Sipri-Bericht Vorsicht vor den nuklearen Zwergen

Spiel mit der Angst: Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un (2. v. l.) treibt das Atomwaffenprogramm seines Landes voran. Foto: Uncredited/KCNA/KNS/dpa/Uncredited

Die Zahl der einsatzbereiten Atomwaffen weltweit wächst. Besonders die Entwicklung bei den kleineren Nuklearmächten muss die Weltgemeinschaft beunruhigen, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Berlin: Tobias Heimbach (toh)

Es ist eine Nachricht, die jeden beunruhigen muss: Die Zahl der einsatzbereiten Atomsprengköpfe hat zugenommen. Das berichtet das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri. Angesichts der Weltlage ist das wenig verwunderlich. Putin führt seit mehr als zwei Jahren einen brutalen Krieg gegen die Ukraine. Russland droht zudem noch anderen Ländern – auch mit dem Einsatz von Nuklearwaffen. Zuletzt gab es eine Übung russischer Truppen, in denen sie den Einsatz taktischer Atomwaffen probten.

 

Auch die USA erneuern ihr Arsenal. Doch die wohl größere Gefahr lauert abseits der beiden großen Nuklearmächte. Nordkorea, die verfeindeten Staaten Pakistan und Indien, China und nicht zuletzt der Iran sind aus nuklearer Sicht womöglich die größte Gefahr. Im Vergleich sind ihre Arsenale klein, doch nicht minder gefährlich. Vor diesen nuklearen Zwergen sollte man sich besonders hüten.

Der Sipri-Bericht zeigt auf, dass China erstmals Sprengköpfe in hoher Alarmbereitschaft hält. Dies ist ein Grund zur Sorge, macht Peking doch keinen Hehl aus seinen imperialen Bestrebungen und setzt immer wieder Taiwan unter Druck.

Auch der Iran steht nach Ansicht vieler Experten kurz vor der Fertigstellung einer Atombombe. Dass das Land kriegsbereit ist, sah man zuletzt im April, als es mehr als 300 Raketen und Drohnen in Richtung Israel schoss. Immer wieder sprechen führende Politiker des Regimes davon, Israel auszulöschen.

Zwar sollte man sich vor simplen Gleichsetzungen hüten: Weniger Atomwaffen bedeuten nicht automatisch eine sichere Welt, auch Abschreckung kann zur Stabilität beitragen. Doch es kommt eben darauf an, in wessen Händen sich diese Waffen befinden. Und viele Regime mit aggressiver Außenpolitik drohen dabei einen wichtigen Konsens zu gefährden: Nämlich, dass der Einsatz von Nuklearwaffen ein Tabu bleibt.

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