Sitzung in Corona-Zeiten Region stellt Weichen für besseren S-Bahnverkehr

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Der Verkehrsausschuss der Region Stuttgart hat mit seinem Ja zur modernen Signaltechnik und zur Planung für neue S-Bahnlinien Weichen für einen besseren Nahverkehr gestellt. Denkwürdig war die Sitzung aber aus einem anderen Grund.

Die  Regionalräte sitzen jeweils zwei Meter voneinander entfernt. Foto: Lichtgut/Kovalenko
Die Regionalräte sitzen jeweils zwei Meter voneinander entfernt. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Stuttgart - Unter ungewöhnlichen Corona-Umständen hat der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart am Mittwoch die Weichen für eine bessere Infrastruktur der S-Bahn ab Mitte des Jahrzehnts gestellt. Zum einen stimmten die Regionalräte einer Vereinbarung zu, die die Ausstattung des Bahnknotens Stuttgarts mit der modernen Signaltechnik ETCS im Zuge von Stuttgart 21 vorsieht und die am Freitag, 24. April, auch im S-21-Lenkungskreis von Bahn, Land und Region besiegelt werden soll.

Zum anderen billigten sie die 15 Millionen Euro teuren Planungen für verschiedene S-Bahn-Maßnahmen. Darunter sind der Abzweig der S 1 von Wendlingen nach Nürtingen im Kreis Esslingen, die Verlängerung einer weiteren Linie nach Stuttgart-Vaihingen und Böblingen/Ehningen, ein dichterer Takt der S 60 zwischen Böblingen und Renningen, eine neue Linie S 62 von Leonberg nach Feuerbach im Zuge der S 6 sowie neue Bahnsteige in den Stationen Feuerbach, Böblingen, Sindelfingen und Bad Cannstatt. Auch Abstellanlagen für S-Bahnwagen sollen an verschiedenen Bahnhöfen gebaut werden.

Wegen der Bedeutung der Entscheidungen hatten Regionalpräsident Thomas Bopp und die Fraktionschefs beschlossen, den seit Mitte März ruhenden Sitzungsbetrieb der Regionalversammlung wieder aufzunehmen. Deshalb gab es im Hospitalhof zahlreiche Schutzmaßnahmen von getrennten Ein- und Ausgängen in den Saal bis hin zu Einzeltischen im Zwei-Meter-Abstand für die 32 Regionalräte, von denen einige eine Alltagsmaske trugen.

S-21-Lenkungskreis tagt

Ungewohnt wird auch die Sitzung des S-21-Lenkungskreises am Freitag ablaufen. Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Bahnvorstand Ronald Pofalla, Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Bopp besprechen sich in einer Videokonferenz. Dabei wird vertraglich fixiert, dass die neuen S-21-Schienenwege nicht wie bisher vorgesehen mit herkömmlicher Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet werden, sondern mit der neuen europaweit geltenden ETCS-Technologie mit digitalen Stellwerken. Für den digitalen Schienenknoten Stuttgart, also auch den Regional- und S-Bahnverkehr, mit Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro soll ein Anteil von 160 Millionen Euro aus der S-21-Finanzierung kommen. Bis zur von der Bahn genannten Inbetriebnahme von S 21 im Dezember 2025 sollen wesentliche Teile des Bahnknotens und auch die S-Bahnstammstrecke digitalisiert sein. Der Ausbau im gesamten S-Bahnnetz bis zu den Endhaltestellen soll 2030 fertig sein.

Mit ETCS wollen Bahn und Region die Verspätungen der S-Bahnen besser in den Griff bekommen und mehr Züge auf der Stammstrecke fahren lassen. Allerdings ist momentan offen, ob und wie sich die Corona-Krise auf die Lieferung von 58 neuen S-Bahnen und die weiteren Investitionen in ETCS sowie den Ausbau der Infrastruktur in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro auswirkt.

Umweltverbände fordern Stopp am Flughafen

Der S-21-Lenkungskreis erhält auch Post von den Umweltverbänden BUND, VCD und Pro Bahn. Sie fordern in einem offenen Brief, dass die Arbeiten für den Flughafenbahnhof und die Planungen für die Gäubahnführung ausgesetzt werden, um Fehlinvestitionen in eine „nicht zukunftsfähige Lösung“ zu vermeiden. Sie machen sich für einen Bahnhof direkt an der S-21-Neubaustrecke oder für einen statt wie geplant zwei Bahnhöfen für Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr am Flughafen stark. Außerdem fordern sie den Erhalt der Panoramabahn mit einer Endstation am Stuttgarter Hauptbahnhof.




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