Siri und Alexa sind zu höflich Siri würde erröten – wenn sie könnte

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Der Unesco sind Sprachassistenten viel zu unterwürfig, wenn sie beschimpft werden. Benutzer könnten sich so an Sexismus gewöhnen.

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Stuttgart - Höflichkeit ist in unser Zeit eine seltene Tugend geworden. Umso bemerkenswerter ist es, dass digitale Sprachassistentinnen wie Siri von Apple oder Alexa von Amazon sich weiter in vornehmer Zurückhaltung üben – selbst dann, wenn sie in übelster Weise verbal attackiert werden. So kontert etwa Siri die sexistische Beschimpfung „Du Schlampe!“ mit dem drolligen Satz „Ich würde erröten, wenn ich könnte“. So etwas sagten in der guten alten Zeit Dienstmädchen, wenn ihr Dienstherr mal wieder eine anzügliche Bemerkung machte oder ihnen zu nahe kam. In punkto Geschlechterverhältnis sind die Hightech-Machos aus dem Silicon Valley offensichtlich nicht viel weiter.

Die Nutzer sollen sich nicht ans Herumkommandieren gewöhnen

Die Unesco, die bei den Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur zuständig ist, sieht die „eingestellte Unterwürfigkeit“ der Assistentinnen mit großer Sorge, wie es in einem aktuellen Bericht heißt. Die Autoren befürchten, dass Millionen Menschen sich daran gewöhnen könnten, Assistenten mit weiblicher Stimme herumzukommandieren, wenn diese selbst auf Beleidigungen unterwürfig reagierten. Das wiederum könnte sich negativ auf den Umgang mit analogen weiblichen Wesen aus Fleisch und Blut auswirken.

„Fahr rechts, du Vollpfosten!“

Allerhöchste Zeit also, dass Alexa und Co. sich endlich wehren – genauso wie die weiblichen Stimmen von Navigationsgeräten. Wenn der (männliche) Fahrzeuglenker das Navi beschimpft, weil er trotz rechtzeitiger Aufforderung mal wieder vergessen hat abzubiegen, müsste die korrekte Antwort lauten: „Fahr‘ jetzt endlich rechts, du testosterongesteuerter Vollpfosten!“ Wer sich bei Amazon-Bestellungen fortgesetzt blöd anstellt, könnte von Alexa künftig den unmissverständlichen Hinweis erhalten: „Dan hol’ dir deinen Krempel doch selber im nächsten Logistikzentrum ab!“

Die Verfasser des Unesco-Berichts haben noch einen anderen Vorschlag parat: Sie plädieren dafür, dass Sprachassistenten nicht standardmäßig mit weiblichen Stimmen ausgestattet werden. Wer sich nicht benehmen kann, bekommt es dann mit Alexas großem Bruder Alex zu tun. Und mit dem ist nicht zu spaßen – kapiert?