Skisport Kristoffersen setzt Maßstäbe

Elegant und schnell – Henrik Kristoffersen setzt im Slalom neue Maßstäbe. Foto: dpa
Elegant und schnell – Henrik Kristoffersen setzt im Slalom neue Maßstäbe. Foto: dpa

Der Norweger Henrik Kristoffersen ist auf dem Weg zum neuen Superstar des alpinen Skisports. Während sich der 21-Jährige selbst bescheiden gibt, kennt die Bewunderung der Konkurrenz keine Grenzen mehr.

Sport: Dominik Ignée (doi)
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Adelboden/Stuttgart - Das seit Jahren anhaltende Duell zwischen den Slalom-Größen Marcel Hirscher und Felix Neureuther wird seit Wochen empfindlich gestört. Der neue starke Mann im Stangentanz heißt Henrik Kristoffersen – und die beiden Platzhirsche haben Mühe, der großen Entdeckung dieses Skiwinters hinterherzukommen. Der Norweger, der südöstlich von Oslo aufwuchs, ist zarte 21 Jahre jung und für die Beobachter der alpinen Szene das, was man einen verdammt coolen Burschen nennt. Er schert sich um herzlich wenig. Diese der skandinavischen Mentalität entsprechenden Herangehensweise macht den Alpenbrüdern Hirscher und Neureuther zurzeit kräftig zu schaffen.

In Adelboden gewann Kristoffersen seinen dritten Slalom in dieser Saison, aber es war nicht nur das. Vor allem verzückte die Art und Weise, mit welcher der Norweger den Österreicher und den Deutschen aussehen ließ wie Schulbuben. Als Sechster des ersten Durchgangs raste er mit einem nahezu perfekten Lauf auf Platz eins. Er führt nun die Slalomwertung mit 40 Punkten vor Hirscher an, Neureuther ist Vierter. Der 31 Jahre alte Bayer hält den neuen Mann am Slalom-Himmel allerdings nicht erst seit dem vergangenen Sonntag für „unfassbar abgebrüht“. Und Hirscher hält das, was Kristoffersen zeigt, schlicht und ergreifend für „brillant“.

Die Etablierten haben ihren Meister gefunden

Sie reden den neuen Supermann der Slalom-Szene nicht aus taktischen Gründen stark – sie wissen, er würde sich dadurch eh nicht nervös machen lassen. Sie haben in diesem Winter ihren Meister gefunden, es kann nur noch darum gehen, an ihn heranzukommen. Ähnlich kometenhaft war vor wenigen Jahren die derzeit verletzte US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin (20) aufgestiegen und den etablierten Slalom-Frauen auf und davon gefahren. Sie hat sich damals sofort Respekt verschafft – nichts anders macht nun Kristoffersen. „Ich spüre keinen Druck von außen“, sagt er gelassen. Den Druck, Vollgas zu geben, den mache er sich schon selbst.

Dass Henrik Kristoffersen den großen Jungs der Slalom-Branche irgendwann den Rang ablaufen könnte, zeichnete sich bereits in den vergangenen Jahren ab. Der in Lorenskog geborene Skifahrer gewann bei alpinen Junioren-Weltmeisterschaften stramme sechs Goldmedaillen – das schaffte vor ihm noch keiner. Bei den Winterspielen in Sotschi holte er sich mit 19 Jahren dann auch noch ziemlich frech Slalom-Bronze und setzte seinen Weg nach oben durch drei Weltcupsiege im vergangenen Winter fort. Wer hält ihn auf?

Lobeshymnen von der Konkurrenz

Gute Frage. Er habe noch nicht das richtige Mittel gefunden, um den Norweger auf Distanz zu halten, gibt Hirscher zu und beweist, dass er durchaus die Fähigkeit besitzt, das Können eines Konkurrenten bewundernd anzuerkennen. Der DSV-Alpinchef Wolfgang Maier schnalzt derweil mit der Zunge, nennt Kristoffersen „Wunderkind“ und „Mozart des Skisports“. Er prophezeit dem Blonden eine Karriere als Topstar des alpinen Zirkus’ – irgendwann. Für den Coach des Hochgelobten ist klar, warum sein Schützling so stark ist. „Wir schauen nicht nach links und rechts“, sagt Christian Mitter, ein Deutscher, der die Norweger trainiert.

Schon als Pimpf wurde Henrik Kristoffersen auf Bretter gestellt, es gibt Fotos, da schaut er aus wie ein norwegischer Verschnitt des schwedischen Lausbuben Michel aus Lönneberga. Im Februar 2009 gewann er in seiner Altersklasse den Slalom und den Riesenslalom des Trofeo Topolino, eines der wichtigsten internationalen Kinderskirennen. Von da an ging der Weg steil nach oben. Im Windschatten der großen Norweger Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud reifte er unbemerkt zum Siegfahrer. Jetzt ist er da.

Der Seriensieger bleibt bescheiden

Auf die Tube drückt er deshalb aber nicht. „So viele Legenden haben vor mir in Adelboden gewonnen – und jetzt stehe ich auch auf dieser Liste“, staunte Kristoffersen, der Hirscher trotzdem noch für das Maß der Dinge in den technischen Disziplinen hält. Brav so. Doch Hirscher selbst sagt: „Henrik ist jetzt schon einfach eine Klasse besser als der Rest im Slalom.“

Kein Norweger war jünger, als er eine olympische Alpin-Medaille holte, kein Norweger war jünger bei seinem ersten alpinen Weltcupsieg und keiner war jünger bei seinem ersten Europacupsieg. Henrik Kristoffersen ist nicht aufzuhalten.

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