Sitzerücken in Rutesheim Ein Urgestein macht für Jüngere Platz
Im Jahr 1989 wurde der Perouser Ulrich Servay als 27-Jähriger erstmals in den Rutesheimer Gemeinderat gewählt, Nach 35 Jahren hört er auf.
Im Jahr 1989 wurde der Perouser Ulrich Servay als 27-Jähriger erstmals in den Rutesheimer Gemeinderat gewählt, Nach 35 Jahren hört er auf.
Nach 35 Jahren als Rutesheimer Gemeinderat ist für Ulrich Servay Schluss. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni hatte sich der Perouser Landwirt nicht mehr auf die Liste der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV) setzen lassen.
„Ich will ja nicht so enden wie der US-Präsident Joe Biden“, meinte er in seiner letzten Sitzung am vergangenen Montagabend mit einem Augenzwinkern. „Ich freue mich für die jungen Gemeinderäte, die nachkommen, ein Gremium lebt doch auch von der Erneuerung, was ein Zeichen von guter Arbeit ist“, sagte der 62-Jährige. „Ich habe es gern gemacht und für mich ist es jetzt doch eine lange Zeit geworden.“ Insbesondere freut es den 62-Jährigen, dass mit Tobias Fauser wieder ein Perouser Landwirt für die BWV in den Gemeinderat eingezogen ist, der die Interessen seines Berufsstandes weiterhin vertreten wird. Für Ulrich Servay sei es immer mehr zum Spagat geworden, den Beruf – neben Hofladen und Marktbeschickung – mit dem ehrenamtlichen Engagement zu verbinden. „Vor allem donnerstags und freitags war es im Sommer schwer, Zeit zu finden, wenn Veranstaltungen stattgefunden haben.“
Als der Perouser im Jahr 1989 erstmals gewählt wurde, war er damals mit seinen 27 Jahren der jüngste Gemeinderat in Rutesheim. Dass es bei der aktuellen Wahl einige Überraschungen bei den Ergebnissen gab, darüber wundert sich Ulrich Servay gar nicht. Schon früher sei es so gewesen, dass altgediente Räte nicht mehr wiedergewählt wurden. Wie beispielsweise sein mittlerweile verstorbener Parteikollege Fritz Schradi oder auch der kommunalpolitisch erfahrene Erwin Keller (SPD). „Selbst für mich war damals klar, dass die beiden Perouser auf jeden Fall wiedergewählt werden, doch letztendlich haben die Stimmen dann nicht gereicht.“ Servays Bilanz nach 35 Jahren Kommunalpolitik wird immer „die praktischen Dinge“ in den Fokus rücken. „Für Perouse war es enorm wichtig, ein Lebensmittelgeschäft zu bekommen“, sagt Servay. Auch die Umfahrungen von Rutesheim und Perouse seien Meilensteine gewesen. „Bei der heutigen Verkehrsdichte hat das innerorts viel gebracht.“ An die Prozesse der Rutesheimer Ortskernsanierung wird er sich mit Sicherheit auch immer erinnern. „Früher standen da viele alte Buden, jetzt hat Rutesheim mit der Bücherei im Zentrum einen städtischen Charakter, zudem wurde auch noch Wohnraum geschaffen.“ Bei seinen Ratskolleginnen und Kollegen bedankte er sich „für die gute Zusammenarbeit.“ Und auch wenn mal kontrovers diskutiert wurde, „konnte man nach der Sitzung auch noch zusammenstehen.“ Von Bürgermeisterin Susanne Widmaier bekam Ulrich Servay die Bürgermedaille in Gold überreicht. „Ich glaub‘ die ist nicht ganz wertlos, die muss ich irgendwo nach hinten legen“, meinte der Perouser mit einem verschmitzten Lächeln.
Neben Ulrich Servay verabschiedete Widmaier sieben weitere Gemeinderäte, die entweder aus eigenem Wunsch nicht mehr kandidierten oder aber nicht mehr genügend Stimmen bekommen haben. Das sind Ulrich Binder (Bürgerliche Wählervereinigung), Clemens Philippin, Guido Illeson (beide Unabhängige Bürger Rutesheim), Ralph Lange, Claudia Märkt, Alexander Vetter (alle CDU) sowie Meike Weiß. „Sie und alle Mitglieder im Gremium haben lange und erfolgreich zusammengearbeitet. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit untereinander und mit unserer Verwaltung. Die Zeiten waren und sind schwierig, die Herausforderungen groß“, sagt die Bürgermeisterin. Große Krisen wie die Coronapandemie hätten bewältigt werden müssen. „Und trotzdem ist in diesen fünf Jahren viel geleistet und erreicht worden.“
Zudem würdigte Susanne Widmaier einige Rätinnen und Räte für ihre langjährige Tätigkeit im Gemeinderat. Für 30 Jahre bekam Wolfgang Diehm (BWV) eine Ehrennadel und Ehrenstele mit Gravur überreicht (1994-2024). Insgesamt 25 Jahren sind Christine Almert (CDU; 1999-2024) und Fritz Schlicher (Bündnis 90/Die Grünen; 1995-1999 und 2000-2024) dabei. Für ihre zehnjährige Arbeit in der Kommunalpolitik wurden Ulrich Binder (BWV; 2014-2024), Claudia Märkt (CDU; 2010-2024), Clemens Philippin (UBR; 2014-2024), Frank Philippin (BWV; 2014-2024); Tommy Scheeff (SPD; 2014-2024) und Alexander Vetter (CDU; 2014-2024) ausgezeichnet.