Skateboarden in Stuttgart Warum die Stuttgarter Szene gefrustet ist

Von Marta Popowska 

In Zeiten, in denen es das Skateboarden bis zu Olympia geschafft hat und der Sport bereits im kommenden Jahr Disziplin in Tokio sein wird, ärgern sich die Stuttgarter Sportler über mangelnde Flächen. Jüngst hat eine Aktion der Stadt weiteren Frust hervorgerufen.

Florian Bürkle im Skatepark Botnang – einer der wenigen Anlagen unter freiem Himmel in Stuttgart Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Florian Bürkle im Skatepark Botnang – einer der wenigen Anlagen unter freiem Himmel in Stuttgart Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Ein klein bisschen neidisch macht die Stuttgarter Skateboard-Szene der Blick nach Reutlingen, Göppingen oder Waiblingen derzeit. Denn diese Kommunen haben große Summen in neue, moderne Skateparks investiert.

„Wir wollten ein ausgesprochenes Jugendprojekt als Gartenschaubeitrag“, sagt beispielsweise Michael Seeger. Er leitet den Fachbereich Städtische Infrastruktur bei der Stadt Waiblingen. „Geplant wurde die Anlage in Workshops mit BMXern, Scooter-Fahrern und Skateboardern“, sagt er. Die Sportler habe man bewusst miteinbezogen. Man könne da schließlich viel falsch machen. Mehr als 900 000 Euro hat die Anlage letztlich gekostet, die jedes Wochenende voll sei, da sie so gut ankomme.

In der Landeshauptstadt existiert keine vergleichbare Anlage unter freiem Himmel. „Es ist schade, dass die Stadt uns als Randgruppe behandelt. Stuttgart hätte so viel Potenzial“, sagt Nick Henning, Vorsitzender des Stuttgarter Skateboardvereins. In der Stadt gebe es viele Skater, auch drei Profi-Fahrer beziehungsweise -Fahrerinnen, die im Olympiakader seien. „Viele Leute haben das gar nicht auf dem Schirm, dass das nun olympisch ist“, sagt Henning. Auch nicht, dass die moderne Stuttpark-Halle am Cannstatter Bahnhof offizieller Olympia-Trainingspunkt sei.

Ein Konzept für Heslach wurde abgelehnt

Doch die Halle kostet Eintritt und steht den vielen anderen potenziellen Nutzern solcher Anlagen nicht offen. Neben Skateboardern möchten auch Scooter-Fahrer, Inliner oder BMXer ihren Sport ausüben. Im Frühjahr und Sommer am liebsten draußen. Blickt man jedoch in die Stadt und sucht nach Sportstätten unter freiem Himmel, wird es überschaubar. Modernen Maßstäben entspricht laut Henning nur der kleine Park in Botnang. „Der ist aber oft so voll, dass man nicht fahren kann“, sagt er.

Vor kurzem hat sich eine Interessengruppe aus Skateboardern und Jugendratsmitgliedern an den Bezirksbeirat in Stuttgart-Süd gewandt. Denn was es in so manchem Bezirk gibt, sind alte marode Parks. Einer davon steht in der Ziegelklinge in Heslach. „Wir haben in Eigenregie ein Konzept erarbeitet, wie man den alten Platz renovieren könnte“, erklärt Florian Bürkle. Der engagierte Skateboarder hat die Idee dem Bezirksbeirat unter anderem vorgestellt. Eigentlich sei das auch gut angekommen.

„Im Bezirksbeirat gab es große Unterstützung für die Skater“, betont der Bezirksvorsteher im Stuttgarter Süden, Raiko Grieb. Doch hätte das Projekt mehr Platz benötigt. „Die Anlage wäre mehr in Richtung Wald gegangen. Das ist aber Naturschutzgebiet. Von der Verwaltung gab es die Antwort, dass dies nicht gehe“, sagt Grieb. Gleichzeitig hätten Anwohner ihr Veto angemeldet, da sie Lärm durch Kinder und Jugendliche befürchteten. „Ich habe den Skatern empfohlen, Heslach aufzugeben. Es wäre politisch schlauer, sich beispielsweise auf den Österreichischen Platz zu konzentrieren“, sagt Grieb mit Hinblick auf die Möglichkeiten, die die raren Flächen in der Stadt noch hergeben. Seit der Parkplatz unter der Paulinenbrücke Geschichte ist, wird über die Zukunft des Areals diskutiert.

Anlage am Erwin-Schöttle-Platz laut Skatern völlig untauglich

Bei den Skatern herrschen Resignation und Frust. Befeuert wurde das zusätzlich, als die Stadt im April hinter der Matthäuskirche am Erwin-Schöttle-Platz eine kleine Spielfläche errichtete, die Elemente zum Skaten hat. Allerdings wurde laut Henning niemand aus der Szene über die Maßnahme informiert oder miteinbezogen. „Die Anlage ist unbrauchbar und sogar gefährlich. Ich habe da schon Scherben herumliegen sehen“, sagt er. Auf dem Sandboden könne man sich bei Stürzen zudem verletzen. Und Florian Bürkle wundert sich auch, dass der Platz 20 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt liege: „Der Ärger mit den Anwohnern ist da vorprogrammiert.“

Bezirksvorsteher Raiko Grieb erklärt, dass es sich bei dem Platz baurechtlich um ein Spielfeld für Kinder und Jugendliche handelt, das vielfältig genutzt werden könne. „Es war nie als reine Skateanlage geplant“, betont er. Für alles andere wäre eine Nutzungsänderung nötig gewesen. Er hofft, dass für die Skater eine Lösung gefunden wird: „Jugendliche brauchen solche Flächen und den Lärm, den sie machen, muss man auch mal aushalten.“

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