Skigenuss in den Dolomiten Sundowner in Südtirol

Von der Sonne verwöhnt: Skigebiet Carezza in Südtirol Foto: Bernhard

Ins Südtiroler Eggental kommen Skifahrer nicht wegen der Pistenkilometer. Die beiden Skigebiete Obereggen und Carezza glänzen mit Lage, Lage, Lage. Und mit Schneemachern der allerersten und der aktuellen Stunde.

Freizeit & Unterhaltung: Bettina Bernhard (bb)

Weit schweift der Blick über weiße Pisten hinunter ins Tal und zu den gegenüberliegenden Bergen. Dann bleibt er hängen an einem großartigen Schauspiel, das fast allabendlich aufgeführt wird: Die untergehende Sonne färbt den Rosengarten, dieses Unesco-geadelte Dolomiten-Felsmassiv, rötlich, rot, dunkelrot.

 

Beim Zwergenkönig vom Rosengarten

Sonnenuntergang in der Laurins Lounge am mit 2337 Metern höchsten Punkt des Skigebiets Carezza. Von der Bergstation der neuen Kabinenbahn, die natürlich auch den Namen von Laurin, dem sagenhaften Zwergenkönig vom Rosengarten trägt, führt tagsüber eine 7,6 Kilometer lange Talabfahrt hinunter nach Welschnofen. Auf Genießer, die sich den speziellen Sonnenuntergangs-Aperitif samt Häppchen auf der Panoramaterrasse gegönnt haben, wartet an ausgewählten Terminen die letzte Bahn, um sie sicher ins Tal hinunterzubringen.

Es ist der krönende Abschluss eines Skitages im Gebiet Carezza, das sich am Fuß der Dolomiten-Schönheiten über Almen, Wiesen und Wälder von Welschnofen (Nova Levante) bis hinüber zum Karersee (Carezza, der Namensgeber des Gebiets) und Karerpass zieht.

Dessen Geschichte erzählen zwei, die sie maßgeblich mitgeschrieben haben: Vater und Sohn Eisath. „Seit 1892 die Dolomitenstraße gebaut wurde, kamen Touristen hierher“, weiß der 39-jährige Florian Eisath. Damals entstanden Grandhotels wie das am Karersee und erste Lifte. Die damalige Pionierregion für Skifahrer entwickelte sich freilich nur bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts und blieb dann auf dem Niveau der 1970er-Jahre stehen. „Vereinfacht gesagt, stellte jeder Bauer einen Lift auf seine Wiese und knipste die Tickets ab. Aber nichts geschah gemeinsam oder koordiniert“, so Eisath junior.

Der ehemalige Skirennläufer Florian Eisath Foto: Bettina Bernhard

Das änderte sich vor einigen Jahren grundlegend, als Vater Georg Eisath das Skigebiet kaufte und es gemeinsam mit seiner Familie komplett umkrempelte. Woher er das nötige Kleingeld dazu hatte, erzählt Georg Eisath eher beiläufig. „Schnee war schon immer Mangelware auf der Alpensüdseite. Als das Skigebiet Obereggen 1972 in Betrieb ging, bekam ich als Betriebsleiter die Aufgabe, eine Beschneiungsanlage zu planen.“ Eisath experimentierte mit Schneekanonen aus den USA und Kanada und entwickelte gemeinsam mit einem Kollegen und dem Dorfschmied eine eigene, alpentaugliche Schneekanone. Die drei gründeten die Firma Technoalpin, heute Weltmarktführer mit rund 700 Mitarbeitern.

Ein Skigebiet mit Klimazertifikat

Als er aus der Firma ausstieg, kaufte sich Georg Eisath nicht nur ein Skigebiet, sondern vor allem eine neue Aufgabe. In Carezza, wo auch der Hof seiner Frau Monika Auer liegt – die Moseralm, heute ein Wellnesstempel –, wurden alle Liftanlagen erneuert, Hütten, neue Verbindungen und Beschneiungsanlagen gebaut. Und das alles mit dem Anspruch, zertifiziertes Klimaskigebiet zu werden. Diese Aufgabe fiel Sohn Florian zu, der nach seiner Skirennläuferkarriere ins Familienunternehmen einstieg wie seine Geschwister und seine Frau Maria Gufler.

