Nach Team-Bronze könnten die deutschen Adler eigentlich entspannt heimreisen. Berichte polnischer und norwegischer Medien über einen vermeintlich zu großen Anzug von Karl Geiger sorgen aber für Verstimmungen.

Peking - Bei einer großen Portion Nudeln mit Tomatensoße, einem kleinen Bier und ein wenig Tischtennis ließen müde deutsche Skispringer ihren letzten olympischen Abend ausklingen, selbst Bronze-Held Markus Eisenbichler war für die obligatorische Schuhplattler-Einlage zu groggy. „Es sind extrem intensive olympische Tage gewesen, gerade am Anfang haben wir viel Energie gelassen“, sagte Karl Geiger, der im abschließenden Teamspringen das Happy End in Bronze perfekt gemacht hatte: „Es ist schön, dass man mit einem guten Gefühl nach Hause fliegen kann.“

 

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Trotz seiner beiden Bronzemedaillen von der Großschanze werden Geigers Erinnerungen an Peking nicht uneingeschränkt erfreulich bleiben Die bösen Pleiten von der Normalschanze sowie die mühsame Formsuche ließen ihn verzweifeln. Und nun muss sich der Allgäuer auch noch gegen Schummel-Vorwürfe wehren: Ein zu großer Anzug, so der Verdacht polnischer und norwegischer Medien, habe der deutschen Nummer eins beim Einzel-Bronze am Samstag illegal erworbene Vorteile verschafft.

Karl Geiger weist die Vorwürfe entschieden zurück

„Ich war in jedem Wettkampf in der Kontrolle, heute zweimal. Der Anzug war an keiner Stelle zu groß, an einer Stelle sogar zu klein. Mein Anzug ist nicht zu groß. Punkt“, sagte der Oberstdorfer entschieden. 

Dabei waren die Deutschen im Mixed Opfer einer umstrittenen Disqualifikation der Einzelzweiten Katharina Althaus geworden, das Anzug-Thema zog sich wie verdorbener Brei durch die trostlose erste Peking-Woche. „Es ist so viel darüber geredet worden, jetzt muss auch mal gut sein“, meinte Geiger am Dienstag.

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Viel lieber wollten sich die Deutschen an die schönen Olympia-Momente erinnern, die erste Medaille für den sechsmaligen Weltmeister Eisenbichler beispielsweise, der im Teamspringen überragte. „Ich bin überglücklich“, sagte der 30-Jährige: „Jetzt kann ich das abhaken in meiner Karriere.“ 

Den Winter abhaken können die DSV-Adler hingegen nicht: Der Wettkampfkalender ist gnadenlos, bereits am Wochenende nach Olympia geht es im von Geiger angeführten Weltcup in Lahti weiter, danach steht die Skiflug-WM mit Titelverteidiger Geiger an. „Die Skispringer sind es gewohnt, von Highlight zu Highlight zu reisen“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher: „Wir haben noch einiges vor.“

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In Gedanken hatte Geiger zwar schon mit Olympia abgeschlossen, vor der Siegerehrung am Dienstagabend aber noch ein paar warme Worte für den Gastgeber parat - und für (Sport-)Deutschland: „Die Spiele sind im Vorfeld scharf kritisiert worden, aber so, wie sie es gemacht haben, war es gut“, sagte er: „Das nächste Mal, bevor man etwas Kritisches sagt, muss man als Deutschland vielleicht selber mal eine Bewerbung rausschicken.“ 

Allerdings: Deutsche Olympia-Bemühungen - München (2018 und 2022) im Winter sowie Leipzig (2012), Hamburg (2024) und Rhein-Ruhr (2032) im Sommer - waren zuletzt krachend gescheitert, teils schon am Veto der Bevölkerung.