Situation im Stuttgart Süden Flüchtlinge sollen im Alltag besser integriert sein

Der Hof in der Böblinger Straße 18 lädt allenfalls Müllsammler ein. Foto: Nina Ayerle
Der Hof in der Böblinger Straße 18 lädt allenfalls Müllsammler ein. Foto: Nina Ayerle

Günter Gerstenberger vom Stuttgarter Sozialamt stellt sich im Bezirksbeirat den Fragen des Gremiums zur aktuellen Situation. Die SPD hatte in einem Antrag gefordert, dass mehr zur Integration der Flüchtlinge im Stadtbezirk getan werden muss.

S-Süd - Die Situation ist sehr dynamisch.“ Mit diesen Worten eröffnete Günter Gerstenberger vom Sozialamt der Stadt Stuttgart am Dienstag seinen Bericht über die Situation von Flüchtlingen in der Landeshauptstadt. Im gesamten Stadtgebiet, so erläuterte Gerstenberger, seien aktuell 2514 Flüchtlinge in 69 Unterkünften – verteilt auf 15 Stadtteile – untergebracht. Im Stuttgarter Süden leben derzeit rund 340 Flüchtlinge in drei Unterkünften.

Dass Gerstenberger in der letzten Bezirksbeiratssitzung des Jahres einen Bericht über die Flüchtlingssituation gab, war einem Antrag der SPD-Fraktion geschuldet. Die wollte wissen, wie sich die Gesamtsituation darstellt. Doch nicht nur die SPD-Mitglieder des Bezirksbeirats beschäftigt das Flüchtlingsthema. Fraktionsübergreifend macht man sich im Süden Gedanken darüber, wie die Flüchtlinge im Bezirk ihren Alltag gestalten können.

In der Böblinger Straße ist einiges noch schwierig

Bisher sind auch die Bedingungen in der noch relativ neuen Unterkunft in der Böblinger Straße nicht immer einfachen. Dort kann der zum Gebäude gehörende Hof nur bedingt genutzt werden. Einerseits wegen Einwänden von Nachbarn, andererseits, da im Hof Müllcontainer stehen und Sperrmüll lagert. Für die vorübergehende Unterbringung von Sperrmüll könnte man bis zur Abholung laut Gerstenberger möglicherweise einen Raum im Keller des Gebäudes nutzen, einen Ersatzplatz für die Müllcontainer aber sieht Gerstenberger aktuell nicht.

Dennoch will er sich um die Situation kümmern und dabei abklären, wie von dem Gremium gefordert, ob die vorhandene Dachterrasse, die vom Baurechtsamt bislang nicht für eine Nutzung freigegeben ist, so ertüchtigt werden kann, dass die Bewohner diese nutzen können. Im Außenbereich, so Gerstenbergers Feststellung, sei die Unterkunft „nicht sonderlich reichlich ausgestattet“.

Mit einer ganzen Reihe von Angeboten wird laut Gerstenberger versucht, die Integration der Flüchtlinge zu unterstützen. Ob Frauencafé, Frühstückstreffen, spezielle Kinderangebote oder Deutschkurse: auch mit der Unterstützung von zahlreichen Organisationen und Kirchen sowie Ehrenamtlichen werde bereits viel angeboten. Einen Mangel kann Gerstenberger nicht feststellen. Eher seien die Menschen von einer Flut an Angeboten überfordert. Aus Arnim Emrichs Sicht muss generell mehr getan werden, denn Integrationskurse reichten nicht aus. „Denn dort lernen die Menschen ja erst einmal andere Ausländer kennen“, so Emrich von der SPD-Fraktion.

Professionelle Unterstützung der Ehrenamtlichen ist notwendig

Ob es möglich sei, dass das Jobcenter vor Ort in einem eigenen Büro Angebote für die Flüchtlinge machen könnte, wollte FDP-Bezirksbeirat Wolf-Dieter Wieland wissen. Dies kann sich Gerstenberger nur schwer vorstellen. Das Arbeitsamt lasse die Menschen, die Arbeiten wollten, aber nicht im Stich. Allerdings, so gab Gerstenberger zu, gibt es für die Gesamtstadt bislang keine Erfassung darüber, welche Berufe die Flüchtlinge in ihrer Heimat ausgeübt hätten, so dass eine gezielte Vermittlung von Jobs mitunter schwer sei. Probleme bei der Eingliederung in Vereine sowie unerschwingliche Fahrtkosten, um zu diesen zu kommen, sieht Gerstenberger nicht. Zumal ab Anfang des kommenden Jahres ergänzend zur Familien- und Bonuscard auch das Sozialticket komme. Für Christa Niemeier und Christiane Speyer von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist dringend professionelle Unterstützung für die ehrenamtlichen Helfer erforderlich. Hier habe man inzwischen eine weitere halbe Stelle geschaffen, so Gerstenberger.

Dass die jüngste Diskussion sicher nicht die letzte zum Thema Flüchtlinge war, davon ist der Bezirksvorsteher Raiko Grieb überzeugt. Er will das Thema im neuen Jahr erneut auf die Agenda holen.




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