Sitzung im Landtag Harsche Kritik an der Aufarbeitung des Turnskandals im Land

Das Stuttgarter Kunstturnforum stand Ende 2024 im Zentrum der Kritik im Rahmen des Turnskandals. Foto: Pressefoto Baumann

Wie wird der Ende 2024 bekannt gewordene Turnskandal im Rahmen einer Arbeitsgruppe zeitlich und inhaltlich aufgearbeitet? Darüber wurde am Donnerstag heftig diskutiert.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Um den so genannten Turnskandal ist es eher ruhig geworden in den vergangenen Wochen – aber: Am Donnerstag gab es gleich doppelten Grund, sich den bedenklichen Geschehnissen im Turnsport, die Ende 2024 öffentlich wurden, zu widmen. Am Arbeitsgericht Stuttgart ging es um die Klage eines Trainers gegen seine Kündigung seitens des Schwäbischen Turnerbunds (STB). Am Nachmittag dann war die Aufarbeitung der Umstände – unter anderem am Kunstturnforum Stuttgart – im Landtag ein Thema.

 

Es tagte der Ausschuss für Kultus, Jugend und Sport – auf Antrag der SPD-Fraktion im Landtag geschah dies öffentlich. Es ging: Um den Stand der Arbeit einer Kommission, die im Frühjahr eingesetzt worden war.

Das Kultusministerium hatte den organisierten Sport beauftragt, die Lage zu analysieren und Ableitungen für eine bessere Zukunft zu treffen. Dafür wurde vom Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) eine Arbeitsgruppe eingesetzt unter Vorsitz des früheren Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger. „Wir können“, sagte der im April, „nicht erst zu Potte kommen, wenn der Markt verlaufen ist.“ Man stellte damals zumindest einen Zwischenbericht bis Juli 2025 in Aussicht.

Teilergebnisse hat es bislang aber nicht gegeben, was am Donnerstag SPD-Mann Sascha Binder scharf kritisierte. „Das ist keine Forschungsaufgabe“, sagte er, „sondern eine Aufklärungsarbeit.“ Und weil Carmen Borggrefe, Professorin am Sportinstitut der Uni Stuttgart und Teil der Kommission, betonte, für vergleichbare wissenschaftliche Arbeiten wären bis zu 30 Monate nötig, ergänzte Binder: „Diese Zeit gibt es nicht.“

Ohnehin gab es Differenzen bezüglich der Erwartungen an die Kommission. Man habe Aufklärung angekündigt, sagte Binder. Borggrefe hielt dagegen, es sei von Beginn an eine Analyse der Strukturen angedacht gewesen – um daraus „Rückschlüsse für Anpassungen“ zu ziehen. Auch sei schnell klar gewesen, dass schnelle Ergebnisse bis Sommer oder gar ein Abschlussbericht bis Ende dieses Jahres nicht möglich gewesen wären. Eine Prognose, wann Ergebnisse der Kommissionsarbeit vorlägen, könne sie nicht geben. Und juristische Aufklärung könne die Arbeitsgruppe „nicht leisten“. Es ermittelt ja auch die Staatsanwaltschaft in drei Fällen. Auch das dürfte das Fortkommen der Kommission verlangsamen.

Von sechs Arbeitspaketen sprach Carmen Borggrefe am Donnerstag. Nummer eins und zwei seien erledigt, nun würden rund 30 Interviews, unter anderem mit Sportlerinnen und Sportlern, geführt. Die müssten dann verschriftlicht und ausgewertet werden. Sascha Binder reichte diese Perspektive nicht aus. Mit Blick auf Zeit und Inhalt der Arbeit der Kommission meinte er, der Versuch des LSVBW sei für ihn „seit heute ein gescheiterter“.

Sascha Binder kritisierte die Arbeit der Kommission. Foto: IMAGO/Achim Zweygarth

Die Wissenschaftlerin Borggrefe wies darauf hin, alle Kommissionsmitglieder seien nebenberuflich in dieser Sache tätig – und betonte: „Wir machen ausdrücklich kein wissenschaftliches Forschungsprojekt, haben aber den Anspruch, dass die Arbeit wissenschaftlich fundiert ist.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kultusministerium Turnen