Weltaidstag am 1. Dezember, Antidiättag am 6. Mai, Weltkissenschlachttag am 6. April – der Gedenktagekalender wird immer voller. Wie sinnvoll sind solche Tage?

Stuttgart - Am Samstag ist Weltkissenschlachttag. Was soll das? Soll der Tag Symbol der sanften Konfliktbewältigung sein? Nein. Am Tag der Kissenschlacht ruft eine Vereinigung namens Urban Play-ground Movement – in etwa „Stadt-Spielplatz-Bewegung“ – dazu auf, passive, nicht-soziale Aktivitäten wie etwa Fernsehen durch soziale Veranstaltungen zu ersetzen. Das bedeutet: in den Großstädten rund um den Globus kommen möglichst viele Leute zusammen, bringen ihre Kissen mit (weiche Kissen sind erwünscht), und los geht’s. Am Berliner Alexanderplatz und an der Kölner Domplatte, in London am Trafalgar Square und in Washington DC am Obelisken werden die Federn fliegen.

 

Nicht hinter jedem „Internationalen Tag des . . .“ steckt ein ernsthafter Gedanke. Bei drei bis vier Welttagen pro Woche ist das auch eher unwahrscheinlich. Der „Hast-du-gepupst“-Tag etwa, der an jedem 5. Februar zelebriert wird, muss nicht unbedingt ernst genommen werden. Den Tag des deutschen Butterbrotes lässt man sich als Deutscher, der stolz auf seine Kulturgüter ist, noch gefallen, aber wenn wir ehrlich sind: weltbewegend ist der auch nicht gerade. Und am Tag des Kusses am 6. Juli werden jährlich immer wieder neue Rekorde aufgestellt: wer knutscht am längsten?

Die Vereinten Nationen erkennen viele Gedenktage an

Sämtliche Aktionstage sind auf Portalen wie kleiner-kalender.de verzeichnet, wer es etwas seriöser mag, findet auf unesco.de die von den Vereinten Nationen anerkannten Tage. Unter der Masse an Welttagen sind einige durchaus sinnvoll und thematisieren wichtige Anliegen. Beispielsweise der Weltparkinson-Tag am 11. April: von der European Parkinson‘s Disease Association 1997 ins Leben gerufen, findet er seitdem jährlich am Geburtstag des Arztes und Apothekers James Parkinson (1755-1825) statt. In Deutschland leiden um die 300 000 Menschen an der Nervenkrankheit; weltweit sind es etwa zwei Millionen, unter ihnen der Hollywoodstar Michael J. Fox ebenso wie die Boxlegende Muhammad Ali und der Schauspieler Ottfried Fischer.

Auf dem Aktionsportal welt-parkinson-tag.de werden Informationen zum Aktionstag gebündelt. „Heutzutage haben wir mit Reiz- und Informationsüberflutung zu kämpfen“, sagt Egbert Roggentin, der Initiator der Homepage. „An Gedenktagen wie dem Weltparkinson-Tag sollen die Informationen kanalisiert und bestimmte Dinge ins Bewusstsein gerufen werden.“

Der Parkinson-Tag will eine ernsthafte Auseinandersetzung

Der Weltparkinson-Tag beleuchtet Aspekte der Nervenkrankheit, die sowohl für die Erkrankten und deren Umfeld als auch für Nicht-Betroffene relevant sind. Dieser Tag sei „eine Chance, sich aus der Isolierung zu lösen und mit Gleichgesinnten zusammenzukommen.“ Man müsse aber auch als Außenstehender lernen, mit der Krankheit umzugehen. Am 11. April wird es also ein breit gefächertes, bundesweites Programm rund ums Thema Parkinson geben, hauptsächlich, um dem vergleichsweise jungen Weltparkinson-Tag mehr Bekanntheit zu verschaffen.

Denn den Namen Welttag hat er noch nicht so recht verdient: Internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf den 11. April findet nicht statt. Auch die Vereinten Nationen haben den Weltparkinson-Tag bisher nicht anerkannt. Da hat ihm der internationale Kissenschlachttag etwas voraus. Egbert Roggentin, der Öffentlichkeitsarbeiter in Sachen Parkinson, hat gegen die weniger ernst gemeinten Welttage aber nichts einzuwenden: „Ich habe kein Problem mit dem ‚Tag der verlorenen Socke‘, aber man sollte sich eben bewusst sein, was eine ernsthafte Auseinandersetzung erfordert und was nur Spaß ist.“