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Skispaß in Carezza In der Schule des Bürgermeisters

Von aus Carezza 

Carezza in Südtirol - für Familien die richtige Adresse: Ideale Ski-Bedingungen für Kinder und Anfänger.

Das Skigebiet Carezza in den Dolomiten lockt schon an den kurzen Dezembertagen dank seiner Südhänge mit vielen Sonnenstunden. Foto: TVB ROSENGARTEN/LATEMAR
Das Skigebiet Carezza in den Dolomiten lockt schon an den kurzen Dezembertagen dank seiner Südhänge mit vielen Sonnenstunden. Foto: TVB ROSENGARTEN/LATEMAR

Das Dörfchen Carezza in Südtirol ist für Familien die richtige Adresse. Auf den Pisten am Fuße von Rosengarten und Rotwand finden Kinder und Anfänger ideale Bedingungen zum Üben und Lernen.

Markus Dejori kommt trotz minus 13 Grad gut gelaunt zur Talstation in Carezza. Seine Rennskier trägt er lässig auf der Schulter. Er ist schlank, hat schwarze Haare mit ein paar grauen Strähnen. Nach italienischer Tradition hat er eine große dunkle Sonnenbrille im Gesicht. Seine roten Skiklamotten mit den Abzeichen am Arm und auf der Brust zeichnen ihn als Skilehrer aus.

"Jetzt zeig' ich euch mal mein Skigebiet", sagt er und schnallt die Rennlatten an. Wenn er das sagt, dann nicht nur, weil er seit Jahrzehnten in Carezza als Skilehrer arbeitet. Hauptberuflich ist Markus Dejori Bürgermeister der 2000-Seelen-Gemeinde Welschnofen, zu der auch Carezza gehört.

Mit dem Paolina-Sessellift geht es auf über 2100 Meter hinauf. Die Hänge sind fast ohne Ausnahme nach Süden gerichtet. Schon an den kurzen Dezembertagen bekommen Skifahrer auf den Pisten über Carezza dadurch viele Sonnenstunden ab.

Markus lässt seine Skispitzen Richtung Talstation zeigen. Trotz der Rennskier erreicht er dabei nur selten rennmäßige Geschwindigkeiten. Denn bis auf wenige Ausnahmen sind die Pisten in Carezza einfach zu meistern - viele breite und flache Hänge ziehen sich ins Tal. "Das hat den Vorteil, dass sich Kinder und Anfänger nicht den ganzen Tag mit einem einzigen Idiotenhügel herumplagen und langweilen müssen", sagt der Pisten-Bürgermeister. Wenn es einmal steiler wird, können diese Abschnitte meist auf Ziehwegen umfahren werden.

Wer es sportlicher mag, nimmt die Gondel von der Talstation aus zum Sessellift Pra di Tori. Hier führt eine knapp zweieinhalb Kilometer lange schwarze Abfahrt ins Tal. "Auf diesem Hang findet ein Weltcuprennen der Snowboarder statt", erzählt Markus. Der sportbegeisterte Bürgermeister war in seiner Jugend selbst Rennläufer. "Ich habe im Sommer sogar an Grass-Ski-Rennen teilgenommen" erzählt er, "dafür sind wir vor 25 Jahren bis nach Kirchheim/Teck gefahren."

Auf dem Rückweg vom Pra di Tori legt Markus eine kurze Verschnaufpause ein - es ist Mittagszeit. Wir kehren im Hennenstall ein. Die Hütte ist urig eingerichtet, viel Holz, ein offener Pizzaofen, Kellnerinnen im Dirndl. Skifahren in den Dolomiten unterscheidet sich gerade beim Einkehrschwung vom hektischen Betrieb vieler Verpflegungsstationen in Österreich und der Schweiz.

Die Speisekarte erfüllt unsere Hoffnungen. Schlutzkrapfen mit brauner Butter, Hirschcarpaccio auf Rucolabeet und Parmesankäse, Polenta mit Pilzen und Käse. Danach noch der obligatorische Espresso macchiato und zurück in den Schnee.

Erste Skilifte in den 1950er Jahren

Die Verbindungen zwischen den einzelnen Pisten sind am Karersee, wie Carezza auf Deutsch heißt, ein wenig mühselig. Lange Ziehwege, langsame Schlepp- oder sogar Tellerlifte führen unter den Gipfeln von Rotwand und Rosengarten hin und her. "Unser Gebiet ist alt", erklärt Markus, "es ist nicht am Reißbrett entstanden, wie man das heute machen würde." In den 1950er Jahren entstanden hier die ersten Skilifte. Die wurden damals von den Hotels eigens für ihre Gäste gebaut. "Die Gäste vom Savoy sind dann 30-mal am Tag mit dem Savoy-Lift gefahren. Die Gäste vom Hotel Moser 30-mal mit dem Moser-Lift und so weiter", erinnert sich Markus.

Solange es die Stadtgeschäfte von Welschnofen zulassen, steht Markus auf Skiern. "Kinderkurse gebe ich besonders gerne", sagt er mit einem Lächeln. Das Einzige, was bei den kleinen Skianfängern häufig den Lernerfolg behindert, sind die Eltern. "Die folgen den Kursen oft aus Sorge. Doch dann sind die Kinder abgelenkt und fallen viel öfter hin. Dabei sollten die einem Bürgermeister doch vertrauen."

Die Hänge, auf denen sich die Nachwuchsskifahrer tummeln, die Pisten unterhalb des Paolina-Lifts, werden im Sommer als Golfplatz genutzt. "Wir fahren grade über das Grün beim dritten Loch", erzählt Markus, als er am Nachmittag die letzte Abfahrt Richtung Carezza in Angriff nimmt. "Der Weinkeller im Hotel Alpenrose neben der Talstation ist ein echtes Highlight", flüstert er uns noch zu, bevor er sich verabschiedet.

Während sich der Pistenbürgermeister wieder den Amtsgeschäften widmet, folgen wir seinem Rat. Als sich die Tür zum Keller öffnet, strömt dem Besucher der Geruch von altem Holz und schwerem Wein in die Nase. Die gesamte Einrichtung wurde aus einem alten 10.000-Liter-Rotweinfass gebaut. Die Tischplatte war einst die Vorderseite des Fasses. An der Unterseite lässt sich bis heute der Weinstein ertasten. Auf den Fassdauben an der Wand lagern die Flaschen. Vorwiegend Südtiroler Weine wie der Lagrein.

Skifahren in den Dolomiten, speziell in Carezza, richtet sich vor allem an Familien und Genießer. Wer die ultimative sportliche Herausforderung sucht, ist am Karersee wohl fehl am Platz. Doch wer seine Kinder zum Skikurs in die vertrauenswürdigen Hände eines Bürgermeisters geben möchte, der ist am Fuße des Rosengarten-Massivs gut aufgehoben.