Skispringerinnen bei der WM Die Frauen wollen mehr

Von Jochen Klingovsky 

In Seefeld ist der Teamwettbewerb erstmals im WM-Programm der Skispringerinnen. Die wollen aber mehr. „Zur Gleichberechtigung fehlt noch die Großschanze“, sagt Carina Vogt.

Olympiasiegerin Carina Vogt will endlich auch die ganz weiten Sprünge machen. Foto: AFP
Olympiasiegerin Carina Vogt will endlich auch die ganz weiten Sprünge machen. Foto: AFP

Seefeld - Im Vorfeld einer WM wird stets darüber spekuliert, in welchem Wettbewerb es den größten aller Gold-Favoriten gibt. Trotz Langlauf-Superstar Therese Johaug waren sich die Experten einig: natürlich im Teamspringen der Frauen. Was einerseits nachvollziehbar ist, schließlich zählen Katharina Althaus, Carina Vogt, Juliane Seyfarth und Ramona Straub allesamt zur Weltspitze. Andererseits ist es alles andere als selbstverständlich, dass dieser Tipp überhaupt möglich war. Denn der Weg zur Gleichberechtigung ist für die Skispringerinnen noch weit.

Grünes Licht vom Weltverband (Fis) gibt es zwar schon länger, doch aufgenommen in ihr Programm haben die Organisatoren der WM in Seefeld den Teamwettbewerb erst vor vier Wochen. Angeblich mussten zuerst organisatorische Probleme gelöst werden, hinter den Kulissen wurde indes gemunkelt, dass es vor allem um finanzielle Fragen ging. Logisch: Je mehr Wettbewerbe es gibt, umso mehr kostet eine WM. Den Skispringerinnen war dies egal. Sie machten einen Freudensprung, als sie erfuhren, dass nun endlich stattfindet, was sie schon seit Jahren fordern. „Wir haben lange genug Werbung für uns gemacht“, sagt Carina Vogt, die Olympiasiegerin und doppelte Doppel-Weltmeisterin (2015/2017), „jetzt gibt es für uns WM-Wettbewerbe von der Normalschanze, im Team und Mixed-Team. Zur Gleichberechtigung mit den Männern fehlt nur noch das Springen von der Großschanze.“

Was zeigt: Die Athletinnen sind heiß auf das WM-Teamspringen an diesem Dienstag (16.15 Uhr/ARD). Zufrieden geben werden sie sich damit nicht.

Der Bundestrainer differenziert

Wer mit Andreas Bauer über das Thema Emanzipation redet, erlebt einen Bundestrainer, der differenziert. Innerhalb des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) fühlen sich die Springerinnen gut behandelt. Zahl der Lehrgangstage, Trainingsbedingungen, technische Unterstützung, Hilfe von Sponsoren – „im DSV“, sagt Andreas Bauer, „sind wir absolut gleichgestellt. Das geht bis hin zu den Audis, die sich die Mädels jedes Jahr bestellen können.“ An anderer Stelle dürfte aus Sicht des Bundestrainers dagegen etwas mehr Gas gegeben werden.

Zuletzt hat Bauer eine Vierschanzentournee für Frauen gefordert, deren Wettbewerbe, so sein Vorschlag, könnten in Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen am Tag der Männer-Qualifikation ausgetragen werden. Der Bundestrainer wünscht sich noch mehr Großschanzen im Weltcup, und er glaubt, dass die Zeit reif ist für den ersten Frauen-Wettbewerb im Skifliegen. „Was die Leistung angeht, haben die Frauen einen großen Sprung gemacht. Die Dichte ist viel größer geworden“, sagt Bauer, „ich bin mir sicher, dass es im Skispringen irgendwann so sein kann wie im Biathlon, wo Männer und Frauen gleichwertige Rennen und ähnliche TV-Quoten haben.“

„Die Vierschanzentournee für Frauen wird kommen“

Es ist eine Perspektive, die nicht alle teilen. Gian Franco Kasper, der Präsident des Weltverbandes, zweifelt zum Beispiel daran, dass die Skispringerinnen den selben Aufmerksamkeitsfaktor generieren können wie ihre männlichen Kollegen. Trotzdem ist der 75-jährige Schweizer, zumindest sagt er das, ein Verfechter der Gleichberechtigung. „Die Vierschanzentournee für Frauen wird kommen“, sagt Kasper, „allerdings ist es derzeit noch zu früh dafür. Die Skispringerinnen haben große Fortschritte gemacht, aber was Leistung und Anzahl angeht, müssen sie noch zulegen.“

Die Athletinnen sehen das anders. Bei der WM machen sie nun, was die Gleichstellung angeht, einen Sprung nach vorne. Am Ziel gelandet sind sie aber längst noch nicht.