Skandal um WM-Bewerbung 2006 Die Schlinge zieht sich zu

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Eine dubiose Millionenzahlung des Deutschen Fußball-Bundes an den Weltverband Fifa legt den Verdacht der Bestechung nahe. Der Gesamtschaden für den deutschen Fußball wäre unabsehbar, kommentiert Sportredakteur Heiko Hinrichsen.

Franz Beckenbauer (links) und Wolfgang Niersbach standen an der Spitze des Organisationskomitees. Foto: Gettyabo
Franz Beckenbauer (links) und Wolfgang Niersbach standen an der Spitze des Organisationskomitees. Foto: Gettyabo

Stuttgart - Ein wenig Vorsicht ist geboten, immerhin liegen (noch) keine Beweise vor. Doch die Gerüchte, die schon länger im Zusammenhang mit der mutmaßlich gekauften Vergabe zur späteren Sommermärchen-WM 2006 in Deutschland kursieren, sie wachsen sich stetig zu einer stabilen Indizienkette aus. Immerhin hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag erstmals zugegeben, dass es im April 2005 eine dubiose Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband Fifa gegeben hat.

Sehr gut möglich also, dass sich die immer stärker verdichtende Indizienkette bald als Schlinge um die Hälse der Bosse des einstigen Organisationskomitees (OK) zuzieht. An deren Spitze stand neben dem OK-Chef Franz Beckenbauer auch der amtierende DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Als OK-Vizepräsident soll Niersbach nach den jüngsten Vorwürfen von den mutmaßlichen Bestechungen gewusst haben.

Fällt Beckenbauer von seinem Sockel?

Hätten die Deutschen tatsächlich vier asiatische Stimmberechtigte bestochen, um dem von dem einstigen Fifa-Präsidenten Sepp Blattter favorisierten Südafrika die Fußball-WM 2006 vor der Nase wegzuschnappen, dann wäre Niersbach als DFB-Präsident nicht mehr haltbar. Und Franz Beckenbauer, der als Spieler und Teamchef 1974 und 1990 Weltmeister wurde, der wäre als Lichtgestalt des deutschen Fußballs unwiderruflich vom Sockel gestoßen.

Bewahrheitet sich der schwerwiegende Verdacht, der über den deutschen WM-Machern schwebt, dann wären dies allerdings nur zwei bemitleidenswerte Einzelschicksale. Denn der Gesamtschaden, den der deutsche Fußball bei Fans, Sponsoren und dem Ausland nehmen würde, er wäre unabsehbar. War der Bundesligaskandal aus den frühen Siebziger Jahren noch eine weitgehend nationale Angelegenheit, so handelt es sich diesmal offenbar um ein internationales Kriminalstück. Deutschlands Fußballmacher stünden dann auf einer Stufe mit der korrupten Fifa-Funktionärsriege um den Ex-Boss Blatter.

Noch regiert der Konjunktiv, ist nichts bewiesen. Dass auch diesmal wieder, wie bereits bei der Steueraffäre des Uli Hoeneß, der Name des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus als Geldgeber kursiert, lässt allerdings nichts Gutes erahnen.




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