Sinkende Corona-Zahlen im Kreis Esslingen Freibäder und Seen stehen hoch im Kurs

In der Deizisauer Rettichbar haben viele Gäste den Tag gesellig ausklingen lassen. Foto: Horst Rudel

Die anhaltend niederen Inzidenzwerte unter 35 haben den Menschen im Kreis Esslingen neue Möglichkeiten beschert. Bei optimalen sommerbedingten Temperaturen und minimalen pandemiebedingten Einschränkungen hat das öffentliche Leben wieder Fahrt aufgenommen.

Region: Corinna Meinke (com)

Kreis Esslingen - Das erste Wochenende mit deutlich mehr Freiheiten ist vorbei. Endlich haben die anhaltend niederen Inzidenzwerte unter 35 den Kreisbewohnerinnen und -bewohnern neue Möglichkeiten beschert. Bei optimalen sommerbedingten Temperaturen und minimalen pandemiebedingten Einschränkungen hat das öffentliche Leben wieder Fahrt aufgenommen.

 

Freibadbesuch: Eine lange Schlange hat sich vor dem Freibad in Reichenbach gebildet. Vor allem Familien warteten hier sehnsüchtig auf den Einlass zu Beginn der Mittags-Badezeit. „Es ist einfach toll, dass wir wieder ohne Test ins Bad gehen können“, erklärt ein Vater. Er komme mit seinem Sohn extra aus Köngen her, weil im Freibad Wendlingen, das eigentlich näher liegt, momentan die Rutsche geschlossen sei. „Wir sind froh, denn hier haben wir noch ein Ticket ergattert“, berichtet eine Frau, die mit ihrer Familie aus Wangen (Kreis Göppingen) hergefahren ist. Alle anderen Bäder in ihrer Umgebung von Göppingen bis Uhingen seien bereits ausgebucht gewesen. Und eine weitere Familie hat sogar den weiten Weg von Rechberghausen (ebenfalls Kreis Göppingen) für den Freibadbesuch in Kauf genommen, weil im Ebersbacher Bad, das die Familie sonst ab und zu ansteuert, nur das 50-Meter-Becken geöffnet hat. Schuld ist offenbar die fehleranfällige alte Technik, deshalb können Nichtschwimmer- und Planschbecken dort momentan nicht betrieben werden, teilt die Kommune mit.

Badevergnügen: Nur ein paar Steinwürfe entfernt tummelt sich an und in der Fils ein junges Publikum. Auf dem Kiesufer haben junge Erwachsene zwei Campingtische aufgebaut und spielen ausgelassen das Partyspiel Bierpong. Andere lagern entspannt auf dem mit Steinen befestigten recht steilen Ufer und genießen die Aussicht. Ein paar junge Frauen planschen oberhalb des Wehrs, während ein junger Mann die Verbotsschilder ignoriert hat und mit einem Sprung von dem mehrere Meter hohen Stahlgerüst des Wehrs viele Blicke auf sich zieht. Ganze Großfamilien hat es an diesem Wochenende an die Kirchheimer Bürgerseen gelockt. Während die Erwachsenen das Grillgut bewachen, toben die Kinder am Badesteg. Am Plochinger Neckarknie geht es geruhsamer zu. Hier kühlen sich beim Temperaturen um die 30 Grad nur eine Handvoll Jugendlicher im Wasser ab, während etwas flussaufwärts ein Board fürs Stehpaddeln am Ufer dümpelt.

Sonnenanbeter: Die Esslinger Maille hat bei sommerlichen Temperaturen eine besonders hohe Anziehungskraft. Während Familien mit Kindern gerne den Spielbereich ansteuern, haben es sich auf den Rasenflächen und Bänken viele kleine Grüppchen zum Picknicken und Ausruhen gemütlich gemacht. Auf Höhe der Nymphaea tummeln sich Ausflügler am Neckar. Im Plochinger Bruckenwasenpark gibt es noch freie Plätze für alle, die das erste richtige Sommerwochenende in diesem Jahr für ein ausgiebiges Sonnenbad nutzen wollen. Noch mehr Platz gibt es rund um die grüne Lunge im Scharnhauser Park in Ostfildern. Auf der Landschaftstreppe, die mit einer faszinieren Aussicht auf die Schwäbische Alb lockt, ist kaum etwas los.

Stadtbummel: Stattdessen herrscht in den Esslinger Fußgängerzonen reges Treiben. Vor allem in den Pliensaustraße ist es am Samstag proppenvoll. Eine Passantin beantwortet die Frage, warum wohl so viele Menschen trotz der hohen Temperaturen die Innenstadt einem kühlen Fleckchen im Grünen vorgezogen haben so: „Ich glaube, viele haben Nachholbedarf und wollen einfach mal wieder unter Menschen sein, ein bisschen bummeln und einen Kaffee in der Stadt trinken gehen.“ Ähnlich sehen das auch zwei junge Frauen, die durch die Fußgängerzone schlendern. Nein, zum Einkaufen seien sie nicht gekommen, erklärt eine der Frauen: „Wir haben nichts Besonderes vor.“ Währenddessen ist Kerstin Pilitsidis mit dem Besucherandrang in ihrem Laden in der Bahnhofstraße sehr zufrieden. „Die Leute kommen vor allem zum Schauen, sie wollen die Ware mal wieder anfassen können“, hat die Storemanagerin beobachtet. „Ich glaube, die Menschen haben genug von Zuhause und von der Natur“.

Genussmomente: An der Ecke Unterer Metzgerbach hat sich vor einer Eistheke eine Menschentraube angesammelt. Alle warten ganz geduldig und auf Abstand auf eine eisige Erfrischung. Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich am Esslinger Schelztor und auf der Inneren Brücke. Auch die Cafés und Restaurants, die Tische und Stühle für eine kulinarische Verschnaufpause aufgestellt haben, sind fast bis auf den letzten Platz besetzt. Ganz ähnlich sieht es in der Bahnhofstraße aus.

Geselligkeit: Aber nicht nur beim Stadtspaziergang tauchen die Menschen in das bunte Treiben ein. Auch in den Biergärten suchen viele die Geselligkeit, egal ob im Café Uferlos in der Maille, unter Kastanien beim Palmschen Bau oder bei der Kanuvereinigung mit Aussicht auf den Neckar. „Am Sonntag kommen wir bestimmt wieder, da soll es Livemusik geben“, erklärt ein Gast aus Baltmannsweiler, der den Nachmittag in einem Liegestuhl bei Steiner am Fluss in Plochingen genießt. Zum Tagesausklang hat es viele Gäste ins Körschtal gezogen. „Ich freu mich riesig, endlich können wir wieder gemeinsam Fußball schauen“, meint ein Besucher der Deizisauer Rettichbar, wo die Fußball-EM über die Leinwand flimmert.

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