Skandinavien Die Angst vor „schwedischen Verhältnissen“
Die Norweger, Dänen und Finnen blicken besorgt auf die Bandenkriminalität in Schweden. Das wissen vor allem rechte Parteien für sich zu nutzen.
Die Norweger, Dänen und Finnen blicken besorgt auf die Bandenkriminalität in Schweden. Das wissen vor allem rechte Parteien für sich zu nutzen.
Der Begriff „schwedischer Export“ war in Skandinavien lange ein Synonym für Qualität. Doch nun blicken Norwegen, Dänemark und Finnland mit Sorgen auf die Bandenkriminalität in Schweden, die auch vor ihren Grenzen nicht Halt macht.
Besonders betroffen ist Dänemark. So wurde etwa in Kopenhagen am Mittwoch ein 25-jähriger Schwede gefasst, der mit zwei Handgranaten unterwegs war. Der dänische Justizminister Peter Hummelgaard hat daraufhin umgehend eine Krisensitzung einberufen. „Wir werden diejenigen hart schlagen, die bei uns in Dänemark für schwedische Verhältnisse sorgen wollen“, kündigte der Sozialdemokrat an, der „Druck“ auf die Regierung in Stockholm ausüben will. Seit Anfang dieser Woche werden auch die Grenzübergänge nach Schweden von dänischen Beamten schärfer kontrolliert.
Schweden hat seit Jahren ein Problem mit kriminellen Banden, die sich mit Waffen und Bomben Kämpfe um Drogenreviere liefern. Brisant ist, dass die meisten Mitglieder einen Migrationshintergrund haben. Bei diesen Kämpfen kam es allein in diesem Jahr schon zu 172 Schießereien und 29 Toten. Eines der letzten Opfer war ein führendes Bandenmitglied, das am vergangen Dienstag auf einem Spielplatz in Linköping niedergestreckt wurde – was wohl Racheaktionen nach sich ziehen wird.
Gegen diese Spirale der Gewalt scheinen auch die regierenden Mitte-Rechts Parteien unter Ulf Kristersson nicht anzukommen, die die Wahlen vor zwei Jahren mit Law-and-Order-Versprechen gewonnen hatten. Zwar sind die Gefängnisse nun voller als während der achtjährigen Regierungszeit der Sozialdemokraten. Doch die Banden rekrutieren nun gezielt Jugendliche für schwere Verbrechen, da diese von der Justiz nur schwer belangt werden können. Die Kriminalität der unter 15-Jährigen hat sich in dem Land mit zehn Millionen Einwohnern innerhalb weniger Jahre verzehnfacht, schon Grundschulkinder werden als Drogenkuriere rekrutiert.
Doch die Ausbreitung der kriminellen Aktivitäten von Schweden aus in den Nachbarländern hat noch andere Gründe. Die Familien der Bandenmitglieder werden zunehmend zur Zielscheibe und fliehen deshalb ins Ausland. Da die Drogenreviere immer aggressiver verteidigt werden, ist es für die Banden inzwischen sicherer, in den Nachbarländern Drogen zu verkaufen. Zudem sind in Norwegen die Schwarzmarktpreise höher.
„In allen norwegischen Polizeidistrikten sind die schwedischen Banden mittlerweile aktiv“, sagt Kristin Kvigne, Norwegens erste Kripo-Beamtin. Auch in der finnischen Grenzregion gibt es Ableger der Banden. Die Kriminalität hat auch Einfluss auf die Politik. So erzielte die rechte Partei Basisfinnen 2023 mit Warnungen vor „schwedischen Verhältnissen“ mehr als zwanzig Prozent und kann in einer Mitte-Rechtskoalition eine harte Ausländerpolitik umsetzen. In Norwegen steigen die Umfragewerte der rechten „Fortschrittspartei“, die 2025 mit den Konservativen eine Koalition anstrebt.
Dänemark betreibt seit Jahren eine harte Migrationspolitik. So nimmt das Land kaum noch Asylsuchende auf, sie werden in Sammellagern untergebracht. Zudem haben Menschen mit Migrationshintergrund mit vielen Auflagen zu kämpfen.