Skikanonen mit Schmelzwasser

Wie ein Klimaskigebiet funktioniert, zeigt das Paar bei einer Skirunde. Von der in der Landschaft versteckten neuen Bergstation der Gondelbahn, die ganzjährig Skifahrer und Wanderer transportiert, geht es auf einen Abstecher in den Fuhrpark. Dort warten moderne Pistenraupen auf ihren punktgenauen Einsatz am Abend: Das Gelände ist genau vermessen und der Fahrer bekommt auf den Schirm, wo er die Schneedecke um wie viel auffüllen muss. Der nötige Schnee dazu wird rund um die Uhr mit Schneekanonen produziert – aber nur bei optimalen Produktionsbedingungen, sprich Temperaturen. Und mit Ökostrom und Wasser aus Regen- und Schmelzwasser-gefüllten Speicherseen.

CO2 auf ein Zehntel reduziert

„Von ursprünglich 1800 Tonnen CO2 im Jahr haben wir auf 300 Tonnen reduziert, und seit der Diesel für die Pistenraupen durch synthetische Kraftstoffe ersetzt ist, sind es nur noch 180 Tonnen pro Jahr“, sagt Eisath. Diese weiter zu reduzieren, wird kleinteilig. So wurde zwar auch die Verpflegung der Mitarbeiter, die rund 50 Tonnen CO2 verursacht, hinterfragt, doch „Menschen, die in der Kälte körperlich arbeiten, kann man nicht mit Gemüsesuppe abspeisen“, sagt Eisath. Aber sie tüfteln daran.

Wachstum ist kein Thema

Auch in Obereggen, wo einst die Kunstschnee-Innovation begann, arbeitet man am Thema Nachhaltigkeit. So wird der ganze Ort aus der eigenen Fernheizanlage, die mit Hackschnitzeln läuft, beheizt. Lifte, Stationen und Unterkünfte bekommen grünen Strom aus Wasserkraft. Ein Netz aus Ski- und Wanderbussen und ganzjährig geöffnete Bergbahnen ermöglichen Urlaub ohne Auto. Vor allem aber hegen die Verantwortlichen keine Wachstumspläne.

„Das Liftgebiet wird nicht mehr vergrößert, nur noch verfeinert, Liftanlagen erneuert oder ersetzt und neue Abfahrten erschlossen“, sagt Benjamin Kirchmaier, Geschäftsführer der Obereggen Liftgesellschaft. So genießt man – rund um das Unesco-Welterbe Latemar – 50 Pistenkilometer mit schöner Optik, tollem Panorama, fotogenen Felsformationen und abwechslungsreicher Landschaft. Zum Abschluss des Skitages nimmt man hier den Aperitivo Lungo auf der Berghütte Oberholz. Sie liegt auf 2096 Metern, wurde 2017 erbaut und heizt mit Erdwärme. Die Cocktails mixt Tobias Pfeifer aus selbst produzierten Säften, die Häppchen dazu stammen aus lokaler Produktion. Lecker nachhaltig!

Info

Anreise
Mit dem Zug via München nach Bozen. Weiter mit Bus oder Taxi, www.bahn.de.Mit dem Auto über die Brennerautobahn bis Ausfahrt Bozen Nord/Eggental.

Unterkunft
Nobel im Hotel Cristal in Obereggen, DZ/F ab 306 Euro, www.hotelcristal.com Familiär im Hotel Stern in Deutschnofen, DZ/F ab 166 Euro, www.hotel-stern.it Rustikal im Berghaus Rosengarten in Welschnofen. DZ/F ab 236 Euro, www.berghaus-rosengarten.com Mittendrin im Hotel Passo Carezza, DZ/F ab 182 Euro, www.passocarezza.com

Essen und Trinken
Südtiroler Spezialitäten und leckere Drinks mit hausgemachten Zutaten und mit oder ohne Alkohol serviert die Berghütte Oberholz, www.oberholz.com Pfiffig aufbereitete traditionelle Küche aus Südtirol findet man in der Franzin Alm, www.franzinalm.com Den Aperitif passend zum Sonnenuntergang hat Laurins Lounge im Angebot, www.laurinslounge.it

Aktivitäten

Das Skigebiet Obereggen mit rund 50 Pistenkilometern ist geöffnet seit 30. November, www.obereggen.com und www.latemar.it. Im Skigebiet Carezza mit rund 40 Pistenkilometern laufen die Lifte ab dem 7.  Dezember, www.carezza.it

Allgemeine Informationen

Eggental Tourismus, www.eggental.com

Südtirol Tourismus, www.suedtirol.de

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