freibads. Andere wiederum sind nicht ganz so hartnäckig, dafür gleich niveaulos: User „Sami“ möchte nicht abwarten, ob man seine fünf, immerhin sehr netten, Nachrichten gleich beantwortet. Er schickt gleich nach 15 Minuten eine automatische Nachricht, dass man auf die „Ignore-Liste“ gesetzt wurde. Nicht aber ohne noch einen persönlichen Kommentar dazu zu schreiben: „Bye-Bye du Hackfresse“.