Skilift in Großerlach Jeder Winter ist eine Zitterpartie

Von anc/ibu 

Die zuletzt schneearmen Winter bereiten dem Betreiber des Skilifts in Großerlach Probleme. Ein Park für Biker und Boarder eröffnet im Frühjahr - er könnte das Geschäft beleben.

Am Lift in Großerlach ist endlich mal wieder Betrieb. Foto: Gottfried Stoppel
Am Lift in Großerlach ist endlich mal wieder Betrieb. Foto: Gottfried Stoppel

Großerlach - Großerlach ist nicht Ischgl. Deswegen müssen sich die Skifahrer gedulden, bis der zweite Mann am Lift von der Schule kommt. Dann erst drückt der Chef, Gottfried Mauss, den Schalter, und der Schlepper nimmt laut ratternd seinen Betrieb auf.

An diesem Nachmittag haben ganz unterschiedliche Wintersportler den Weg zu der 400 Meter langen Spur gefunden, in der man sich hangaufwärts ziehen lassen kann. Fester Bestandteil der Pistengemeinde sind die Jungs vom Ort mit ihren Snowboards. Lässig klemmen sie sich den Bügel des Schlepplifts zwischen die Beine. Und weil man so etwas wie eine große Familie ist, nehmen sie auch gerne die Thermoskanne mit Tee für den Liftmitarbeiter mit nach oben. Als Nächstes hakt sich Anna Figura aus Bretzfeld ein. Sie kommt schon seit einigen Jahren nach Großerlach. „Früher bin ich mit dem Skiclub weggefahren, aber inzwischen ist mir das zu viel.“ Zehn Abfahrten reichen ihr jetzt – die Knie der 68-Jährigen danken es ihr.

Manche finden die Bedingungen sogar besser als auf der Schwäbischen Alb

Neuland ist der Großerlacher Hang dagegen für Thomas Bormann und seine beiden Söhne. „Wir nutzen das verlängerte Wochenende, um die Skilifte in der Region auszuprobieren.“ Auf der Schwäbischen Alb sei es fast zu wenig Schnee gewesen, jetzt blickt der Stuttgarter mit kritischem Blick auf das Gras, das an manchen Stellen hervorblitzt. Nach der ersten Abfahrt indes geht der Daumen nach oben: „Bessere Decke als auf der Alb, ideal, um sich auf einen Skiurlaub vorzubereiten.“

Solche Worte müssten eigentlich Balsam für die geschundene Seele von Gottfried Mauss sein, denn das Leben oder Überleben als kleiner Skiliftbetreiber im Schwäbischen Wald ist hart. „Es müssen mindestens 30 Besucher sein, damit ich mit null rauskommen. Der Lift, das Flutlicht, die Skihütte, alles braucht wahnsinnig viel Strom“, sagt der 50-Jährige. Immerhin: Am letzten Wochenende der Weihnachtsferien war mächtig was los in Großerlach. Fast so wie früher. „Mir erzählen die Leute, dass der Hang damals schwarz war vor Menschen“, sagt Mauss, der vor einigen Jahren aus Zufall zum Skilift gekommen ist. Das Freizeitzentrum wurde versteigert, der gelernte Gartenbautechniker hob die Hand – obwohl er selbst noch nie auf den Brettern stand, geschweige denn eine Ahnung von Skiliften hatte. Trotzdem nahm er die Anlage wieder in Betrieb. Und hält seitdem an ihr fest. Warum, das kann er selbst nicht so richtig in Worte fassen – vermutlich gebe es eine Art Verbundenheit. „Ich bin als Kind hier schon mit dem Schlitten runtergerutscht.“

Der große Wunsch: einmal den Lift vier Wochen öffnen können

Ansonsten hätte Gottfried Mauss sicherlich schon hingeschmissen. Im vergangenen Winter war der Lift nur eine Woche lang in Betrieb, im Jahr davor überhaupt nicht. Mit Petrus liegt der Großerlacher im Dauerclinch. „Einmal den Lift vier Wochen offen zu haben, das wäre ein Gottesgeschenk“, sagt Mauss, denn die unsicheren Winter bringen für ihn mehrere Probleme mit sich: „Investitionen sind schwer zu tätigen, wenn man nicht weiß, wie der Umsatz aussieht“, sagt er. Von der schwierigen Personalplanung mal ganz abgesehen. Eine Angestellte für die Skihütte hat er, wenn Schnee fällt, muss dann eben die ganze Familie mithelfen.

Das Sommergeschäft könnte die Zukunft des Schlepplifts sein

Ein Glücksfall ist es da, dass der Großerlacher Hang auch im Sommer immer mehr Sportler anzieht. Erst waren es die Longboarder, die die Strecke für sich entdeckten. Für die Mountainbiker und -boarder wird zudem nun ein Park mit verschiedenen Trails, Hindernissen und Sprungmöglichkeiten gebaut. Im Frühjahr soll die Eröffnung sein. Von Boardern und Bikern nämlich gleichermaßen geschätzt wird der Lift, der die Sportler wieder nach oben bringt. Und so könnte es sein, dass das Sommergeschäft den Winterbetrieb des Schleppers rettet. Das würde auch die Skifahrer freuen: „Es würde schon etwas fehlen, wenn es den Lift in der Nähe nicht mehr gäbe“, sagt Anna Figura.




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